Bundesliga

Gentner: "Wir kommen schon an unser Limit"

Unions Mittelfeldmann für Fortsetzung zu Einschränkungen bereit

Gentner: "Wir kommen schon an unser Limit"

Union Berlins Christian Gentner kann sich für eine Fortsetzung der Saison Einschränkungen vorstellen.

Union Berlins Christian Gentner kann sich für eine Fortsetzung der Saison Einschränkungen vorstellen. Getty Images

Die derzeitigen Einheiten haben es in sich. Christian Gentner trainiert seit zehn Tagen wieder in kleinen Gruppen mit seinen Kollegen vom 1. FC Union Berlin, "und das Training ist zu großen Teilen ohne Ball. Es ist sehr intensiv, wir kommen schon an unser Limit", sagte der Mittelfeldspieler am Mittwoch im Rahmen einer Medienrunde via Skype. Aufgrund der Corona-Pause befinde man sich "in einer Art Vorbereitung", so Genter - "auf einen Tag X, der noch nicht bestimmt ist".

Gentner über Kleingruppentraining: "Du kannst nicht nur mal mitschwimmen"

Die körperlichen Anstrengungen nimmt der Routinier indes gelassen hin. Zumal er ein Typ sei, der während einer Pause nicht viel Fitness verliere. "Ich bin verhältnismäßig fit zurückgekommen", sagt Gentner. Abseits dessen sei nach der Zeit des individuellen Trainierens zu Hause jede Einheit auf dem Platz, auch in kleinen Gruppen und unter strengen Hygiene-Maßgaben, eine Freude. Gentner meint damit vor allem die fußballspezifischen Elemente und das Üben auf grünem Rasen. Darüber hinaus freut sich der Ex- Nationalspieler (fünf Einsätze für den DFB) gerade in Zeiten der noch nicht wieder gewonnenen Normalität, "wenn man die Jungs kurz sieht", weil die letzte Einheit als komplette Mannschaft ja schon eine Weile her ist. Darüber hinaus macht der 34 Jahre alte Profi, der 401 Bundesligaspiele auf dem Buckel und zwei Meisterschaften gefeiert hat (2007 mit dem VfB Stuttgart und 2009 mit dem VfL Wolfsburg), gerade auch neue Erfahrungen. Etwa, wie es ist, wenn man in einer Gruppe mit sechs Spielern trainiert und drei Trainer dafür zur Verfügung stehen. "Das ist unheimlich intensiv. Du kannst nicht nur mal mitschwimmen, sondern bist immer im Fokus eines Trainers", sagt Gentner.

Geisterspiele? - "Kein Gefühl, an das du dich als Profifußballer gewöhnen willst"

Die Rückgewinnung der körperlichen Fitness sowie der fußballerischen Abläufe ist jedoch nicht alles, woran die Profis von Trainer Urs Fischer derzeit arbeiten. Es gehe auch darum, "wieder Spannung aufzubauen", so der erfahrene Profi, "denn keiner war bislang in so einer Situation". Und da eine Rückkehr zur vollkommenen Normalität - also Spiele mit Zuschauern - wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen wird, bereiten sich Gentner und Kollegen auch auf die Situation vor, Geisterspiele zu bestreiten. Er selbst hat mit dem VfB Stuttgart - 2013 im Achtelfinal-Rückspiel des UEFA-Cups bei Lazio Rom - bereits Geisterspiel-Erfahrung gesammelt, "und das ist kein Gefühl, an das du dich als Profifußballer gewöhnen willst". Dass Geisterspiele in nächster Zeit den Fußball-Alltag von ihm und seinen Kollegen bestimmen werden, ist Gentner bewusst. "Ob man sich darauf zu 100 Prozent vorbereiten kann, weiß ich nicht" sagt er. Ob das gelinge, hänge auch von jedem selbst ab, so der 1,89 Meter große Profi. Sicher sei es eine Herausforderung, ebenso der Umstand, dass sein Team und er sich auf einen Saison-Neustart vorbereiteten, der noch nicht gesichert ist. Stand jetzt bereite man sich auf einen Neustart "Anfang Mai" vor, so Gentner, "aber es kann Rückschläge geben". Das sei eine große Herausforderung vor allem für die Trainer, "die Mannschaft auf den Tag X fit zu kriegen". Einen Tag X, der sich eventuell noch wieder verschieben kann. Er selbst bereite sich aber darauf vor, im Mai zu spielen. Ob er tatsächlich daran glaubt, dass dann wieder gespielt wird, dazu äußert sich Gentner nicht. "Ich wünsche es mir", stellt er indes klar, "dass wir, ohne unvorsichtig zu sein, schnellstmöglich wieder einigermaßen Normalität bekommen."

Gentner selbst muss für sich im Privatleben auch einige Dinge anders machen. "Ich bin viel weniger an der frischen Luft als sonst", sagt er, dabei sei er eigentlich ein Mensch, der "viel in der Natur" unterwegs sei. Ansonsten frühstückt der Routinier zurzeit morgens alleine zu Hause (Gentners Familie lebt in Stuttgart) und nicht mit den Teamkollegen in der Kabine - und liest in seiner Freizeit viel: Thriller, Biographien von Sportlern und ansonsten "alles querbeet".

Für Saison-Fortsetzung wäre Gentner zu Einschränkungen bereit

Wie seine Zukunft als Profi aussieht, dazu sagt der Routinier derzeit nichts Konkretes. Außer, dass es seine Absicht sei, noch weiter Fußball zu spielen. Sein Vertrag bei Union läuft zum Saisonende aus, und mit Oliver Ruhnert, dem Geschäftsführer Profifußball bei Union, habe er "im Winter eine klare Absprache getroffen". Demnächst wolle man sich zusammensetzen und sich über die Zukunft austauschen. Erstmal aber geht es auch für Gentner um die kurzfristige Zukunft - das Beenden der unterbrochenen Saison 2019/20. Inwieweit die Corona-Pause und zu erwartende Geisterspiele den Ausgang der Spielzeit beeinflussen könnten, will er nicht prognostizieren. "Das ist nahezu unmöglich. Aber es kann alles passieren. Die Tabelle kann durcheinandergewirbelt werden." Vorstellen kann sich die Nummer 34 von Union dagegen, für eine Fortsetzung der Saison eventuell Einschränkungen wie eine Kasernierung der Mannschaften hinzunehmen. Zwar könne in der Corona-Krise kaum geplant werden, weil es "morgen oder nächste Woche wieder neue Vorschriften geben kann". Aber klar ist für Gentner auch: "Wenn es ein abschätzbarer Zeitraum und die medizinische Versorgung gewährleistet ist, sollten wir spielen. Wenn es ein Teil zum Zusammenleben der Gesellschaft ist, der viele positiv beeinflusst, dann bin ich auch bereit, Dinge in Kauf zu nehmen und in meinem privaten Umfeld auf Zeit zu verzichten."

Andreas Hunzinger

Häufigster Vorname, langsamster Spieler: 20 abseitige Statistiken