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Patrick Greil im Interview: "An einem Wechsel zu Rapid ist nichts dran"

Der 25-Jährige im exklusiven kicker-Gespräch

Greil im Interview: "An einem Wechsel zu Rapid ist nichts dran"

Patrick Greil ist fester Bestandteil des Klagenfurter Erfolgs.  GEPA Pictures 

Herr Greil, Sie liegen mit Austria Klagenfurt derzeit auf dem sechsten Platz. Hat das Träumen von der Meistergruppe schon begonnen?

Ja, schon längst. Träumen darf man bereits relativ früh. Das ist angesichts der aktuellen Tabellensituation nach wie vor der Fall. Wir wissen aber auch, dass es nicht leicht wird. Vor der Winterpause haben wir mit Salzburg, Tirol und Sturm noch drei sehr schwere Spiele vor uns. Ich denke trotzdem, dass wir es - wenn alles passt - schaffen können.

Worauf führen Sie die starken Leistungen Ihrer Mannschaft zurück?

Meiner Meinung nach ist es ein Mix aus Unbekümmertheit und Spaß an der Sache. Aufsteiger haben es wohl grundsätzlich an sich, sehr unbekümmert in die Spiele zu gehen. Wir haben viele Jungs, die zum ersten Mal in der Bundesliga spielen. Dementsprechend groß sind die Motivation und der Einsatz. Das brauchen wir auch, um bei 100 Prozent zu sein.

Hätten Sie sich erwartet, dass Klagenfurt in der Bundesliga derart schnell Fuß fasst?

Wir haben überhaupt nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Ich habe nicht gewusst, was auf uns zukommen und wie sich die Liga tatsächlich spielen wird. Natürlich hatten wir zu den Mannschaften auch davor schon Berührungspunkte, weil man Spieler kennt oder schon Testspiele gegen sie bestritten hat. Es ist aber eine andere Herausforderung, das Ganze im Liga-Alltag zu bewältigen.

Wie ist es Ihnen persönlich gelungen, sich so schnell an dieses Niveau zu gewöhnen?

Für mich war das relativ leicht. Grundsätzlich ist die Erwartungshaltung bei einem Aufsteiger nicht so groß. Ich habe in Klagenfurt in den vergangenen beiden Saisons miterlebt, dass der Verein unbedingt aufsteigen wollte - da war fast mehr Druck da als jetzt. Daher habe ich gelernt, ganz gut damit umzugehen. Ich bin jetzt auch in einem Alter, wo mir dieser Druck nicht mehr so viel ausmacht.

Man merkt schon, dass uns die Heimspiele einen gewissen Push gegeben haben.

Patrick Greil.

Welche Rolle spielt bei der positiven Entwicklung von Austria Klagenfurt Cheftrainer Peter Pacult?

Eine sehr entscheidende. Der Trainer steuert die Mannschaft in allen Bereichen. Er hat vor allem auf den Teamgeist großen Wert gelegt und ist das sehr aktiv angegangen. Er hat geschaut, dass etwaige Neuverpflichtungen charakterlich in die Mannschaft passen und hat sich - wenn das nicht der Fall war - auch gegen den einen oder anderen Spieler entschieden. Daher ist er natürlich ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist auch, dass Klagenfurt noch ohne Heimniederlage ist. Befürchten Sie, dass diese Serie am kommenden Wochenende gegen Salzburg aufgrund des Lockdowns reißen könnte?

Ich hoffe nicht. Grundsätzlich kennen wir die Situation aus dem vergangenen Jahr. Man merkt schon, dass uns die Heimspiele einen gewissen Push gegeben haben. Die Stimmung war immer super und das hilft uns Spielern am Platz natürlich. Da kann man ein bis zwei Sprints mehr als normalerweise machen. Diese könnten auch im Hinblick auf unser nächstes Spiel gegen Salzburg entscheidend sein.

Wie soll die Sensation gelingen?

Wir haben in Salzburg (1:3-Niederlage, Anm.) gesehen, dass eine Überraschung möglich ist. Das Wichtigste ist natürlich, dass wir defensiv gut stehen und wenig zulassen. Wir wissen, dass wir immer Tore schießen können, weil wir in der Offensive sehr viel Qualität haben. Es wird darauf ankommen, die ein bis zwei Chancen dann auch zu nutzen.

Ist es für Sie als gebürtigen Salzburger und ehemaligen Jugendspieler bei den Bullen das aufregendste Spiel der Saison?

Das Auswärtsspiel in Salzburg war schon besonders für mich. Ich war in diesem Stadion selbst Balljunge und darüber hinaus war meine gesamte Familie vor Ort. Da ich bei diesem Verein gespielt habe, werden Spiele gegen Salzburg für mich immer speziell sein. Das hat auf mich aber eher einen positiven Einfluss.

Die kicker-Elf des 15. Spieltags

Sie blicken auf eine ungewöhnliche Karriere zurück. 2018 wechselten Sie vom Regionalligisten USK Anif zum damaligen Zweitligisten Austria Klagenfurt. Jetzt sind Sie Bundesliga-Stammspieler. Wie ist diese Entwicklung zu erklären?

