Skispringen

Gleichberechtigung im Skisprung? Ein steiniger Weg

Frauen tauchen in der Wahrnehmung noch nicht so recht auf

Gleichberechtigung im Skisprung? Ein steiniger Weg, doch Springerin Althaus kämpft

Sie kämpft für mehr Gleichberechtigung - und das schon seit langer Zeit: Skispringerin Katharina Althaus.

Sie kämpft für mehr Gleichberechtigung - und das schon seit langer Zeit: Skispringerin Katharina Althaus. imago images

Seit Winter 2019 dürfen die Frauen im Skisprung öfter von den Großschanzen starten und bei der baldigen Nordischen Ski-WM 2021 (23. Februar bis 7. März 2021 in Oberstdorf) werden die Springerinnen erstmals ihre Weltmeisterin von der Großschanze ermitteln. Das sind (kleine) Fortschritte, wenngleich der Weg hin zu einer Wunschvorstellung noch immer arg versperrt ist. Denn die Erfolge der Skisprung-Frauen lassen sich schnell an einer Hand abzählen: 2009 bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften ließ die FIS (Federation Internationale de Ski) erstmals einen Frauenwettbewerb austragen, 2011 starteten die Frauen dann in ihre erste Weltcupsaison - und bei den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi stand erst zum ersten Mal in der Geschichte (!) ein Skisprungwettbewerb der Frauen auf dem Programm, den die Deutsche Carina Vogt gewann. Auf Rang 23 landete damals Katharina Althaus, die aktuell beste deutsche Springerin.

Und die 24-jährige Oberstdorferin ist es auch, die nicht müde wird, für ihre Sportart in Sachen Gleichberechtigung zu kämpfen. Gerade jetzt inmitten der Corona-Krise erhebt sie die Stimme, zumal sie mit ihren Mitstreiterinnen derzeit Zwangspausen einlegen muss und nur trainieren kann - die Männer aber fleißig ihr Programm abspulen, jüngst eben mit der Austragung der prestigeträchtigen Vierschanzentournee.

Ach so: Eine Vierschanzentournee für Frauen gibt es übrigens nicht, immer noch nicht. Und das, obwohl die Springerinnen auf Großschanzen ähnlich weit wie Männer springen.

"Ich weiß nicht, warum es keine Tournee für Frauen gibt"

"Das Leistungsniveau der Damen ist mittlerweile so hoch, dass die Zeit definitiv reif für eine Weltmeisterin auf der Großschanze ist", hatte Althaus bereits im Sommer 2016 gegenüber dem Fachportal "skispringen.com" gesagt. Nun, ganz aktuell, spricht die Olympia-Zweite von 2018 in Pyeongchang exklusiv mit der "Zeit" - und prescht mit weiteren klaren Statements voran. Sie sagt etwa: "Ich weiß nicht, warum es keine Tournee für Frauen gibt. Es wird immer vorgeschoben, dass die Organisation ziemlich schwierig ist. Eine Idee ist, dass man unseren Wettkampf einen Tag vor dem der Männer macht. Direkt vor der Männerqualifikation. Da wird gerade diskutiert, weil zwei Schanzen keine Flutlichtanlage haben."

Katharina Althaus

Wünscht sich mehr Gleichberechtigung im Skisprung-Zirkus - und kämpft dafür: Springerin Katharina Althaus. imago images

Für Althaus wäre es "schon ein Highlight, am Qualitag der Herren unseren Wettkampf zu haben" - zumal das zuletzt auch ihr Bundestrainer Andreas Bauer gefordert hat. Die Meinung, dass sich Frauen dann nur als Vorspringerinnen der Männer fühlen könnten, zählt für Althaus auch nicht: "Ich würde das eher als Vorteil sehen. Ich komme aus Oberstdorf und weiß, wie viele Zuschauer jedes Jahr beim Auftaktspringen sind. Für uns wäre es super, wenn wir auch mal so viele hätten."

Doch noch gibt es verkrustete Strukturen - und Meinungen wie die von Sandro Pertile, dem neuen Renndirektor des Skiweltverbandes FIS. Dieser meint, dass die Leistungsdichte bei den Springerinnen noch zu gering für eine Tournee sei. Althaus dazu: "Ich finde, wir sind in den letzten Jahren in der Spitze schon nah aneinandergerückt. Es ist nicht mehr so, dass nur eine das Feld dominiert. Viele können aufs Podest springen. Und wenn wir mehr Wettkämpfe haben - gerade so große Ereignisse wie die Tournee -, kommt mehr Nachwuchs. Dann rückt das Feld irgendwann noch dichter zusammen."

Ich glaube, dass ich noch bei einer Vierschanzentournee starten darf.

Katharina Althaus

Genauso sieht sie es als kritisch an, dass bislang in diesen Corona-Zeiten nur ein einziger Frauenweltcup stattgefunden hat: "Es ist schade. Die Versuche der FIS, unsere Wettkämpfe zu ersetzen, sind mager ausgefallen. Bei den Herren haben sie jedes Mal einen Ersatz gefunden, wenn ein Wettkampf wegen Corona ausgefallen ist. Bei den Damen nicht. Wir hatten einen Wettkampf in der Ramsau, wo uns Gott sei Dank die Nordischen Kombinierer dazu genommen haben." Die Weltmeisterin mit der Mixed-Mannschaft bei der WM 2015 in Falun gibt die Hoffnung allerdings noch lange nicht auf - und wisse speziell in Sachen Vierschanzentournee auch von breiter Unterstützung aus der Gesellschaft: "Die Skiklubs stehen hinter uns, auch die vier Klubs, die die Springen veranstalten. Die Sponsoren sind auf unserer Seite. Der ganze Damenskisprungzirkus will das. Klar müssen wir Frauen noch ein bisschen kämpfen, aber ich glaube, dass ich noch bei einer Vierschanzentournee starten darf."

mag

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