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EM, Gruppe C: Die Teams im kicker-Check

Niederlande, Österreich, Ukraine und Nordmazedonien im kicker-Check

Gruppe C: Corona-Verlierer, Wundertüten - und ein neues Island?

Prägende Figuren ihrer Nationalteams: Memphis Depay, David Alaba, Andriy Shevchenko und Goran Pandev (v.l.).

Prägende Figuren ihrer Nationalteams: Memphis Depay, David Alaba, Andriy Shevchenko und Goran Pandev (v.l.). Getty Images (4)

Niederlande: Eine Wundertüte in Orange

Dirk Kuyt, Nigel de Jong, Robin van Persie: Diese Spieler standen in der Startelf, als die niederländische Nationalmannschaft letztmals an einem großen Endturnier teilnahm. Sieben Jahre ist das her, die EM 2016 und die WM 2018 verpasste Oranje jeweils.

Erfolgt jetzt die große Auferstehung? Möglich ja, wahrscheinlich eher nicht. Bondscoach Frank de Boer hat eine auf einigen Positionen hochkarätig besetzte Mannschaft zur Verfügung, vor allem die Mittelfeldzentrale um Frenkie de Jong und Georginio Wijnaldum verkörpert allerhöchstes Niveau. Aber das Team unterliegt auch teils unerklärbaren Leistungsschwankungen. Erst im März kassierte Oranje zum WM-Quali-Auftakt eine empfindliche 2:4-Niederlage gegen die Türkei.

Und: Die Niederländer haben durchaus Pech mit Verletzungen. Dass Virgil van Dijk, der Star im Team, nicht würde mitwirken können, stand bereits seit längerer Zeit fest. Kurz vor EM-Start mussten nun auch Stammtorwart Jasper Cillessen und Manchester Uniteds Mittelfeldmann Donny van de Beek ihre Teilnahme absagen. Der Wundertüte in Orange fehlen also diverse große Kracher.

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Spieltermine der Niederlande: Ukraine (13. Juni, 21 Uhr, Amsterdam), Österreich (17. Juni, 21 Uhr, Amsterdam), Nordmazedonien (21. Juni, 18 Uhr, Amsterdam)
Die EM-Basis: Zeist/Niederlande
Endrunden und Erfolge: Neun Endrunden, Europameister 1988
Der niederländische Kader in der Übersicht

Österreich: Deutscher als Deutschland?

Mehr Bundesliga geht kaum: 21 der 26 Plätze in Österreichs EM-Kader sind durch Spieler besetzt, die in der vergangenen Saison im deutschen Oberhaus unter Vertrag standen - und damit auch deutlich mehr als sogar im deutschen Kader (17). Ist Österreich bei der EM also deutscher als Deutschland?

Vielen im Land wäre vielleicht ein Tick weniger jedenfalls lieber. Denn an Chefcoach Franco Foda, zweimaliger deutscher Nationalspieler, sind in letzter Zeit große Zweifel laut geworden. Die zurückliegenden Ergebnisse des ÖFB-Teams waren ernüchternd, nur eines der sechs Länderspiele wurde gewonnen. Das war gegen die Färöer Inseln - mit 3:1 nach zwischenzeitlichem Rückstand. Besonders nach der 0:4-Niederlage zu Hause gegen Dänemark Ende März hagelte es Kritik, "Der Standard" schrieb von einer "Demütigung", einem "Debakel", einer "grottenschlechten Leistung", der "Kurier" von einem "Offenbarungseid".

Ordentlich Wiedergutmachungs-Potenzial also für ein Team, das durchaus über eine gewisse Qualität verfügt. Schließlich haben Akteure wie RB-Kapitän Marcel Sabitzer, Wolfsburgs Mittelfeldmann Xaver Schlager, VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic und natürlich der in der Nationalmannschaft im Mittelfeld agierende David Alaba ihr Können in der Bundesliga bereits unter Beweis gestellt. Durch die vergleichsweise einfache Gruppenkonstellation ergibt sich ein schmaler Grat: Das erstmalige Erreichen der K.-o.-Runde ist definitiv machbar, ein Ausscheiden hingegen würde für Foda wieder enormen Gegenwind hervorrufen.

