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Polen, Schweden, Slowakei und Spanien: EM-Gruppe E im kicker-Check

Polen, Schweden, Slowakei und Spanien im Check

Gruppe E: Leitwolf Lewandowski - Isak statt Ibrahimovic - Wie spielt Spanien?

Protagonisten der Gruppe E: Robert Lewandowski, Alexander Isak, Luis Enrique (v. li.).

Protagonisten der Gruppe E: Robert Lewandowski, Alexander Isak, Luis Enrique (v. li.). Getty Images (2), imago images

Polen: Alters- und Leistungsgefälle

Der wohl beste Spieler der Welt könnte bereits in der Vorrunde ausscheiden, auch wenn sich Rekordbrecher Robert Lewandowski in der Form seines Lebens befindet. Nachdem der Bayern-Stürmer weder der EM 2012 noch der EM 2016 seinen Stempel aufdrücken konnte, ist das paneuropäische Turnier dahingehend wohl die letzte Chance für den inzwischen 32-Jährigen.

Doch um Lewandowski herum gibt es eine Menge Ungewissheit. Zum einen hat die Mannschaft unter Trainer Paulo Sousa, der im Januar übernahm, erst fünf Spiele bestritten, zum anderen kommt nach dem Weltfußballer erst einmal eine Weile nichts. Eine talentierte Garde um den erst 17-jährigen Kacper Kozlowski rückt zwar nach, für sie dürfte das Turnier allerdings zu früh kommen.

Etwa beim 2:2, der Generalprobe gegen das nicht qualifizierte Island, zeigte sich ein gestikulierender "Lewy" von seinen qualitativ abfallenden Mitspielern frustriert, noch nicht alle Abläufe unter Sousa sitzen. Spanien und Schweden wirken jeweils gefestigter, weshalb es am Ende wohl von Unterschiedsspieler Lewandowski abhängt, ob Polen eine Chance aufs Weiterkommen hat.

Polens Spieltermine: Slowakei (14. Juni, 18 Uhr, St. Petersburg), Spanien (19. Juni, 21 Uhr, Sevilla), Schweden (23. Juni, 18 Uhr, St. Petersburg)
Die EM-Basis: Sopot/Polen
Endrunden und Erfolge: Drei Teilnahmen, kein Titel
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Schweden: Zurück zu alten Methoden?

Einer Nation, die bei der WM 2018 im Viertelfinale stand, könnte man das EM-Achtelfinale durchaus zutrauen, oder? Nun ja, vom Fokus auf ihre stabile Defensive sind die Schweden seither ein wenig abgerückt, was sich zuletzt gegen namhaftere Gegner nicht gerade positiv auswirkte.

Andererseits hat sich Janne Anderssons Kader nur bedingt verändert, die Skandinavier zählen zu den ältesten Mannschaften im Turnier. Den Altersschnitt weiter angehoben hätte Nationalmannschaftsrückkehrer Zlatan Ibrahimovic, der jede Menge individuelle Qualität mitgebracht hätte, nun aber verletzt ausfällt.

Im schwedischen Angriff wirbelte zuletzt ohnehin eher manch junger Wilder, auch wenn der COVID-19-infizierte Dejan Kulusevski (Juventus) mindestens die ersten beiden Gruppenspiele verpassen wird. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Ex-BVB-Stürmer Alexander Isak, der für Real Sociedad in der abgelaufenen Saison 16 Tore schoss. Mehr Treffer waren in La Liga auch Ibrahimovic nicht gelungen.

Schwedens Spieltermine: Spanien (14. Juni, 21 Uhr, Sevilla), Slowakei (18. Juni, 15 Uhr, St. Petersburg), Polen (23. Juni, 18 Uhr, St. Petersburg)
Die EM-Basis: Maynooth/Irland
Endrunden und Erfolge: Sechs Teilnahmen, kein Titel
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Slowakei: Platz 4 wirkt gepachtet

Die Slowakei hatte sich in den Play-offs gegen Nordirland durchsetzen müssen und zählt wohl nicht zu den Außenseitern, denen eine größere Überraschung zuzutrauen ist. Obwohl der K.-o.-Phasen-Einzug vor fünf Jahren Mut machen könnte.

