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Grabherr im Interview: "Im Sport muss der Trainer liefern, da kann er heißen, wie er will"

Altachs Sportdirektor über die Klose-Verpflichtung

Grabherr im Interview: "Im Sport muss der Trainer liefern, da kann er heißen, wie er will"

Neuer Trainer in Altach: Miroslav Klose.

Neuer Trainer in Altach: Miroslav Klose. GEPA pictures

Herr Grabherr, wie sind Sie bei Ihrer Trainersuche auf Miroslav Klose gestoßen?

Es gibt mittlerweile ja Möglichkeiten, Trainerprofile zu verfolgen, Trainer zu scouten und zu beobachten. Da war Miroslav Klose schon länger in meinem Fokus und war deshalb Thema. In den letzten zwei, drei Jahren hatte ich mehrere Berührungspunkte.

Dennoch hatten Sie zunächst zwei österreichische Kandidaten im Visier?

Wir waren sehr auf den österreichischen Markt fokussiert, ohne zu einer Lösung zu kommen. Daher war es notwendig, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Und da bin ich wieder auf Miroslav Kloses Trainerprofil gestoßen, das für mich sehr stimmig war. Deshalb ist er in den Fokus gerückt und ich habe den Kontakt und Austausch gesucht.

Den Kontakt haben Sie dann über Kloses Berater geknüpft?

Nein, über den aktuellen Leiter des FC-Bayern-Nachwuchs-Camps Jochen Sauer, der die ersten Trainerschritte von Miroslav eng verfolgen konnte. In den Gesprächen mit ihm habe ich mir einen Überblick verschafft und er hat uns beide dann auch verknüpft, sodass ich direkt auf ihn zugehen konnte.

Je tiefer die Gespräche gingen, umso überzeugter waren wir beide von der Idee

Werner Grabherr

Wann hat es bei Ihnen „Klick" gemacht, wann hatten Sie das Gefühl, dass Sie bei Miro Klose auf Interesse stoßen?

Bei mir hatte es schon von Beginn an "Klick" gemacht, sonst wäre der Kontakt wohl nicht zu Stande gekommen. Wir haben von Anfang an sehr offene und ehrliche Gespräche geführt. Der erste und zweite Kontakt war noch virtuell, weil Miroslav auf Urlaub war. Aber schon da hat er sich genau angehört, was wir aufbauen und erreichen wollen. Ich habe ihm die Vision vorgestellt, an der wir arbeiten und den Weg, den wir eingeschlagen haben. Je tiefer die Gespräche gingen, umso überzeugter waren wir beide von der Idee. Als er dann aus dem Urlaub zurückgekommen ist, ist er gleich nach Altach gekommen, wo wir uns sehr detailliert ausgetauscht haben und mehrere Stunden über den Fußball sprechen konnten. Er hat mir seine Spielidee präsentiert und wir sind so auseinandergegangen, dass wir das gemeinsam machen wollen.

Bei wem haben Sie sich versichert, dass das alle im Verein für eine gute Idee halten oder konnten Sie das alleine entscheiden?

Die Entscheidung ist natürlich mit unseren zwei Präsidenten und unserem Geschäftsführer Christoph Längle getroffen worden. Nach der Entscheidung haben wir die Tage darauf genutzt, um mit Miros Management die wirtschaftlichen Parameter zu vereinbaren. Das war am Ende ein runder Prozess, sodass wir die Verpflichtung am Freitag öffentlich gemacht haben. Am Sonntag folgte die Unterschrift und am Montag die Vorstellung.

Waren Sie überrascht, welche Zugkraft der Name Klose immer noch hat?

Es war uns bewusst, welche Strahlkraft der Name Klose haben würde. Bei der Präsentation war diese dann spürbar, was dem Ansehen des Klubs natürlich guttut, da hier in Altach über die Jahre sehr professionelle Strukturen entstanden sind. Aber auch sportlich ist im Frühjahr mit dem Klassenerhalt am Ende eine tolle Euphorie entstanden, wo die Verpflichtung von Miroslav Klose nun noch einmal wirkungsvoll nachlegt.

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Wie sehr kann der Klub von so einem großen Namen profitieren?

Es gibt natürlich schon Bereiche, in denen der Name Klose hilfreich sein wird, aber im Sport, auf dem Rasen, zählen die Ergebnisse, da muss der Trainer liefern, da kann er heißen, wie er will.

Rechnen Sie damit, dass es mit Klose als Trainer auch leichter sein wird, den einen oder anderen Spieler zu überzeugen, nach Altach zu kommen?

Natürlich kommt dem Trainer bei den kommenden Transfers eine wichtige Rolle zu, er hat ganz konkrete Vorstellungen, welche Spielertypen er für seine Spielanlage braucht. Dass der Name Klose etwas bewirkt, haben wir schon bei unseren Spielern gemerkt. Mit seiner Verpflichtung war noch einmal ein Ruck in der Mannschaft zu spüren. Sie freuen sich alle darauf, von einem Weltstar wie Miro es als Spieler war, zu lernen.

Was können Sie denn über Kloses Spielanlage schon verraten?

Wir wollen uns weiterentwickeln. Bei Ludovic Magnin, so ehrlich müssen wir sein, war unser Spiel aufgrund des Abstiegskampfs sehr von Mentalität und Motivation geprägt. Wenn jedes Spiel ein Endspiel ist, muss man die Spielanlage hintanstellen. Aber jetzt wollen wir mehr Aktivität ins Spiel gegen den Ball bringen, aber auch in der Ballbesitzphase. Und bei Miroslav Klose wissen wir, dass er dies in beide Richtungen denkt.

Mit dem neuen Trainer und den Neuzugängen sollte es einen Schub nach vorne geben.

Werner Grabherr

Wie sehr bedauern Sie, dass Christoph Monschein weg ist, weil er nicht verlängern wollte, ohne zu wissen, wer der nächste Trainer sein würde?

Das ist schon schade, weil er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft war, die den Klassenerhalt geschafft hat. Auch weil wir viel in ihn investiert haben, um ihn wieder aufzubauen. Wir hätten uns eine Zukunft bei uns vorstellen können, konnten aber in der entscheidenden Phase ohne Trainer kein Angebot vorlegen.

Wie stark waren Sie denn schon unter Zugzwang, weil Sie zum Trainingsstart noch keinen Trainer hatten?

Es war schon eng, aber so wie es gelaufen ist, hat alles gut gepasst. Der Staff hat das gut gemeistert, aber länger wäre sicher anstrengend geworden. Weil die Zeit auf dem Platz, so viel Spaß sie mir auch macht, raubt dir die Zeit im Büro. Und da gibt’s schon noch einiges zu tun.

Die Saisonziele wird ja wohl der Trainer vorgeben, aber was erwarten Sie sich im ersten Klose-Jahr?

Wir werden alles unternehmen, um erfolgreich Fußball zu spielen und nicht wieder so eine Saison wie letztes Jahr zu haben. Dieses Jahr ist mit der WM im Winter sowieso alles anders, die zwei Saisonhälften sind fast gleichwertig. Wir wollen schauen, dass wir im Herbst dabei und konkurrenzfähig sind. Mit dem neuen Trainer und den Neuzugängen sollte es einen Schub nach vorne geben.

Interview: Horst Hötsch

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