Handball

Uwe Gensheimer besorgt: "Wirtschaftliche Situation katastrophal"

DHB-Kapitän geht mit gemischten Gefühlen in die neue Saison

Gensheimer besorgt: "Wirtschaftliche Situation weiter katastrophal"

Er geht mit gemischten Gefühlen in die neue Saison: Uwe Gensheimer.

Er geht mit gemischten Gefühlen in die neue Saison: Uwe Gensheimer. imago images

Und sicherlich noch dramatischer: Es ist noch nicht mal sicher, ob alle Vereine die zum Teil drastischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überleben werden.

Uwe Gensheimer kennt diese Unsicherheiten. Und obwohl beim Kapitän der deutschen Nationalmannschaft die Vorfreude auf den Neustart überwiegt, blickt er den kommenden Monaten mit gemischten Gefühlen entgegen. "Aus Sicht der Klubs ist die wirtschaftliche Situation weiterhin katastrophal", so der Linksaußen der Rhein-Neckar Löwen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Das tut natürlich weh."

Der 33-Jährige galt noch nie als jemand, der zu Übertreibungen neigt. Er geht deswegen auch nicht vom schlimmstmöglichen Fall aus. Aber es gibt Themen, die Gensheimer vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs durchaus beschäftigen. Neben den Unsicherheiten durch die Corona-Krise gehört dazu auch ein altbekanntes: die vergleichsweise hohe Belastung der Handballer. Denn die wird in der kommenden Saison nochmal höher sein als sonst.

Die Trainer stehen in der großen Verantwortung, die Spieler nicht zu verheizen.

Bob Hanning im kicker

Durch die Aufstockung der Liga von 18 auf 20 Teams wird es zusätzliche Spieltage geben, für die Spieler der Topklubs stehen zudem Einsätze im Europapokal auf dem Programm. Und für die Nationalspieler um Gensheimer kommen weitere Pflichtspiele hinzu, dazu zählt unter anderem auch die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten. Dennoch befürwortet Gensheimer die Austragung der WM. Er rechnet jedoch auch fest damit, dass das Belastungs-Thema für die Spitzenspieler spätestens im Winter "natürlich wieder ein großes" wird.

"Wir sind heilfroh, dass wir wieder spielen können. Aber klar, die Taktung wird extrem sein, wenn man die internationalen Turniere noch dazu nimmt", sagt er. Im November geht es für ihn und die DHB-Auswahl in der EM-Qualifikation weiter, kurz nach der WM folgt im März das Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin. "Die Trainer stehen in der großen Verantwortung, die Spieler nicht zu verheizen, sondern dosiert zu belasten und ausreichend regenerieren zu lassen", stellte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Montag im kicker klar.

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Ein freiwilliger Verzicht auf Einsätze für die Nationalmannschaft ist für Gensheimer trotzdem kein Thema. "Dafür bin ich einfach zu heiß drauf. Nur wenn ich Anzeichen meines Körpers spüren oder mich nicht gut fühlen sollte, wäre es vielleicht anders. Aber wenn ich mich gut fühle, will ich spielen", so seine unumstößliche Einstellung. Auch er misst den Trainern in der kommenden Saison mit Blick auf die Belastungssteuerung eine besondere Bedeutung zu.

Was den THW Kiel aufhalten kann? "Verletzungen"

An ein Karriereende denkt er trotz seines fortgeschrittenen Handball-Alters noch lange nicht. Es gebe auch keinen Plan, wann Schluss sein soll: "Schauen wir mal. Solange kein Jüngerer besser ist, geht's noch."

Apropos besser. Als klaren Favoriten auf den Meistertitel nennt Gensheimer den THW Kiel. Was den deutschen Rekordmeister aufhalten könne? "Verletzungen", antwortet Gensheimer knapp, um anschließend auszuführen: "Im Ernst, sie sind mit Sicherheit nicht schlechter geworden im Vergleich zum letzten Jahr. Jetzt haben sie sogar noch Sander Sagosen und damit einen Spieler geholt, durch den die Ansprüche nicht kleiner geworden sind. Aber vielleicht gibt es im Dezember eine Chance, sie zu attackieren, weil sie dann ja auch noch das Finalturnier der Champions League spielen müssen. Da könnte es dann vielleicht passieren, dass die Einstellung und Konzentration auf die Bundesliga-Spiele etwas weggeht."

msc/dpa

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