Bundesliga

"Bulle" Roth im Interview: "Dortmund hätte auch elf gemacht"

"Bulle" Roth erinnert sich an das 11:1 gegen den BVB

Gnade? "Schwachsinn, Dortmund hätte uns auch elf eingeschenkt"

Schoss viele wichtige Bayern-Tore: Franz "Bulle" Roth.

Schoss viele wichtige Bayern-Tore: Franz "Bulle" Roth. imago images

Wie präsent ist Ihnen das 11:1 mit dem FC Bayern über den BVB, Herr Roth?

Ich weiß noch, dass es unsere letzte Saison im Stadion an der Grünwalder Straße war, vor dem Umzug ins Olympiastadion. Es regnete, der Boden war tief. Ich traf zweimal mit strammen Schüssen, Jürgen Rynio stand beim BVB im Tor.

Wann merkten Sie, dass es an diesem Tag läuft?

Bei Halbzeit stand es ja schon 4:0. Unsere Mannschaft damals hat nicht aufgehört zu spielen, das hätte allein schon Gerd Müllers Ehrgeiz verhindert. Hätte es 20:0 gestanden, hätte der Gerd das 21. Tor schießen wollen. Wie viele hat er beim 11:1 gemacht?

Vier, dazu zweimal Sie, zweimal Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Willi Hoffmann. Haben Sie irgendwann daran gedacht, Gnade walten zu lassen?

Schwachsinn, warum hätten wir verwalten sollen? Dortmund hätte uns umgekehrt doch auch elf eingeschenkt, wenn sie gekonnt hätten. Das hat mit fehlendem Respekt nichts zu tun, der Gegner hätte ja nur besser verteidigen müssen. Und sowas wie Schonung schon mit Blick aufs nächste Spiel gab es nicht. Und wir hatten mit all den Ochsentouren per Bus über die Dörfer mehr Spiele als die heutige Generation. Meistens mit einem Gelenkbus, im hinteren Teil waren Bälle, Trikots und die ganze Ausrüstung.

Ist das 11:1 ein Bayern-Rekord für die Ewigkeit?

Es müsste schon alles passen, damit sie das in der Bundesliga überbieten, ich glaube es deshalb nicht. Schließlich müssen auch zwei Dinge zusammenkommen: Hier eine Ausnahmemannschaft, dort ein richtig schlechter Gegner. Höchstens ein Team bekommt drei oder vier Platzverweise in einem Spiel, dann wäre es vielleicht möglich.

Die Aufstellungen

Bleibt das Spiel in besonderer Erinnerung?

Ja, aber auch das 4:7 in Kaiserslautern nach 4:1-Führung und natürlich all die siegreichen Endspiele im Europapokal.

Bei der höchsten Bundesliganiederlage des FC Bayern, dem 0:7 gegen Schalke, fehlten Sie 1976.

Mit mir wäre das nicht passiert (lacht). So hoch hätten wir nicht verloren. Ich hatte damals erstmals Probleme an der Achillessehne, die später riss. Übrigens wird der FC Bayern auch nie mehr so hoch verlieren.

Sie kamen 1966, ein Jahr nach dem Bundesligaaufstieg zum FC Bayern. Hätten Sie sich die Erfolgsstory Ihres Klubs damals ausmalen können?

Nein, natürlich nicht. Mit uns fing es an, wir waren wirklich noch elf Freunde, eine eingeschworene Mannschaft. Einmalig, dass der FC Bayern seitdem im Grunde immer oben und erfolgreich geblieben ist. Eine Deutsche Meisterschaft ist heutzutage für ihn ja das normalste der Welt, wenn vielleicht auch nicht in dieser Saison.

Interview: Frank Linkesch

Die Bundesliga-Rekordspieler des FC Bayern