Gegen eine Wiederholung dieser Leistung spricht, dass damalige Leistungsträger wie Marek Hamsik ihren Zenit inzwischen überschritten haben, im Prinzip ragt aus der Mannschaft nur Abwehrchef Milan Skriniar heraus, der mit Inter Mailand italienischer Meister wurde.

Die 26 Slowaken, von denen 25 im Ausland spielen, sind in Gruppe E klarer Underdog, der mit Spanien den wohl schwierigsten Gegner immerhin als letztes bespielen muss. Dennoch gilt das Vorrunden-Aus - trotz vier Gruppendritten, die ebenfalls weiterkommen - als ziemlich wahrscheinlich.

Slowakeis Spieltermine: Polen (14. Juni, 18 Uhr, St. Petersburg), Schweden (18. Juni, 15 Uhr, St. Petersburg), Spanien (23. Juni, 18 Uhr, Sevilla)
Die EM-Basis: St. Petersburg/Russland
Endrunden und Erfolge: Eine Teilnahme, kein Titel
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Spanien: Neue Gesichter - doch welche spielen?

Vor einigen Monaten wurde Luis Enrique gefragt, ob seine wechselhafte Mannschaft den Titel gewinnen kann? Er bejahte. Seither hat die "Furia Roja" zum Beispiel die Deutschen mit 6:0 vom Platz gefegt, aber auch Rückschläge wie das 1:1 gegen Griechenland waren keine Ausnahmen.

Ein spanisches Team, das durch Luis Enriques Verzicht auf den nicht vollständig fitten Kapitän Sergio Ramos kaum noch etwas mit der großen Generation von 2008 und 2012 verbindet, wirft durchaus ein paar Fragen auf.

Die erste ist ganz aktuell: Wie sehr werden die Spanier von Corona beeinträchtigt? Der Parallelkader - für den Fall der Fälle - wächst und wächst. Wodurch erneut ein seltsames Licht darauf fällt, dass Luis Enrique nur 24 der 26 erlaubten Kaderplätze vergab.

Einen etwa an Aymeric Laporte, der die Junioren-Nationalmannschaften Frankreichs durchlaufen hatte, für die A-Auswahl aber nicht berücksichtigt wurde. Der ManCity-Verteidiger zählt zu den Gesichtern eines neuen Spaniens, dessen Stammpersonal sich in seiner Gänze noch nicht so richtig herauskristallisiert hat.

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Die Innenverteidigung könnten mit Laporte und Pau Torres zwei Linksfüßer bilden, im Mittelfeld Barcelonas Youngster Pedri und Atleticos Marcos Llorente antreiben. Oder aber etabliertere Akteure wie Thiago und Koke. Es läuft auf einen Mix hinaus. Vorne werden neben den jungen Ferran Torres und Dani Olmo die Hoffnungen auf Europa-League-Sieger Gerard Moreno ruhen, der in der abgelaufenen Saison eindeutig der beste Stürmer seines Landes war.

Auch drei heimische Vorrundenspiele in Sevilla machen die Spanier zum klaren Favoriten in Gruppe E. Und wenn Luis Enrique, dessen Nominierungen nicht nur in Madrid in der Kritik standen, eine homogene Mannschaft formt, zählen sie vielleicht sogar zu den Mitfavoriten auf den Titel.

Neben üblicher Spielkontrolle setzt der Trainer nämlich auch zeitgemäß auf das geradlinige Bestrafen von gegnerischen Fehlern. Den Ball ins Tor tragen war einmal, in Deutschland hat man das schon mitgekriegt.

Spaniens Spieltermine: Schweden (14. Juni, 21 Uhr, Sevilla), Polen (19. Juni, 21 Uhr, Sevilla), Slowakei (23. Juni, 18 Uhr, Sevilla)
Die EM-Basis: Madrid/Spanien
Endrunden und Erfolge: Zehn Teilnahmen, drei Titel (1964, 2008, 2012)
Der spanische Kader in der Übersicht

Fazit

Einiges deutet darauf hin, dass ein verjüngtes Spanien die Gruppe als Erster und die Slowakei sie als Letzter beendet, während Schweden und Polen den zweiten Platz unter sich ausmachen. Doch mindestens die Corona-Sorgen der Spanier und Schweden könnten die Karten ein wenig neu mischen.

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