Bundesliga

Leverkusen: Gray denkt über seine Rolle als Joker nach

Leverkusens neuer Flügelstürmer möchte nicht der perfekte Einwechselspieler sein

Gray: "Vielleicht ist es nicht gut, wenn ich weiter als Joker treffe..."

Demarai Gray kam im Winter von Leicester nach Leverkusen.

Demarai Gray kam im Winter von Leicester nach Leverkusen. imago images

Sein Debüt war perfekt. Nach seinen ersten zehn Minuten im Bayer-Trikot hatte Demarai Gray beim 5:2-Sieg gegen Stuttgart den Endstand erzielt. Und auch nach seiner Einwechslung beim 2:2 gegen Mainz sammelte er einen Scorerpunkt, als er Patrik Schick dessen 2:0 auflegte.

Ist Gray also der perfekte Joker? "Das ist eine gefährliche Frage: Vielleicht ist es nicht gut, wenn ich weiterhin treffe, wenn ich von der Bank komme...", sagt der 24-Jährige mit einem Augenzwinkern, "in Leicester bin ich auch einige Male eingewechselt worden und habe es gut gemacht."

Doch sein Plan sieht für ihn nicht die Rolle als Dauer-Joker vor. Gray möchte ein fester Bestandteil einer Mannschaft sein. "Ich habe so lange nicht mehr regelmäßig gespielt. Ich habe diesen Hunger in mir", sagt er.

Ich kenne meine Fähigkeiten und weiß, was ich leisten kann, wenn ich Vertrauen spüre.

Demarai Gray

Der schnelle und schussstarke Rechtsfuß, der am liebsten auf dem linken Flügel stürmt, ist gleichsam selbstbewusst wie reflektiert. "Ich kenne meine Fähigkeiten und weiß, was ich leisten kann, wenn ich Vertrauen spüre", sagt er und macht klar, dass er in Leverkusen mehr als eine Teilzeitkraft sein möchte. Bei Bayer 04 soll für ihn der nächste Schritt in seiner Entwicklung erfolgen, die bisher von Extremen geprägt wurde.

Sechs Monate nach seinem Wechsel von Birmingham City ins benachbarte Leicester feierte er als 18-Jähriger mit den Foxes 2016 den sensationellen Titelgewinn in der Premier League. Nach zwei Spielzeiten (2017/18 und 2018/19), in denen er insgesamt auf 40 Startelf- und 29 Jokereinsätze in der englischen Topklasse kam, folgte ein enttäuschendes Jahr mit nur drei Startelfeinsätzen. So dass ihm Teammanager Brendan Rodgers ("Er war offen und ehrlich") mitteilte, er könne den Verein verlassen.

"Gute und schlechte Zeiten" in Leicester

Gray entschied sich dagegen und wechselte nun nach nur 19 Einsatzminuten in der aktuellen Premier-League-Saison nach Leverkusen. "Es waren gute und schlechte Zeiten", erklärt Gray im Rückblick, "für mich war es eine Achterbahnfahrt." Die nun enden soll. Mit vielen Einsätzen von Beginn an, mit vielen Toren und vielen Assists. Schließich sagt er: "Ich möchte der Bundesliga meinen Stempel aufdrücken."

Demarai Gray

Gut angekommen und aufgenommen: Demarai Gray (M.). imago images

An seinem Selbstvertrauen haben die vergangenen eineinhalb Spielzeiten mit wenig Spielzeit offenbar nicht genagt, auch wenn er weiß, dass er bislang seinem Karriereplan etwas hinterherhinkt. "Vielleicht bin ich später dran, als ich oder andere Leute es erwartet haben", gibt er zu, "aber ich zweifele nicht an mir und stelle mich nicht infrage."

In Leverkusen sieht er beste Voraussetzungen, das Versäumte aufzuholen. "Der Spielstil war für mich sehr attraktiv und reizvoll", erklärt er zum Bosz-Fußball, "diese neue Herausforderung ist perfekt für mich, um aus meiner Komfortzone herauszukommen."

Ausgerechnet in Leverkusen? Wo schon so mancher die Komfortzone für Profis vermutete? Allerdings bezieht sich Grays Satz in erster Linie auf die räumliche Nähe von Leicester zu seinem Geburtsort Birmingham.

"Manchmal braucht man als Spieler eine neue Umgehung", weiß Gray, der von einem Wendepunkt in seiner Karriere spricht. Ein Neuanfang, der allerdings mit einem Déjà-vu beginnt. In Leverkusen erlebt Gray mit der Mannschaft aktuell die Achterbahnfahrt, die er persönlich nicht mehr absolvieren möchte.

"Es geht hoch und runter in der Tabelle", erklärt er und merkt mit Blick auf das 2:2 gegen Mainz nach 2:0-Führung bis zur 89. Minute kritisch an: "Wir wissen: Wenn wir um die Champions League und um Titel spielen möchten, ist die Art und Weise, wie wir das Spiel aus der Hand gegeben haben, nicht akzeptabel. Aber wir wissen um die Qualität und um das Potenzial dieser Mannschaft." Das Gray nochmal steigern möchte. Und das nicht als Joker.

Stephan von Nocks

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