
VfL-Legende: Dariusz Wosz soll das Ruder herumreißen. picture-alliance
Der VfL-Vorstand hat damit die Konsequenzen aus der anhaltenden Talfahrt des Revierklubs gezogen, der seit zehn Spielen auf einen Sieg wartet und derzeit den Relegationsrang belegt. Am 24. Spieltag noch hatte Bochum neun Punkte Vorsprung auf Platz 16. Der letzte Sieg gelang am 13. Februar (2:1 gegen Hoffenheim).
Die VfL-Legende Wosz - der heute 40-Jährige spielte von 1992 bis 1998 und von 2001 bis 2007 in 239 Erst- und 107 Zweitligapartien für den Verein - wird sowohl in München als auch im "Endspiel" am 34. Spieltag gegen Hannover die Verantwortung tragen. Als Feuerwehrmann soll er den Verein vor dem sechsten Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Wosz, der aktuell noch in der Bezirksliga für Union Bergen aktiv ist, kennt die Mannschaft bis ins Detail, nachdem er unter Herrlich assistierte.
Der nordrhein-westfälische Rivale Arminia Bielefeld hatte es in der Vorsaison sogar erst vor dem letzten Spieltag mit einem Trainerwechsel versucht. Jörg Berger, er übernahm von Michael Frontzeck, konnte die Ostwestfalen damals jedoch nicht vor dem sportlichen Niedergang retten.
Herrlich: 22 Spiele, vier Siege

Zwei Spieltage vor Schluss entlassen: Heiko Herrlich. imago
Heiko Herrlich war seit dem elften Spieltag in Bochum im Amt - ausgestattet mit einem auch für die Zweite Liga gültigen Vertrag mit Laufzeit bis 2012. Sportvorstand Thomas Ernst ging damals ein großes Risiko mit dem Bundesliga-Neuling ein. Anfangs lief es ausgesprochen gut für den VfL und Heiko Herrlich, unterstrichen wird dies durch eine Serie von acht Spielen ohne Niederlage im Winter.
Doch das Verhältnis zu Teilen der Mannschaft war schnell gestört. Nach einer rustikalen Kabinenpredigt am Mittwoch war der Draht wohl gänzlich gekappt, der Verein sah sich zum Handeln gezwungen. Und das, obwohl Ernst noch vor zwei Wochen angekündigt hatte, mit Heiko Herrlich auch in Liga zwei weitermachen zu wollen.
In der offiziellen Sprachregelung finden die angeblichen Dissonanzen zwischen Trainer und Mannschaft aber keine Erwähnung. "Nach langen Analysen und vielen Gesprächen denken wir, dass wir in einer anderen Konstellation größere Chancen haben, unsere Ziele zu verwirklichen", sagte Ernst auf der Pressekonferenz.
Die Vorwürfe der Profis hält Herrlich für absurd. „Dass man mir jetzt plötzlich vorwirft, ich hätte den falschen Umgangston angeschlagen, ist fragwürdig", sagte er in einem Interview auf der Internetseite der Süddeutschen Zeitung. Zudem habe die Vereinsführung zu wenig hinter ihm gestanden: "Wenn Spieler in Bochum offenbar die Gelegenheit haben, sich bei Leuten aus der Führungsebene zu beklagen, dann hast du als Trainer keine Chance. Das habe ich früher mal in Dortmund erlebt. Dann können die Verantwortlichen hundertmal sagen: Wir halten zum Trainer."
Auf Wosz fiel die Wahl, weil dieser als ehemaliger Spieler bei den Fans sehr beliebt ist. Zudem erhoffen sich die Klubverantwortlichen von dem 40-Jährigen, dass er mit seiner positiven Art für einen Stimmungsumschung beim VfL sorgen wird.
Ingesamt holte Herrlich in 22 Erstliga-Spielen mit Bochum vier Siege und acht Unentschieden, verlor zehnmal. Der Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund war im Oktober für Frank Heinemann engagiert worden, nachdem er vom DFB losgeeist werden konnte. Dort trainierte Herrlich die U19-Auswahl.
Frank Heinemann wiederum war für den VfL als Nachfolger des Schweizers Marcel Koller zwischen dem 5. und 10. Spieltag für die Mannschaft verantwortlich. Auch damals stand Dariusz Wosz schon als Co-Trainer mit an der Seitenlinie. Wosz steht für eine erfolgreiche Bochumer Zeit - und bei den Fans hoch im Kurs. Am Freitag fliegt er mit den Spielern nach München, um im allerletzten Moment die Trendwende einzuleiten.
