Tennis

Novak Djokovic erfüllt sich in Wimbledon seinen großen Traum

Bärenstarker Berrettini unterliegt im Finale

Geschafft! Djokovic erfüllt sich in Wimbledon seinen großen Traum

Überglücklich: Novak Djokovic.

Überglücklich: Novak Djokovic. AFP via Getty Images

Für beide Spieler ging es in diesem Wimbledon-Finale um sehr viel: Djokovic hatte seinen 20. Grand-Slam-Titel vor Augen, wodurch er in dieser Statistik mit seinen Dauerrivalen Roger Federer und Rafael Nadal gleichziehen würde. Berrettini indes stand in seinem ersten Major-Finale überhaupt und hatte die Chance, als erster Italiener das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt zu gewinnen.

Der Druck war hüben wie drüben groß. Und Berrettini legte einen nervösen Start hin, kassierte früh das Break zum 1:3 und brauchte dann eine Weile, um auf Temperatur zu kommen. Der Italiener tat dies aber und konzentrierte sich auf die zwei Dinge, die er am besten kann: Service-Winner und eine brachiale Vorhand. 

Berrettini kommt spektakulär zurück

Djokovic lag dennoch Break vor und schlug beim Stand von 5:3 zum Satzgewinn auf - zeigte sich auf einmal jedoch ungewohnt nervös, leistete sich den ein oder anderen unerzwungenen Fehler und machte es so wieder spannend: Berrettini holte sich in einem spektakulären Ballwechsel das Break zurück.

Der 25-Jährige wackelte anschließend zwar noch einmal bei eigenem Service gegen den Satzverlust, rettete sich letztlich aber mit teils starken Punkten in den Tiebreak. 13:5 lautete die Tiebreak-Bilanz des Italieners in 2021, allerdings hatte er in Paris gegen Djokovic verloren. Diesmal aber glückte die Revanche, und die Nummer neun der Welt schnappte sich Durchgang eins mit 7:6 (7:4). 

Erinnerungen an Wawrinka werden wach

Kurios: Das einzige Mal, dass der Djoker in einem Grand-Slam-Finale gegen eine Nummer neun der Welt gespielt hatte, war in Roland Garros 2015 - damals unterlag er einem groß aufspielenden Stan Wawrinka. Sollte sich Geschichte wiederholen?

Matteo Berrettini

Furioses Comeback: Matteo Berrettini. AFP via Getty Images

Eines war klar: Auch Berrettini, der bis dato zweimal gegen den Weltranglistenersten gespielt und beide Male verloren hatte, spielte groß auf, doch auch Nole, der zuvor Bälle sehr oft einfach nur auf die Rückhand seines Gegners gespielt hatte, zog etwas an, breakte seinen Kontrahenten direkt - und das dann gleich doppelt. Es sah alles nach einem glatten Satzgewinn für Djokovic aus, doch der wackelte wieder bei eigenem Aufschlag zum Satzgewinn und fing sich urplötzlich das Break zum 3:5.

Anschließend stand es auf einmal 0:40 aus Sicht von Berrettini, der aber das Momentum auf seiner Seite hatte, fünf Punkte in Folge landete und auf 4:5 verkürzte. Sollte die Nummer eins der Welt auch diesen Vorsprung verzocken? Das war nicht der Fall - Djokovic behielt nun kühlen Kopf und holte sich Satz zwei mit 6:4.

Duplizität der Ereignisse

Das 134. Wimbledon-Finale der Geschichte blieb auch in Satz drei spannend - und wies abermals eine Parallele zu den ersten beiden Durchgängen auf: Djokovic glückte früh das Break, diesmal zum 2:1. Doch auch diesmal ließ Berrettini nicht locker und hatte zudem das Gros des Publikums hinter sich. 