Österreichs Spieltermine: Nordmazedonien (13. Juni, 18 Uhr, Bukarest), Niederlande (17. Juni, 21 Uhr, Amsterdam), Ukraine (21. Juni, 18 Uhr, Bukarest)
Die EM-Basis: Seefeld/Österreich
Endrunden und Erfolge: Zwei Endrunden
Der österreichische Kader in der Übersicht

Ukraine: Corona ließ den Faden reißen

Der vielleicht größte Verlierer der coronabedingten EM-Verschiebung um ein Jahr kommt aus der Ukraine. In der 2018 und 2019 gespielten Qualifikation für das Endturnier überzeugte das Team von Andriy Shevchenko und setzte sich in einer schwierigen Gruppe mit Serbien und Europameister Portugal ohne Niederlage als Gruppenerster durch.

Seitdem aber fallen die Leistungen wechselhaft aus. Immer wieder wurde die Ukraine durch Covid-19-Fälle in Mannschaft und Betreuerstab behindert, kassierte in der Nations League teilweise heftige Niederlagen (0:4 in Spanien, 0:3 in der Schweiz) und schaffte auch im letzten Pflichtspiel vor der EM nur ein enttäuschendes 1:1 gegen Kasachstan. Allerdings mischten sich auch immer wieder Lichtblicke in die zumeist eher trostlosen Auftritte seit Beginn der Pandemie. Gegen Spanien gelang im Oktober ein überraschender 1:0-Sieg, zum Auftakt der WM-Quali gegen Weltmeister Frankreich ein 1:1-Achtungserfolg.

Der Großteil des Teams spielt in der hinterherhinkenden heimischen Liga, das Mittelfeld-Duo bestehend aus Oleksandr Zinchenko von Manchester City und Ruslan Malinovskyi von Atalanta Bergamo ist zweifellos das Prunkstück des Teams und für den Rhythmus verantwortlich. Der eigentliche Star sitzt aber auf der Bank. "Es ist ziemlich schwierig, gegen uns zu spielen", sagt Shevchenko. Auch so schwierig wie noch 2019?

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Die Spieltermine der Ukraine: Niederlande (13. Juni, 21 Uhr, Amsterdam), Nordmazedonien (17. Juni, 15 Uhr, Bukarest), Österreich (21. Juni, 18 Uhr, Bukarest)
Die EM-Basis: Bukarest/Rumänien
Endrunden und Erfolge: Zwei Endrunden
Der ukrainische Kader in der Übersicht

Nordmazedonien: Ein neues Island?

Was Island oder Nordirland 2016 verkörperten, das ist 2021 Nordmazedonien. Der große Exot, zur EM gespült durch die Vergrößerung des Teilnehmerfeldes - aber eben auch durch eigene Qualität. Die hat auch das deutsche Team im März erfahren müssen, als Nordmazedonien die DFB-Auswahl alles andere als unverdient mit 2:1 besiegte und dabei mehr als einmal auch hohe fußballerische Klasse aufblitzen ließ.

Es war zweifellos eines der größten Spiele der nordmazedonischen Verbandshistorie. Jetzt folgen drei weitere. Mindestens. "Diese Mannschaft kann ein Wunder vollbringen, wenn sie in Bestbesetzung spielt", ist Trainer Igor Angelovski überzeugt.

Denn diese Bestbesetzung kann durchaus mit größeren Nationen mithalten. Die Mittelfeldakteure Eljif Elmas (SSC Neapel) und Enis Bardhi (UD Levante) stehen für hohe technische Fertigkeiten - und der 37 Jahre alte Routinier Goran Pandev (CFC Genua) als Aushängeschild des Landes für Abgezocktheit in der Sturmzentrale. Trotz des großen Leistungsgefälles, das bald hinter den Spitzenspielern einsetzt, sagt Pandev selbstbewusst: "Das Glück ist mit den Mutigen." Mit diese Prämisse wusste ja auch Island vor fünf Jahren zu begeistern.

Nordmazedoniens Spieltermine: Österreich (13. Juni, 18 Uhr, Bukarest), Ukraine (17. Juni, 15 Uhr, Bukarest), Niederlande (21. Juni, 18 Uhr, Amsterdam)
Die EM-Basis: Bukarest/Rumänien
Endrunden und Erfolge: Noch keine Endrunde
Der nordmazedonische Kader in der Übersicht

Fazit

Vieles scheint möglich in einer auf dem Papier nicht allzu stark besetzten Gruppe. Alle Teams schleppen Probleme mit ins Turnier, entscheidend wird wohl die Frage, wer sie am besten löst. Dem niederländischen Team kommt die Favoritenrolle zu, Nordmazedonien die des Außenseiters. Durch den Modus könnte dem Underdog aber schon ein einziger Sieg für das Achtelfinale reichen - und dass der drin ist, dürfte jeder deutsche Fußballfan wissen.

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mib

Folge 1

Was geht, EM? | Die Favoriten im Check - mit Alex Schlüter von DAZN

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