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Gonsenheims Rodwald: Ohne Kreuzband extrem fit

Oberliga Rheinland-Pfalz Saar Nord

Gonsenheims Rodwald: Ohne Kreuzband extrem fit

Vertraut seinem Körper: Lukas Rodwald vom Oberligisten SV Gonsenheim

Vertraut seinem Körper: Lukas Rodwald vom Oberligisten SV Gonsenheim SV Gonsenheim

Oberliga Rheinland/Pfalz Saar Nord

Nach 71 Spielminuten ist Schluss. SV Gonsenheim gegen TSG Pfeddersheim, Rheinhessen-Duell in der Oberliga. Mittendrin, als offensiver der beiden Gonsenheimer Sechser: Lukas Rodwald. Er erobert und verteilt Bälle, räumt ab und dribbelt an, putzt aus und stößt in den Strafraum vor, rennt, passt, schießt. Am 2:1-Sieg des Mainzer Stadtteilvereins gegen die Gäste aus Worms hat Rodwald einen erheblichen Anteil. Für Trainer Anouar Ddaou ist er nicht wegzudenken.

Umso schmerzhafter war der Ausblick vor Saisonbeginn. Da hatte Ddaou nämlich angekündigt, dass die Runde für Rodwald wohl schon gelaufen sei. Der Grund: ein Kreuzbandriss, der erst mit Verzögerung operativ behandelt werden kann. Die Gonsenheimer Spieler sind alle Studenten oder berufstätig, Rodwald hatte gerade seinen Arbeitgeber gewechselt, verdient sein Geld im Vertrieb eines Finanzdienstleisters. Da ist Mobilität vonnöten, eine OP käme zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Neben den paar Hundert Euro, die beim SVG samt Prämien im Idealfall zusammenkommen, verdient sich Rodwald auch noch als Personal Trainer etwas Geld dazu. Als "außergewöhnlich fit" beschreibt Ddaou seinen Mittelfeld-Allrounder. Drei- bis viermal die Woche wird in Gonsenheim trainiert, mindestens ebenso häufig geht Rodwald noch ins Fitnessstudio, macht Kraftübungen und Crossfit.

Peitsche auf dem Meniskus

Das alles lag Ende April erst einmal brach. Gonsenheim trat beim designierten Aufsteiger Wormatia Worms an, Rodwald spielte 90 Minuten durch. Danach tat das Knie weh. Die Diagnose: Meniskusriss. Die Operation folgte prompt, doch als Rodwald narkotisiert auf dem OP-Tisch lag, sahen die Ärzte, dass auch das vordere, rechte Kreuzband durch ist. Die Vermutung: Es ist ähnlich einer Peitsche auf den Meniskus geknallt. Doch ein gerissenes Kreuzband lässt sich nicht einfach so mit operieren, denn in der Regel wird eine körpereigene Sehne als Ersatz verwendet.

Als Rodwald erwachte, war sein Meniskus wieder in Ordnung - und die prognostizierte Ausfallzeit hatte sich multipliziert. Eine neuerliche OP kam schon aus beruflichen Gründen nicht infrage. Der 23-Jährige schmiedete einen anderen Plan. "Ich wollte schauen, was ich mit Physiotherapie und Krafttraining erreichen kann", erzählt er. "Ich habe im Grunde permanent im Kraftraum gearbeitet und einen Weg gefunden, die fußballspezifischen und läuferischen Belastungen ohne Schwellungen im Knie durchzustehen."

Ich wusste, dass man als Fußballer ein Kreuzband nicht unbedingt braucht.

Lukas Rodwald

Oft war Rodwald seit seiner OP bei der Physiotherapie. "Ich wusste, dass man als Fußballer ein Kreuzband nicht unbedingt braucht." Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher stand schließlich jahrelang ohne vorderes Kreuzband im Bundesliga-Tor. Andere Stimmen warnen, dass eine erhöhte Gefahr von Folgeschäden an Knorpel oder Meniskus besteht, wenn man ohne vorderes Kreuzband Kontaktsport treibt. "Ich kenne durch meinen Job Wege, das Knie zu stärken", sagt Rodwald.

Eine Schlüsselrolle auf seinem schnellen Weg zurück in die Startelf spielt eine Infrarot-Bestrahlung zur Aktivierung der Nervenbahnen, der sich Rodwald mindestens einmal die Woche unterzieht. Fazit nach mehr als einem Monat: "Ich bin schmerzfrei. Nach einer OP hat man an der operierten Stelle immer ein etwas anderes Gefühl, aber das ist nichts Beunruhigendes." Durch seine regelmäßigen Stippvisiten in einer physiotherapeutischen Praxis ist er unter stetiger Aufsicht, fühlt sich sicher.

"Ich war auch verblüfft, als sich Lukas auf einmal für das Mannschaftstraining angemeldet hatte", erzählt Ddaou. "Die Einheiten waren hervorragend. Er hat signalisiert, dass er bereit ist. Gefühlt war Lukas nie weg." Am Ende seiner ersten Trainingswoche feierte Rodwald sein Comeback, eine Woche später kehrte er gegen Pfeddersheim in die Startelf zurück. Und das alles mit gerissenem Kreuzband. "Man weiß nicht, was mittel- und langfristig ist", sagt Rodwald. "Ich vertraue auf meinen Körper, mache mir keine Gedanken." Auch mit früheren Verletzungen habe er sich vom Kopf her nie lange aufgehalten.

Torben Schröder