Bundesliga

Gikiewicz: "Wir müssen ohne Angst spielen"

Augsburgs Keeper über die Ziele für die neue Saison

Gikiewicz: "Wir müssen ohne Angst spielen"

Rafal Gikiewicz hat seinen Vertrag in Augsburg verlängert. Und hofft, dass sein Team erfolgreicher ist als in der letzten Saison. 

Rafal Gikiewicz hat seinen Vertrag in Augsburg verlängert. Und hofft, dass sein Team erfolgreicher ist als in der letzten Saison.  Getty Images

Aus Augsburgs Trainingslager in Walchsee berichtet David Bernreuther

Am Dienstagnachmittag wurde es plötzlich ungemütlich für den FC Augsburg. Während des Trainings setzte heftiger Regen ein, der Wind blies kalt über den Platz. Die Spielform auf engem Feld zogen die Profis unbeirrt durch, bis Trainer Markus Weinzierl die Einheit nach etwa einer Stunde beendete.

Spielersteckbrief Gikiewicz
Gikiewicz

Gikiewicz Rafal

Mit dabei war auch Rafal Gikiewicz, der Stammkeeper, der in der vergangenen Saison der große Rückhalt der Augsburger war. Zuvor hatte der FCA die Vertragsverlängerung mit dem Polen verkündetet. Der neue Kontrakt des 33-Jährigen läuft bis 2023 und enthält eine vereinsseitige Option für ein weiteres Jahr. Im Mannschaftshotel sprach Gikiewicz über ...

... die Vertragsverlängerung beim FCA:

"Nach einer sehr guten Saison hast du auch ein paar andere Optionen. Aber für mich war klar, dass ich hierbleiben will. Ich hatte keine Lust, mit meiner Familie wieder umzuziehen oder bei einem größeren Verein die Nummer 2 zu sein. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich meinen Vertrag verlängere. Ich freue mich wie ein kleines Kind."

... seine vorherigen Stationen in Deutschland:

"Ich bin ein Typ, der eigentlich immer eine Luftveränderung will. Bei Braunschweig, Freiburg und Union Berlin bin ich immer nach zwei Jahren gegangen. Aber hier habe ich das Gefühl, dass ich das nicht brauche. Ich will die Region genießen und mit meiner Familie normal leben. Als ich letzte Woche in Augsburg unterwegs war, habe ich mehr Fotos mit Fans gemacht als die letzten zwölf Monate davor."

... die vergangene Spielzeit:

"Ich glaube schon, dass es meine beste Saison war. Aber ohne Fans kannst du die Paraden und Siege nicht so feiern, das war komisch. Ich hatte Spaß, aber nicht so wie mit 6.000 Zuschauern gegen Dortmund. Ohne Publikum musst du selbst Stimmung machen. Bei der EM hat man gesehen, wie die Italiener vor dem Spiel die Hymne singen, wie ihre Reaktionen nach Grätschen oder Paraden waren. Ohne Stimmung hast du keine Chance. Aber du kannst trotz weniger Qualität und mit guter Stimmung jeden Gegner schlagen."

... seine persönlichen Ziele für die neue Saison:

"Ich habe Hunger und will noch besser spielen. Wenn jeder das Gefühl hätte, dass ich schon am Limit bin, hätte ich keinen neuen Vertrag bekommen. Meine Ziele schreibe ich wie immer nach der Vorbereitung auf einen Zettel, der an den Kühlschrank kommt. Ich will sicher mehr Spiele zu null machen, sieben waren zu wenig. Und wieder zwei Siege gegen Union – das Ziel steht zu hundert Prozent auf dem Zettel."

... die Ziele mit dem FCA:

"Wir wollen mehr Punkte holen als letzte Saison. Attraktiven Fußball spielen, unser Herz auf dem Platz lassen, alles geben für den Verein. Wenn du Charakter zeigst, sehen das die Fans. Wir müssen ohne Angst spielen, egal ob gegen Bayern oder Dortmund. Es geht nicht, das du zu Hause gegen Bielefeld spielst und Angst hast. Wir haben Respekt vor Fürth und Bochum. Aber, hallo? Wir müssen zeigen, dass wir seit elf Jahren in der Bundesliga sind."

... das Potenzial des Augsburger Kaders:

"Ich sehe Potenzial, aber wir haben keine gute Saison gespielt und zu viele glückliche Punkte geholt. In den letzten drei Spielen haben wir gezeigt, dass wir mit guter Struktur und Organisation nach vorne spielen können. Wir haben wirklich sehr gute Spieler, ich sehe keine Positionen, auf denen Augsburg große Probleme hat. Aber das müssen wir zusammen zeigen und mehr darauf achten, was wir selbst auf dem Platz machen wollen. Dann hat jeder Spieler mehr Spaß."

... seine Rolle im Team:

"Als Torwart, Verteidiger oder Sechser ist es unsere Aufgabe, die Mitspieler wachzurütteln. Ich will meine Kollegen verbessern, sie nicht kaputtmachen. Wir müssen uns alle positiven Druck machen. Das ist die Aufgabe von uns Spielern im Mannschaftsrat. Markus Weinzierl hat mich ab dem ersten Spiel dazu genommen, das hat mich gefreut."

... die EM, die er als Experte für das polnische Fernsehen begleitete:

"Das war nicht einfach, ich musste mich gut auf die Spiele vorbereiten. Aber nervös war ich nur am ersten Tag, vielleicht fünf Minuten. Es war eine coole neue Erfahrung für mich, weil ich nun weiß, wie viel Arbeit die Vorbereitung auf Interviews ist. Sportlich war ich natürlich traurig, dass meine Kollegen in der Vorrunde ausgeschieden sind."

... seine Chancen in der polnischen Nationalmannschaft und die Vermutung, er wäre als Ersatzkeeper ein Unruheherd:

"Das ist Quatsch, das habe ich auch hundert Mal gehört. Natürlich bin ich nicht zufrieden auf der Bank. Aber in der Nationalmannschaft ist das nicht wie in einem normalen Verein, den ich wechseln kann, wenn ich nicht spiele. Die Nationalmannschaft ist ein Traum, egal ob mit 20 oder 33."

David Bernreuther