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Jürgen Klopp: "Größte Win-win-Situation"

Klopp übergibt an Slot "eine unglaubliche Mannschaft"

"Größte Win-win-Situation, die ich je in meinem Leben gesehen und erlebt habe"

Blickt voller Stolz auf seine vergangenen neun Jahre beim FC Liverpool zurück: Jürgen Klopp.

Blickt voller Stolz auf seine vergangenen neun Jahre beim FC Liverpool zurück: Jürgen Klopp. IMAGO/Propaganda Photo

Neun Jahre, acht Titel, darunter die englische Meisterschaft und die Champions League. Dass die Zeit von Jürgen Klopp beim FC Liverpool ein voller Erfolg war, ist hinlänglich bekannt. Nun, am Tag des letzten Spiels als Trainer der Reds, hat sich Klopp mit den Vereinsmedien noch einmal zu einem Interview getroffen, um über seine Zeit in Liverpool zu sprechen.

Zwischen 2018 und 2020 "das beste Team in Europa"

"Es war die größte Win-win-Situation, die ich je in meinem Leben gesehen und erlebt habe", sagte Klopp auch mit Blick auf die Leute in und um Liverpool sowie die Fans, "denn das alles wäre ohne die Menschen hier nicht passiert, und vielleicht wäre genau das Gleiche auch nicht passiert, wenn jemand anderes das Sagen gehabt hätte." Es habe "vom ersten Tag an bis heute wie angegossen gepasst", weshalb es "so schwierig und emotional" sei, sich nun zu verabschieden, "obwohl man weiß, dass es zu 100 Prozent das Richtige ist".

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Dabei waren die Anfänge in Liverpool alles andere als einfach. Während sich der LFC unter Klopps Leitung zu einem Team entwickelt hat, das über einen langen Zeitraum "vielleicht eines der besten Teams in Europa" und zwischen 2018 und 2020 "vielleicht das beste Team in Europa" gewesen sei, übernahm Klopp 2015 ein Team, das sich höchstens im Dunstkreis der internationalen Plätze befand. "Ich kam herein und war der einzige im Raum, der die Fußballmannschaft, die wir hatten, liebte." Dies sei allerdings einer der Gründe gewesen, "warum ich bei Liverpool unterschrieben habe, weil ich viele Spieler wirklich mochte. Ich kannte sie nicht alle perfekt, aber ich wusste genug, um zu sagen: 'Das ist ein Anfang.'"

Meine Idee war immer, dass ich der Trainer sein möchte, der die Besten schlagen kann.

Jürgen Klopp

Dank zahlreicher Verpflichtungen in den folgenden Jahren, unter anderem denen von Alisson, Virgil van Dijk, Mohamed Salah oder Sadio Mané, die sich allesamt als Glücksgriffe herausstellten, habe Liverpool Schritt für Schritt ein Team zusammengestellt, "das zu einer Maschine wurde. Meine Idee war immer, dass ich der Trainer sein möchte, der die Besten schlagen kann. In bestimmten Momenten bin ich gerne das beste Team", so Klopp, der jedoch vielmehr immer bereit sein wolle, "die Besten zu schlagen. Das ist das Team, das ich will. Ich möchte Trainer einer Mannschaft sein, gegen die niemand spielen möchte."

Ein Ziel, das zweifelsohne funktioniert hat. "Angesichts dessen, was wir in den letzten neun Jahren erreicht haben", so Klopp, "kennt man Liverpool wieder aus den richtigen Gründen. Vielleicht hätten die Leute vor zehn Jahren in Amerika gesagt: 'Wo kommst du her?' Liverpool? 'Oh, du hattest früher eine gute Fußballmannschaft.' Vielleicht haben sie in den letzten neun Jahren gesagt: 'Wow, du hast eine wirklich gute Fußballmannschaft.'"

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Klopps Anteil an der Entwicklung: unermesslich. Doch was zeichnet den Trainer Jürgen Klopp eigentlich aus? "Meine große Stärke besteht darin, Menschen zusammenzubringen, die wirklich gut in dem sind, was sie tun." Über all die Jahre habe Liverpool "die perfekten Trainer, das perfekte Personal und all diese Dinge" gehabt. "Deshalb konnten die Jungs auf dem Platz so liefern, wie sie es getan haben. Ich kenne meinen Impact und solche Dinge genau und bin froh darüber, dass wir den Verein dorthin zurückgebracht haben, wo er hingehört."

Jürgen Klopp

Jürgen Klopp gewann mit den FC Liverpool in der Saison 2019/20 nach fast 30 Jahren erstmals wieder den Premier-League-Titel. IMAGO/PA Images

Klopp zweifelte keine Sekunde an seiner Entscheidung

Nun findet die Erfolgsära ein Ende. Ein Ende, das Klopp nicht bereut, auch wenn sich sicherlich nahezu jeder, der es mit den Reds hält, wünschen würde, dass er doch noch weitermacht. "Ich habe immer gesagt: Sobald mir klar wird, dass ich nicht mehr der richtige Manager für den Verein bin, werde ich es ihnen sagen, und das habe ich getan. Seitdem hatte ich keinen Zweifel mehr. Es gab keine Sekunde, in der ich darüber nachgedacht habe, doch zu bleiben."

Das große Erbe Klopps antreten wird nun Arne Slot, der seinen Wechsel von Feyenoord Rotterdam nach England bereits bestätigt hat und sich auf eine hervorragende Mannschaft freuen darf. "Ich habe den Jungs gesagt, dass es eine unglaubliche Mannschaft ist." Zwar hat es in dieser Saison nicht mit einem Abschieds-Titel für Klopp geklappt, "aber da muss niemand allzu kritisch sein. Es ist eine junge Mannschaft, wir hatten Pech mit Verletzungen." Die Qualität im Kader sei unbestritten. Auch die Altersstruktur sei "fantastisch, supererfahrene Spieler, Weltklassespieler, supertalentierte Jungs", zudem jede Position doppelt besetzt. Und wenn der Verein oder der neue Manager im Sommer doch auch noch Veränderungen vornehmen möchte, gebe es "hier und da sicherlich Raum für Verbesserungen. Aber die Qualität, die da ist, ist absolut herausragend."

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Klopp lässt seine Zukunft offen

Zeitgleich glaubt Klopp, dass ein neues Klima dem LFC guttut und womöglich neue Kräfte freisetzt. "Es ist gut für sie, eine neue Stimme zu hören, neue Sitzungen zu bekommen, andere Treffen - das ist alles gut und öffnet den Geist". Zwar sei der Abschied schwer und er habe "in den letzten Tagen Spieler in meinem Büro" gehabt, "die sich persönlich verabschiedet haben, mit Tränen in den Augen". Doch "wir können nicht zusammenbleiben, nur weil wir aneinander gewöhnt sind", meinte Klopp, bevor er abschließend noch einmal die Gründe für seine Entscheidung darlegte: "Ich kann anderen Menschen Energie geben, aber dafür muss ich sie selbst haben, und das ist nicht mehr ganz so wie früher. Vielleicht wird das in ein, zwei oder drei Jahren anders sein, ich weiß es nicht, und dann werden wir sehen, was passiert."

fys

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