Handball

Gipfeltreffen in Flensburg - Machulla im "Löwen-Modus"

Beflecken die Löwen Flensburgs weiße Weste?

Gipfeltreffen in Flensburg - Machulla im "Löwen-Modus"

Will Flensburgs Siegesserie ausbauen: SG-Coach Maik Machulla.

Will Flensburgs Siegesserie ausbauen: SG-Coach Maik Machulla. imago

Von einer Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen wollte im Vorfeld der Begegnung zwischen Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt und den viertplatzierten Rhein-Neckar-Löwen keiner sprechen. "Wir sind ja noch nicht einmal in der Rückrunde und wissen selbst genau, wie schnell auch ein größerer Vorsprung dahinschwinden kann", wird Oliver Roggisch auf der Vereins-Webseite zitiert. Löwen-Keeper Mikael Appelgren schlug in dieselbe Kerbe wie der Sportliche Leiter der Mannheimer: "Sicher, es ist ein wichtiges Spiel. Aber die Saison ist noch lange, eine Vorentscheidung wird da nicht fallen". Ob der Schwede in Flensburg auflaufen kann, klärt sich nach seinem Muskelfaserriss erst kurz vor dem Anwurf.

Dennoch werden die Löwen alles daran setzen, um dem glänzend gestarteten Titelverteidiger ein Bein zu stellen. Nach zwölf Partien grüßt Flensburg noch verlustpunktfrei von der Tabellenspitze. "Die Entwicklung in Flensburg ist sehr positiv. Auch wie sie die vergangene Runde zu Ende gespielt haben, davor kann man nur den Hut ziehen", blickt Roggisch zurück. In der letzten Spielzeit hatten die Löwen die Tabellenführung erst kurz vor Schluss an Flensburg verloren, die sich ihre zweite deutsche Meisterschaft im Saisonfinale nicht mehr nehmen ließen.

SG Flensburg-Handewitt - Die letzten Spiele
SC Magdeburg Magdeburg (H)
30
:
27
MT Melsungen Melsungen (H)
27
:
24
Rhein-Neckar Löwen - Die letzten Spiele
TSV Hannover-Burgdorf Hannover (H)
25
:
31
HC Erlangen Erlangen (A)
36
:
26
Handball-Bundesliga (HBL) - 13. Spieltag
Handball-Bundesliga (HBL) - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
SG Flensburg-Handewitt SG Flensburg-Handewitt
26
2
SC Magdeburg SC Magdeburg
24
3
THW Kiel THW Kiel
24

Sie sind unfassbar heimstark, haben mit die beste 6:0-Abwehr und sind trotz des Umbruchs ihrem Stil treu geblieben.

Oliver Roggisch

Die von Maik Machulla trainierte SG knüpft also nahtlos an die Meistersaison an - und das, obwohl es im Kader der Nordlichter vor der Saison zur einer mittelgroßen Revolution kam: Neben dem Torhütergespann Andersson/Möller verließen mit Thomas Mogensen (Skjern), Jacob Heinl (Ribe-Esbjerg), Kentin Mahé (Vezsprem) und Henrik Toft Hansen (Paris) vier weitere Leistungsträger den Klub. Ihre Stärken hat die SG trotzdem nicht verloren, wie Roggisch weiß: "Sie sind unfassbar heimstark, haben mit die beste 6:0-Abwehr und sind trotz des Umbruchs ihrem Stil treu geblieben."

SG-Neuzugänge immer besser in Tritt

Bislang kompensieren die arrivierten Kräfte den Verlust der langjährigen Stützen. Aber auch die Neuzugänge kommen immer besser in Tritt: Vor allem das neue Torhüter-Duo Buric/Bergerud gehört zum Besten, was die Handball-Bundesliga derzeit zu bieten hat. Im Rückraum konnte sich in den vergangenen Wochen der junge Norweger Göran Johannessen in den Vordergrund spielen, am Kreis ließ Johannes Golla immer wieder sein Potential aufblitzen.

Wenn wir die Löwen schlagen wollen, müssen wir viele Dinge richtig und gut machen - jeder einzelne muss über sein normales Niveau gelangen.

Maik Machulla

Flensburgs Coach Machulla befindet sich nach eigener Aussage schon "voll im Löwen-Modus" und hat die Stärken einer "der Top-Mannschaften Europas" studiert. Wie immer, wenn es gegen das Team aus Mannheim geht, wird es darauf ankommen, die so brandgefährliche Achse zwischen Spielmacher Andy Schmid und Kreisläufer Jannik Kohlbacher in den Griff zu bekommen. Auch gegen das schnelle Umschaltspiel der Löwen benötigt der Meister gute Antworten: "Wir müssen beim Rückzug schnell am Mann sein", erklärte Machulla. "Wenn wir die Löwen schlagen wollen, müssen wir viele Dinge richtig und gut machen - jeder einzelne muss über sein normales Niveau gelangen."

Bei der Generalprobe fehlte beiden Teams genau dieses Niveau: In der Champions League zogen die Löwen gegen den schwächelnden Titelträger Montpellier den Kürzeren (26:31). Und auch Flensburg musste eine empfindliche Niederlage einstecken: Zu Hause hatten Rasmus Lauge, Simon Jeppsson & Co. gegen den französischen Starklub Paris St. Germain ihre Grenzen aufgezeigt bekommen (20:27).

Machulla bangt um ein Trio

Bis zuletzt bangen muss Machulla um ein ganz wichtiges Trio: Bei Abwehrchef Tobias Karlsson, Linkshänder Markus Röd und Mittelmann Jim Gottfridsson ist die Situation noch unklar. "Im Moment plane ich ohne die Drei", berichtete der 41-jährige Cheftrainer und ergänzte: "Es wäre natürlich schön, wenn zumindest einer dazustoßen würde." Gerade seinen Kapitän Karlsson könnte Machulla nicht gleichwertig im Mittelblock ersetzen, vor allem da mit Röd ein möglicher Ersatz ebenfalls auszufallen droht.

Ein Fingerzeig für die Liga

Bogdan Radivojevic

Kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück: Löwen-Rechtsaußen Bogdan Radivojevic. imago

Für die Liga ist der Ausgang des Spitzenspiels definitiv ein Fingerzeig: Sollten die Flensburger gewinnen, hätten sie den schärfsten Mitbewerber auf den Titelgewinn vorerst distanziert. Aktuell beträgt der Vorsprung auf die Löwen fünf Punkte. Zwar hat der vom Dänen Nikolaj Jacobsen gecoachte Vizemeister noch ein Spiel in der Hinterhand - doch die heikle Auswärtsaufgabe bei Frisch Auf Göppingen muss erst einmal siegreich gestaltet werden.

"Wir fahren nirgendwo hin, um zu verlieren", blickte der Ex-Flensburger und aktuelle Löwen-Rechtsaußen Bogdan Radivojevic voraus. "Es muss aber alles passen, um den Lauf der SG zu durchbrechen." Es ist das 38. Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten, das noch nie unentschieden endete. Die letzte Begegnung in der "Hölle Nord" entschied im September 2017 der Gastgeber für sich.

kon

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