Regionalliga

Großbardorfs André Betz geht im Sommer zu Rivale Aubstadt

Regionalliga Bayern/Bayernliga Nord: Paukenschlag im Grabfeld

Großbardorfs Betz geht im Sommer zu Rivale Aubstadt

Ab Juli Co-Trainer beim TSV Aubstadt: Großbardorfs Teammanager André Betz.

Ab Juli Co-Trainer beim TSV Aubstadt: Großbardorfs Teammanager André Betz. imago images

Es ist schon eine spezielle Nachbarschaft zwischen dem TSV Aubstadt aus der Regionalliga Bayern und dem TSV Großbardorf, der aktuell in der Nord-Staffel der Bayernliga unterwegs ist und in der Spielzeit 2008/09 der Regionalliga Süd angehörte. Es ist eine Nachbarschaft, die sich in der Relation wie Nürnberg und Fürth oder Dortmund und Schalke verhält. So weit wie der FC Bayern und 1860 München waren sie indes nie auseinander, die beiden Dorfvereine im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld sind lediglich acht Kilometer voneinander entfernt.

Eine Rivalität gestehen sich beide Vereine ein. Auf Augenhöhe waren sie dagegen nur selten, einer der beiden hatte immer die Nase vorne. Ein Miteinander gab es nie. Hingegen sind Vereinswechsel zum "Feind" verpönt und extrem selten. Wenn doch, dann eher in Richtung "Grabfeld-Gallier", so nennen sich die Großbardorfer. Sie spielten eher höherklassig, haben mit der Bioenergie-Arena auch das noblere Stadion, einen DFB-Stützpunkt sowie eine renommierte Nachwuchsarbeit. Infolgedessen zogen die "Abschter" nach, erkoren sich zur Macht im Grabfeld, haben ihr Schulstadion mit bescheideneren Mitteln regionalligatauglich ausgebaut und in die lange vernachlässigte Jugendarbeit investiert.

TSV Aubstadt - Vereinsdaten
TSV Aubstadt
TSV Großbardorf - Vereinsdaten
TSV Großbardorf

Gründungsdatum

01.01.1923

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Trainersteckbrief Kleinhenz

Kleinhenz Victor

Vom Teammanager zum Co-Trainer

Inmitten dieser Rivalität steht nun der Wechsel einer Führungsperson von Großbardorf nach Aubstadt bevor. André Betz (39), seit 2015 A-Jugend-Trainer sowie Cheftrainer bei den "Galliern", ist seit Juni 2019 Teammanager und steckt normalerweise aktuell mitten in der Kaderplanung für die kommende Saison. Nun wurde sein Wechsel zum 1. Juli 2021 zum TSV Aubstadt bekannt gegeben. Aber nicht als Trainer und auch nicht als Teammanager, sondern als Co-Trainer im von Victor Kleinhenz geführten Trainerteam. Schließlich gibt es in Aubstadt noch Josef Francic (53), der nach neun Jahren als Cheftrainer seit Juli 2020 als Sportdirektor die Geschicke lenkt. Eine gewiss spannende Kombination dreier Fachleute in der sportlichen Führungsriege, von denen nur Kleinhenz die A-Lizenz besitzt, die in der Regionalliga verlangt wird.

Wiedersehen alter Bekannter

"Diese Zeit als Teammanager war unheimlich wichtig für mich", sagt Betz, weil die Erkenntnis reifen konnte, dass ihm die Arbeit als Trainer fehlt. Er habe sich nach dem Gefühl gesehnt, bei den Spielen konkrete Entscheidungen zu treffen. Ein weiterer Umstand, der dazu beigetragen haben dürfte, dass sich Betz für den TSV Aubstadt entschieden hat, ist jener, dass er und sein künftiger Chef Kleinhenz sich bereits seit vielen Jahren kennen.

Betz kommt aus Windheim bei Bad Kissingen, drei Kilometer entfernt vom Dorf Wartmannsroth, dem Wohnort von Kleinhenz. Der 29-Jährige war wiederum der Nachfolger beim FC Frankonia Thulba, als Betz im Jahr 2015 von dort nach Großbardorf gewechselt war. "Wir wollten schon lange zusammenarbeiten", sagt Betz. "Dass es nun in Aubstadt Wirklichkeit wird, ist umso schöner", ergänzt Kleinhenz. Der wiederum rühmt von Betz die fachliche und menschliche Komponente. Es zeichne ihn aus, dass er "den Blick für das große Ganze hat", analysiert Kleinhenz.

Wir haben seine Arbeit in den letzten sechs Jahren bei uns sehr geschätzt. Es sind Freundschaften entstanden.

Großbardorfs-Sportvorstand Andreas Lampert

Hingegen verhehlt Andreas Lampert, der Sportvorstand des TSV Großbardorf, nicht, dass der Abgang von Betz wahrlich schmerzt. "Wir haben seine Arbeit in den letzten sechs Jahren bei uns sehr geschätzt. Es sind Freundschaften entstanden. Wir haben aber auch in den letzten Monaten gute Arbeit geleistet", bestätigt er, dass der Verein mit seinen Planungen bereits weit fortgeschritten ist. "Aus dem Tritt bringt uns sein Wechsel nach Aubstadt nicht", fügt Lampert an.

Betz soll entlasten

Der TSV Aubstadt hingegen verfügt nunmehr über reichlich Kompetenz auf und neben der Trainerbank. Francic hat nach Absprache mit Kleinhenz eine räumliche Distanz zur Bank sowie zum Trainingsplatz eingenommen. "Wir wollten uns von dem bisher guten Abschneiden als Neuling nicht blenden lassen. Der Druck wird in der zweiten Saison noch härter werden. Deshalb suchten wir für Victor einen Assistenten mit viel Erfahrung, zu dem er vollstes Vertrauen hat", begründet Francic die Personalie Betz. Er müsse selbstständig arbeiten können und den Cheftrainer in vielen Bereichen entlasten, ihm ein Stück Freiheit schaffen. "Für Victor bleibt noch genügend Arbeit und für mich die Koordination des Ganzen. Jeder ist sich seiner Verantwortung bewusst", erklärt Francic.

Betz habe er lediglich bei zwei Derbys getroffen, ihn aber als einen erfahrenen Fachmann kennengelernt. "Er ist unsere Wunschlösung und mit seiner Intelligenz eine Bereicherung für unseren Trainerstab", ist Francic überzeugt.

Rudi Dümpert