Es war ein Mix aus Glück, guter Arbeitsmoral und Spaß am Fußball. Selbst außerhalb des Trainings war bei mir immer nur Fußball im Kopf. Zudem war ich bei Anif einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir sind zwar abgestiegen, aber es war damals das Beste für den gesamten Klub. Danach hat sich viel getan: Wir haben ein neues Trainerteam sowie viele neue und junge Spieler von Red Bull Salzburg bekommen. Die Chemie innerhalb der Mannschaft war super. Wir haben uns gut verstanden und waren darüber hinaus auch starke Fußballer, die die gleiche Spielidee hatten. Daher waren wir auch so erfolgreich. Wir haben viele Rekorde und drei Meistertitel geholt. Diese Zeit war unfassbar cool und ich bin Anif unendlich dankbar. Ich habe mich dort automatisch weiterentwickelt. Dann ist glücklicherweise die Chance Austria Klagenfurt gekommen. Doch auch dort war der Weg in die Bundesliga nicht vorgezeichnet. Der Verein war nach meinem Wechsel in einer ganz anderen Situation als heute. Grundsätzlich war der Weg unfassbar.

Mittlerweile waren Sie sogar schon auf der Abrufliste der österreichischen Nationalmannschaft. Was bedeutet das für Sie?

Bis vor zwei Wochen war das Nationalteam für mich gar kein Thema. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet. Jetzt habe ich aber mitbekommen, wie schnell es gehen kann. Ich bin jedoch realistisch genug und weiß, dass der Weg zu einem Einsatz noch ein sehr weiter ist. Es wäre aber natürlich etwas Besonderes, sollte das eines Tages funktionieren.

Wo soll Ihr Weg noch hinführen? Auf "Sky" erwähnten Sie zuletzt, dass Sie ein Wechsel zu Rapid reizen würde.

Meine absolut ehrliche Antwort ist, dass ich mir darüber keine Gedanken mache. Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt, dass es meistens anders kommt als man denkt. Ich weiß, dass sich das wie eine 08/15-Aussage anhört, aber ich will mich auf die laufende Saison konzentrieren. Ich habe nach meiner Äußerung über Rapid gemerkt, dass andere Themen eine große Rolle einnehmen können und man den Fokus behalten muss. Es macht mir nach wie vor viel Spaß, in Klagenfurt zu spielen. Ich habe selten zuvor so eine geile Mannschaft erlebt. Was dann kommt, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Plötzlich ist man nicht mehr ein Student in Salzburg, sondern eine Person des öffentlichen Lebens.

Patrick Greil.

Hat es zu Rapid Kontakt gegeben?

Ganz offen und ehrlich: Nein.

Wie wurde diese Aussage von Ihren Mannschaftskollegen aufgenommen?

Das war gar kein Problem. Sie haben mich eher aufgezogen, weil es auf einmal so ein großes Thema war. Ähnlich war es bei meinen Freunden und der Familie. Ich finde, dass die Aussage etwas aus dem Kontext gerissen wurde. Ich habe meine Meinung zu Rapid gesagt und dann wurde daraus eine riesige Geschichte. Es wurde sehr erfolgreich aufgebauscht. An einem Wechsel zu Rapid ist nichts dran. Für mich war es aber sehr spannend mitzuerleben, wie solche Sachen aufgegriffen und großgemacht werden: Plötzlich ist man nicht mehr ein Student in Salzburg, sondern eine Person des öffentlichen Lebens. Für uns im Verein war das eher amüsant.

Sie sind mit dem Trubel offenbar gut umgegangen, dennoch möchte ich Sie kurz zum Thema mentale Gesundheit fragen: Zuletzt ließ der australische Fußballer Josh Cavallo nach seinem Outing mit der Aussage aufhorchen, Angst vor den Konsequenzen dieses Schrittes gehabt zu haben. Wie bewerten Sie, dass Personen des öffentlichen Lebens heutzutage immer noch nicht sorglos über gewisse Themen sprechen können?

Wenn wir im Fußball über Tabu-Themen, die aber wie im Fall von Josh Cavallo eigentlich normal sein sollten, sprechen, hat das hoffentlich auf die Gesellschaft einen positiven Effekt. Es ist gar keine Frage, dass sich Fußballer unbedingt outen und frei fühlen sollen. Es ist unfassbar traurig, dass viele von ihnen wahrscheinlich kein freies Leben führen können. Das fängt bei diesem Thema an, betrifft aber auch andere Bereiche. Es gibt einfach Spieler. denen es einmal nicht so gut geht. Man muss grundsätzlich nicht alles von sich preisgeben, aber es ist immer gut, Mut zu haben und mit jemandem zu sprechen.

Wie sehen Sie diesbezüglich das Zusammenspiel von Sportlern und Medien?

Ich habe bislang großteils positive Erfahrungen gemacht. Medien sind neben den Fußballern und der Öffentlichkeit eine der drei Komponenten unseres Sports. Keiner dieser drei Bestandteile könnte ohne die anderen zwei überleben. Medien sind der Grund, warum Fußballer Geld verdienen. Daher nehme ich mir sehr gerne Zeit für Anfragen. Ich finde, dass Journalisten mit allen Themen seriös umgehen.

Interview: Nikolaus Fink