Auch einfachste Punkte des Italieners wurden frenetisch bejubelt - zum Missfallen des Djokers, der allerdings diese Situation in Wimbledon aus den Vorjahren nur zu gut kannte und erneut zum Satzgewinn aufschlagen durfte. Diesmal brachte der Serbe sein Service zum 6:4 durch, auch weil Berrettini mit seinem Paradeschlag, der Vorhand, dreimal patzte.

Enorme Intensität in Satz vier

1:2-Rückstand nach Satzführung - und das im ersten eigenen Grand-Slam-Finale. Manch einen Spieler hätte so ein Matchverlauf aus der Balance gebracht, nicht aber Berrettini. Der Römer blieb cool, fand in Satz vier zu seinem starken Aufschlagspiel zurück, während Djokovic wieder etwas schwächelte und kämpfen musste. Die Intensität war förmlich mit den Händen greifbar.

Beim Stand von 3:3 packte Djokovic sein bestes Tennis aus, setzte den keineswegs schlecht spielenden Berrettini enorm unter Druck, erarbeitete sich den Breakball, den er dann auch nutzte, weil der Italiener sich einen Doppelfehler leistete. Entschieden war das Match aber noch längst nicht, denn Berrettini kämpfte wie ein Löwe, wehrte gar zwei Matchbälle ab, doch Djokovic ließ sich seine Beute nicht mehr nehmen. Der Serbe nutzte seinen dritten Matchball zum 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 - und schrieb Tennis-Geschichte.

Die vergangenen zehn Jahre waren eine unglaubliche Reise, die hier nicht aufhört.

NOvak Djokovic

"Ein siebenjähriger Junge in Serbien hat einst mit improvisierten Materialien eine Wimbledon-Trophäe gebaut. Und jetzt steht er hier mit seinem sechsten Titel", sagte Djokovic bei der Siegerehrung und führte fort: "Die vergangenen zehn Jahre waren eine unglaubliche Reise, die hier nicht aufhört."

Würdigung von Federer und Nadal - Federer gratuliert

Außerdem würdigte der Weltranglistenerste nach seinem dritten Sieg in Folge beim Rasen-Klassiker auch Federer und Nadal, die ihn motiviert haben. "Sie sind Legenden unseres Sports. Sie sind der Grund, warum ich überhaupt an diesem Punkt bin", sagte der 34-Jährige, der nun etwas von vielen für unerreichbar erreichen kann.

Keine Zuschauer und sehr viele Restriktionen. Ich muss darüber nachdenken - derzeit bin ich bei 50:50.

Novak djokovic über seine teilnahme bei den bevorstehenden olympischen Sommerspiele

Sollte er auch die US Open gewinnen, dann wäre er der erste Spieler seit Rod Laver 1969, der alle vier Majors binnen eines Kalenderjahres gewinnen würde - und sollte noch olympisches Gold dazu kommen, dann wäre das ein Novum im Herren-Tennis. Das hatte bislang nur Steffi Graf im Jahr 1988 geschafft. Ob er das aber in Angriff nimmt, ist aktuell wieder fraglich. "Der Plan war, dass ich gehe", sagte Djokovic und verriet, dass er sich jetzt nicht mehr sicher sei: "Keine Zuschauer und sehr viele Restriktionen. Ich muss darüber nachdenken - derzeit bin ich bei 50:50", so der 34-Jährige.

Federer gratulierte indes seinem Rivalen zu dessen Triumph. "Glückwunsch Novak zu Deinem 20. Major. Ich bin stolz, die Gelegenheit zu haben, in einer besonderen Ära von Tennis-Champions zu spielen. Wunderbare Leistung, gut gemacht", schrieb der 39 Jahre alte Schweizer bei Twitter. Und auch Nadal meldete sich noch, der Spanier beglückwünschte dem Serben ebenfalls via Twitter zu "diesem unglaublichen Erfolg. 20 Grand-Slam-Titel sind enorm und es ist unglaublich, das wir drei da einen Gleichstand haben."

drm

20, 20, 20! Meiste Grand-Slam-Titel: "Big Three" unter sich