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Super Bowl Nummer 10! Die unglaubliche Reise von Brady geht weiter

NFL, Play-offs 2021, Conference Final der NFC: Green Bay trauert

Super Bowl Nummer 10! Die unglaubliche Reise von Brady geht weiter

Hat mal wieder gut lachen: Tom Brady steht zum zehnten Mal in seiner schier endlosen NFL-Laufbahn im Super Bowl.

Hat mal wieder gut lachen: Tom Brady steht zum zehnten Mal in seiner schier endlosen NFL-Laufbahn im Super Bowl. Getty Images

So intensiv. So hochwertig. So spannend.

Vom Kickoff weg schenkten sich die Packers und Buccaneers in diesem NFC-Finale bei kalten Temperaturen knapp unter 0 in Green Bay vor 8500 erlaubten und absolut lautstarken Fans im altehrwürdigen Lambeau Field nichts - mit dem besseren Start für die Gäste aus dem sonnigen US-Bundesstaat Florida. Tom Brady, der sechsmalige Super-Bowl-Sieger, zog dabei gleich mal einen Drive wie an der Schnur gezogen bis an die gegnerische Endzone und fand dabei am Ende seinen Top-Receiver Mike Evans für 15 Yards - 7:0. Sein Gegenüber Aaron Rodgers strauchelte dagegen zunächst, wurde stark unter Druck gesetzt und sofort mit einem "Sack" versehen. Mit zuverlässigen Pässen bei den folgenden Angriffen kam der "Gunslinger" in seinem 5. NFC-Finale (zum ersten Mal im heimischen Green Bay) aber immer mehr auf, eine 50-Yard-Bombe auf Passempfänger Marquez Valdes-Scantling, der nach dem Catch direkt den Touchdown verbuchte, sorgte so für den verdienten 7:7-Ausgleich.

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Fournette überrennt alles und jeden

Insgesamt wirkte der 43-jährige Brady mit seinem Team aber den Tick gefährlicher, zumal die Abwehr der Bucs mehr Plays ausbremste als es die Defensive der Packers bis dato hinbekam. Der Beweis dafür: Rodgers & Co. kamen zirka fünf Minuten vor der Pause trotz eines guten Drives nur zu einem Field Goal, weil gleich drei TD-Chancen ausgelassen wurden und dabei zum Beispiel Top-Receiver Davante Adams seine Beine nicht mehr rechtzeitig in den richtigen Bereich bekam, während Tampa Bay Minuten kurz vorher marschiert war - und Running Back Leonard Fournette schließlich seine Gegner über 20 Yards im wahrsten Sinne des Wortes niedergewalzt hatte. 14:10 stand es nun - und stand es auch nach gespielten 29 Minuten und 59 Sekunden.

Das Publikum wird still

Doch diese eine verliebene Sekunde sollte die "Cheeseheads" im Lambeau Field verstummen lassen ... Doch der Reihe nach: Erst einmal unterlief Rodgers bereits seine dritte Interception in dieser Saison gegen die Bucs (zwei beim 10:38 in Week 6, insgesamt ansonsten drei gegen alle anderen Gegner). Cornerback Sean Murphy-Bunting fing ein zentrales Geschoss stark und kam dabei auch mit einem klaren Foul (Halten) davon. Diese Balleroberung nutzten die Gäste zu einem phänomenalen Touchdown, obwohl zunächst alles nach einem Punt oder einen Field-Goal-Versuch ausgesehen hatte. Brady & Co. aber schritten plötzlich bei 4th&4 wieder aufs Feld, schafften das neue First Down - und dann folgte ein überraschender Touchdown-Pass links raus zu Scotty Miller für 39 Yards. Green Bays Cornerback Kevin King schlief dabei komplett - und musste mit seinen Kollegen so mit einem 10:21-Rückstand leben.

Vom Regen in die Traufe

Tom Brady ärgert sich.

Leistete sich bei drei aufeinanderfolgenden Drives jeweils eine Interception: Bucs-Aushängeschild Tom Brady. imago images

Welcher Packers-Anhänger zu Wiederbeginn auf Besserung hoffte, zumal Green Bay zuerst Ballbesitz hatte, der wurde sofort (!) eines Besseren belehrt: Aaron Jones unterlief nach einem harten Hit von Safety Jordan Whitehead ein Fumble, die "Ei"-Übernahme in der Red Zone nutzte Brady (202 Yards und zwei TDs in den ersten beiden Vierteln) direkt für einen TD-Pass auf Tight End Cameron Brate (acht Yards) zum 28:10.

