Int. Fußball

Pascal Groß, Brighton & Hove Albion: "Jetzt kann ich etwas zurückgeben"

Interview mit dem Ex-Ingolstädter

Groß über Gehaltsverzicht: "Jetzt kann ich etwas zurückgeben"

Zurzeit in Mannheim bei der Familie: Pascal Groß von Brighton & Hove Albion.

Zurzeit in Mannheim bei der Familie: Pascal Groß von Brighton & Hove Albion. getty images

Derzeit weilt Pascal Groß bei seiner Familie in Mannheim. Wenn sein Klub Brighton & Hove Albion wieder zum Training bittet, vielleicht im Mai, wird der Ex-Ingolstädter auf die Insel zurückkehren. Die Debatte, dass Premier-League-Profis stark in der Kritik stehen, wenn über deren Gehaltsverzicht diskutiert wird, verfolgt Groß natürlich auch aus Deutschland.

Herr Groß, Wayne Rooney hat gesagt, er persönlich wäre bereit zu helfen. Er bezeichnete aber den öffentlichen Druck, der auf Spieler in England wegen der Forderung nach Gehaltsverzicht ausgeübt wird, als "Schande". Hat er recht, oder ist das grenzwertig angesichts von Rooneys Vermögen?
Ich denke, das muss jeder Spieler für sich entscheiden. Vieles läuft gerade zwischen den Kapitänen und der Spielergewerkschaft. Meine persönliche Einstellung ist, und die habe ich unserem Kapitän auch klar signalisiert, dass ich bereit bin, auf Gehalt zu verzichten. Ich habe aber auch schon Geld gespendet.

Warum handeln Sie so?
Weil ich so erzogen wurde, solidarisch zu sein. Vor allem aber weiß ich, dass wir Fußballer oftmals privilegiert sind. Da ist es für mich selbstverständlich, dazu beizutragen, dass die Angestellten auf der Geschäftsstelle oder der Zeugwart, einfach alle, weiterhin bezahlt werden können. Ich bin jemand, der gerne Kontakt zu all diesen Menschen hat, sie haben mir gerade in meiner Anfangszeit als Ausländer im Verein geholfen. Dafür bin ich dankbar. Jetzt kann ich etwas zurückgeben.

"Nicht, weil Fans das erwarten, sondern weil ich es selbst möchte"

Empfinden Sie es als unfair, wenn nun pauschal "die Premier-League-Profis" in England am Pranger stehen?
Das stört mich nicht, es gibt eben Medien, die undifferenziert berichten. Mein Umfeld und ich selbst wissen, dass ich mir diesen Schuh nicht anziehen muss, weil ich solidarisch bin und immer versuche, bodenständig zu bleiben. Viele Profis spenden etwas.

Dürfen die Fans genau diese moralische Verpflichtung nicht auch einfordern?
Ich würde nicht deshalb auf Geld verzichten, weil Fans das erwarten, sondern weil ich es selbst möchte. Ganz allgemein sollte gerade jeder versuchen zu helfen, auf welche Art auch immer.

Ihr Trainer in Brighton, Graham Potter, ging mit gutem Beispiel voran, hat bereits einer Gehaltskürzung zugestimmt. Ist das ein Thema in der Mannschaft?
Auf jeden Fall, und das ist wirklich sehr gut von ihm. Generell ist es in Brighton so, dass Tony Bloom, der Hauptanteilseigner des Klubs, aus der Stadt kommt, ihm liegt der Verein sehr am Herzen. Er ist dort aufgewachsen, diesen Lokalpatriotismus gibt er natürlich weiter.

"Ich will nicht durch einen Abbruch den Abstieg vermeiden"

Verstehen Sie, dass der FC Liverpool, der nun zurückruderte, für seine Haltung, sich zunächst der Staatshilfen bedienen zu wollen, massiv kritisiert wurde?
Ich möchte nicht über andere Vereine sprechen. Generell hat eben nicht jeder Klub Besitzer aus der eigenen Stadt, daher ist es bei allen anders. Für mich stehen aber gerade renommierte, reiche Klubs in der Verantwortung, mit eigenen Mitteln hundertprozentig hinter der eigenen Belegschaft zu stehen.

Abschließend eine sportliche Frage: Brighton & Hove kämpft noch um den Klassenerhalt. Würden Sie daher als Tabellenfünfzehnter einen Abbruch begrüßen oder lieber die Saison zu Ende spielen?
Wir sind Profis, um uns mit anderen zu messen. Da will ich nicht durch einen Abbruch den Abstieg vermeiden. Aber jetzt steht die Gesundheit im Vordergrund. Der Fußball kann dann aber hoffentlich bald den Menschen etwas Normalität zurückgeben.

Interview: Thomas Böker