Bundesliga

"Ganz und gar Leons Meinung": Wie Flick das Bayern-Spiel anpassen will

Bundesliga-Start: kicker-Ehrung für Lewandowski und Bayern-Trainer

"Ganz und gar Leons Meinung": Wie Flick das Bayern-Spiel anpassen will

Geht mit klaren Vorstellungen in die Bundesliga-Saison 2020/21: Bayern Münchens Erfolgstrainer Hansi Flick.

Geht mit klaren Vorstellungen in die Bundesliga-Saison 2020/21: Bayern Münchens Erfolgstrainer Hansi Flick. imago images

Bevor der FC Bayern an diesem Freitagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) in der Bundesliga die Fortsetzung seiner Superserie mit dem achtmaligen Gewinn der Meisterschaft hintereinander angeht, werden die zwei Protagonisten und Garanten des grandiosen Triple-Erfolges 2019/20 besonders gewürdigt: Torjäger Robert Lewandowski hat die traditionsreiche kicker-Wahl zum Fußballer des Jahres 2020 gewonnen und erhält dafür genauso eine kicker-Trophäe wie Hansi Flick, der von den Sportjournalisten zum Trainer des Jahres auserkoren wurde.

Für den Chefcoach des FC Bayern ist es der erste Bundesliga-Start in dieser Funktion. Diese Hauptrolle hatte der vormalige Assistent des Bundestrainers Joachim Löw (zusammen Weltmeister 2014 in Brasilien geworden) erst Anfang November von Niko Kovac übernommen und die Mannschaft durch alle von Corona verursachten Irrungen und Wirrungen dirigiert, bis hin zum Dreifachtriumph aus Meisterschaft, Pokal und Champions League.

55 Pflichtpartien - ohne Winterpause

In das nun verspätet startende Fußball-Jahr 2020/21 geht Flick mit seinem Kader, der noch nicht komplett ist, unter vom Virus belasteten, erschwerten Bedingungen. 34 Spiele in der Bundesliga sind zu absolvieren, der deutsche und der europäische Supercup, dazu im Optimalfall - sollte es erneut mit dem Finale klappen - 13 in der Champions Lague sowie - wieder im Optimalfall - sechs im DFB-Pokal: Macht allein für den Klub 55 Pflichtpartien - ohne Winterpause. Dazu kommen noch diverse Länderspiele, über die der Bundestrainer jüngst schon ausführlich gestöhnt hat. Und auch wenn Löw die Belastung für seine Auserwählten mit Blick auf die nach der Saison folgende Europameisterschaft dosieren und nicht immer jeden im Verein besonders geforderten (Bayern-) Spieler einladen will - wie schon gegen Spanien und die Schweiz praktiziert -, so haben die Münchner (National-)Spieler doch ein Mammutprogramm zu überstehen.

Da kommt es auf die physische wie psychische Belastungssteuerung ganz wesentlich an. "Das ist unser Job", sagt Flick ziemlich selbstverständlich und professionell. In jedem Spiel müsse geliefert werden. Trotz des Triple-Gewinns "hat man weiter Ziele". In den zurückliegenden zehn Tagen nach Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes erkannte der Coach "bei keinem Spieler" Anzeichen von Müdigkeit oder eine abnehmende Bereitschaft, "100 Prozent zu geben".

Die richtige Balance wird gesucht

Leroy Sané und Hansi Flick "kabbeln" etwas.

Wird gegen S04 direkt auf den früheren Schalker Leroy Sané (gekommen von Manchester City) setzen: Hansi Flick. imago images

Dieses Charakteristikum zeichne die Münchner Mannschaft aus - ganz besonders diese 2010er Generation -, "dass man sich beweisen möchte, wenn man große Erfolge hatte", betont ihr Chef. Ohnehin müsse man sich bei Bayern München immer beweisen, wie Flick aus seiner Spielerzeit zwischen 1985 und 1990 aus eigener FCB-Erfahrung weiß: "Ganz egal, wie der Kader aussieht, bei Bayern München ist es immer Pflicht, Meister zu werden." Daran änderten selbst die drei Titel 2020 nichts. Und dazu müsste die körperliche und geistige Beanspruchung entsprechend ausbalanciert werden zwischen höchster Belastung und Erholung, es ist der Auftrag für das Trainerteam, das dazu schon längst Überlegungen angestellt habe.

Auch die Spielweise soll etwas verändert werden. "Das Extrempressing ist nicht auf Dauer zu praktizieren", hatte der kicker schon im Bundesliga-Test zum FC Bayern in seiner Printausgabe am vorigen Montag angemerkt.

Der Plan mit dem Pressing

Leon Goretzka hatte zur Wochenmitte angemerkt, man müsse nachdenken, "ob wir unsere Spielweise nicht ein Stückweit ändern müssen, weil es schwierig wird, das Pressing, wie wir es in den letzten Monaten gespielt haben, über eine Saison ohne Pausen durchzuziehen, wenn wir alle zwei, drei Tage spielen". Flick nimmt diese Anregung gerne auf. "Da bin ich ganz und gar Leons Meinung", sagt er und präzisiert: "Besser gesagt, er ist meiner Meinung."

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Intern sei drüber schon gesprochen worden mit dem Ergebnis, dass Flick und die Seinen "grundsätzlich" nicht von ihrer dominanten, offensiven Spielidee abgehen wollen, "aber gewisse Phasen im Spiel müssen wir etwas cleverer lösen". Konkret solle es nach des Fußballlehrers Wunsch so aussehen, "dass wir uns in Ballbesitz erholen wollen". Außerdem "können wir uns auch ein bisschen zurückziehen und trotzdem dann wieder intensiv pressen". Es wird also mehr Rhythmuswechsel angestrebt, das Pressing und aggressive Anlaufen des Gegners soll in Schüben erfolgen. Der erste Praxistest steht zum Auftakt an diesem Freitagabend gegen Schalke auf der Agenda.

Zum Start verspricht Flick mit allem Ernst in seiner Mimik eine "hoch konzentrierte" Münchner Mannschaft, die S04 keinesfalls unterschätzen werde. Vielmehr verlangt er eine weitere Präsentation der in der FCB-Truppe vereinten Qualität und Intensität. Neuzugang Leroy Sané, früher zwischen 2011 und 2016 für Königsblau aktiv, wird der Startelf angehören.

Karlheinz Wild

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