Alles verloren? Rodgers startet Aufholjagd

Der 37-jährige Rodgers, in seiner langen NFL-Karriere (seit 2005) für Ruhe, Coolness und vor allem auch Aufholjagden bekannt, hatte jedoch noch viel Zeit auf der Uhr - und plötzlich griff ein Rädchen ins andere. Zunächst zog der Publikumsliebling einen Drive über 75 Yards auf, an dessen Ende Tight End Robery Tonyan einen 8-Yard-TD zum 17:28-Anschluss einstrich. Für "A-Rod" war dies das neunte Play-off-Spiel in Serie mit mindestens zwei TDs (NFL-Rekord) - und zugleich ein Energieschub für ihn und das gesamte Team aus dem US-Bundesstaat Wisconsin.

Denn wenig später unterlief erst einmal Brady bei einem weiten, zu ungenauen Zuspiel zu Evans eine Interception gegen Safety Adrian Amos, der damit für das erste "Big Play" der Packers-Defense sorgte. Daraus folgte ein weiterer Offensivreigen der Käsestädter mit vielen First Downs - inklusive eines kurzen TD-Wurfs auf Rodgers' Lieblingsanspielstation Adams, der sich dabei abermals bärenstark von seinem Gegenspieler löste (zwei Yards). Allerdings gelang Equanimeous St. Brown, dem deutschen Receiver, der relativ einfache Catch bei der folgenden Two-Point-Conversion nicht. Dennoch waren die Gastgeber vor Start des vierten und entscheidenden Quarters plötzlich wieder mitten im Spiel, eben nur noch 23:28 zurück - und wenig später auch direkt wieder am Abzug. Denn nach einem womöglich etwas zu hohen Brady-Pass erneut in Richtung von Evans lenkte dieser den Ball mit den Fingerspitzen weiter zu Top-Cornerback Jaire Alexander, der die nächste Interception eintütete.

Brady Richtung Evans, die Dritte ...

Zwar musste Green Bay in der Folge direkt zum Punt ansetzen, doch auch der folgende Ballbesitz Tampa Bays war zum Vergessen. Der unter Druck gesetzte Brady entschied sich wieder für ein hohes Zuspiel Richtung Evans, warf zu weit - und erneut sackte Corner Alexander die Interception ein. Der dritte Pick vom bis hierhin so starken Brady beim dritten Drive am Stück! Doch abermals brachten die Käsestädter keine Punkte aufs Board, erneut kam es zum Punt. Außerdem lief die Zeit ab, zumal 4:46 Minuten vor Schluss Buccaneers-Kicker Ryan Succop via Field Goal aus 46 Yards wieder auf 31:23 erhöhte.

Die falsche Packers-Entscheidung?

Aaron Rodgers

Es reichte wieder nicht: Auf der Zielgeraden Richtung Super Bowl fiel Aaron Rodgers mit den Packers erneut. Getty Images

Und in der Tat sollte "The Pack" nicht mehr viel gelingen, was unter anderem auch an verpassten Chancen lag: Rodgers selbst, der das Spiel mit 346 Yards, drei Touchdowns, einer Interception und fünf kassierten "Sacks" beenden sollte, wagte einmal keinen eigenen Lauf Richtung Endzone. Außerdem entschied sich Head Coach Matt LaFleur nahe der Ziellinie für ein Field Goal zum 26:31-Anschluss anstatt volles Risiko Richtung 31:31-Ausgleich zu gehen. Das rächte sich, weil Brady (280 Yards, drei TDs, drei Int., ein "Sack") direkt danach die Uhr runterlaufen ließ - und so zum zehnten Mal in seiner glorreichen Laufbahn in den Super Bowl einzog.

Doch nicht nur das: Direkt in seinem ersten Jahr in Tampa Bay führte der 43-Jährige sein neues Team direkt ins Endspiel, das in der Nacht vom 7. auf den 8. Februar (MEZ) tatsächlich auch im Heimstadion der Bucs steigen wird. Damit ist das Franchise aus Florida das erste, das ein Finale im eigenen Zuhause austragen darf. Tiefe Trauer herrschte dagegen in Green Bay vor, die zum zweiten Mal am Stück einen Schritt vor dem Super Bowl scheiterten (2020 in San Francisco). Für den weiterhin "nur" einmaligen NFL-Champion Rodgers, den wohl kommenden MVP 2020/21, war dies außerdem bereits die vierte Pleite im insgesamt fünften Conference Final.

mag