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Gamevention 2022: Erfolgsgeschichte mit Kinderkrankheiten

Fazit mit Veranstalter Oliver Welling

Gamevention 2022: Erfolgsgeschichte mit Kinderkrankheiten

Die Gamevention 2022 ist Geschichte, 2023 wird sie zurückkehren.

Die Gamevention 2022 ist Geschichte, 2023 wird sie zurückkehren. Gamevention Twitter

Aus dem Nichts und unbarmherzig war der Regen am Sonntagnachmittag in Neumünster gekommen und hatte für ein verfrühtes Ende der Gamevention 2022 in den Holstenhallen gesorgt. "Kein Risiko. Jede Gesundheit geht vor alles, was wir gerne hätten", erklärte Veranstalter Oliver Welling die Absage der letzten zwei Live-Acts auf der großen Bühne vor den Messehallen. 

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Als Kopf von WE LOVE ESPORTS organisiert Oliver Welling die Gamevention.  Oliver Welling LinkedIn

Es war die letzte einiger Schwierigkeiten und Kinderkrankheiten, mit der das Festival zu kämpfen hatte. Ins Wasser gefallen war das erstmals in neuem Gewand und auf neuem Gelände abgehaltene Event jedoch keinesfalls. "Klar ist man als Veranstalter immer erst zufrieden, wenn alle Erwartungen übertroffen wurden, aber nachdem wir 14 Monate hierfür gearbeitet haben, ist der Realist in mir zufrieden. Das ist mehr, als ich erwartet hatte", fasste Welling die abwechslungsreichen Tage des neuen und spannenden Projekts zusammen. 

Geplante Vielfalt zeigt Gaming "in vielen Facetten"

Mehr als sich so mancher Besucher erwartet haben dürfte, hielt auch das bunte Angebot der Gamevention bereit. Von Augmented Reality über eSport bis Musik und Mittelaltermarkt wurde alles bedient. Hier war tatsächlich für so gut wie jeden etwas dabei.

Auf den ersten Blick etwas sehr bunt, verfolgte Welling damit einen klaren Plan: "Wir haben viel aus der 'Nerdkultur' vereint." Schließlich gäbe es eine gemeinsame Grundlage für Cosplayer, aber auch Freizeit-Ritter und -Schmiede: Den Wunsch, in eine andere Rolle zu schlüpfen. 

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Auch Cosplays und Walking Acts gab es auf der Gamevention zu sehen. kicker eSport

Die Vielfalt ist beim Bedienen dieses Wunschs ein besonderes Anliegen Wellings gewesen: "Gaming hat für mich von Kartenspiel bis WoW so viele Aspekte. Das, was wir mit der Gamevention glaube ich gemacht haben, ist, das Spiel in sehr vielen verschiedenen Facetten zu zeigen. Wir möchten gerne eine Bandbreite zeigen. Denn wenn wir nur das Eine machen, sind wir Veranstaltung Nummer 17, die das tut. Wie langweilig, das macht keinen Spaß."

Wir hatten 84 Helfer, die uns zugesagt haben. Am Freitag hatten wir noch acht. Wir hatten 15 Leute in der IT, gearbeitet haben drei.

Oliver Welling über Probleme mit Covid

Als Begründung schlüssig, blieb das Gaming-Festival seinen Namen dennoch ein wenig schuldig. Besonders die angekündigten Möglichkeiten, selbst zu spielen, waren nicht in der erklärten Anzahl vorhanden - und liefen erst im Laufe des Sonntags. "Da haben wir tatsächlich Probleme gehabt und da sind wir von enttäuscht", machte der Veranstalter keinen Hehl aus der Lage: "Wir hatten 84 Helfer, die uns zugesagt haben. Am Freitag hatten wir noch acht. Wir hatten 15 Leute in der IT, gearbeitet haben drei."

Grund für die kurzfristigen Ausfälle seien zahlreiche Covid-Fälle gewesen, viele Helfer hatten sich am vorherigen Wochenende im Zuge der Kieler Woche angesteckt. Doch damit nicht genug:

Zusätzlich sei auch ein Zulieferer, der die Computer hatte stellen wollen, ausgefallen. "Wir hatten einen PC-Hersteller, der unser Partner war. Der hat uns drei Wochen vor dem Event gesagt: 'Ja, wir hatten eigentlich gesagt, wir kommen mit sehr vielen Geräten, aber leider erleben wir gerade einen Lieferengpass.' Dementsprechend gab es keine PCs." 

Unsichtbarer Kraftakt verhindert den Unmut nicht

Dass das Wochenende dennoch größtenteils reibungslos ablief, war der Mehrarbeit der verbliebenen Helfer zu verdanken, die einen wahren Kraftakt vollbracht hatten. Dass dieser bei den Besuchern nicht vollends angekommen war, fand Welling gleichermaßen schade wie nachvollziehbar: "Natürlich schafft man damit Unzufriedenheit, weil die Leute Erwartungshaltungen haben: Das ist die Gamevention, es muss gespielt werden." Im selben Atemzug gelobte er jedoch auch Besserung: "Das wird im nächsten Jahr deutlich cooler."

Dasselbe soll auch für die Preispolitik der Gamevention gelten, die bei Schaulustigen teils für Verwunderung sorgte. Bis zu 50 Euro kostete ein Tagesticket für die Veranstaltung, Wahlmöglichkeiten zwischen reinen "Gaming"- und "Musik"-Tickets gab es nicht.

Genau durch dieses Gesamtpaket sah Welling die Preise allerdings gerechtfertigt: "Wenn du sonst zu Events gehst, die 20 Euro kosten, wirst du nicht diese Acts dabei haben." Doch auch die monetäre Kritik nahm er sich zu Herzen: "Wir haben es gehört und werden auch da überlegen, wie wir das im nächsten Jahr noch besser machen." In die Eintrittskarten gucken lassen, wollte er sich aber noch nicht. 

Von Berufsmesse zu Gaming-Festival

Konkreter wurde Welling allerdings hinsichtlich der Aussteller auf der Messe. Auch diese waren bunt gemischt, von Indie-Entwickler über Feuerwehr bis Finanzamt konnte man sich informieren lassen. Grundlegend hinsichtlich der Anwerbung möglicher Arbeitnehmer sinnvoll, erinnerten viele der Stände besonders im behördlichen Kontext eher an Berufsmessen.

"Womit ich nicht glücklich bin - und da sind wird auch schon im Austausch - ist die Präsentation", ließ Welling durchblicken, dass auch er sich etwas anderes erhofft hatte. Grundsätzlich möchte er aber an dem Konzept festhalten: "Viele Leute, die hier sind oder hier waren, sind genau in der Zielgruppe, in der man sich fragt: 'Was will ich eigentlich im Leben machen?' Und wenn ich hier in eine andere Präsentation gehe, bin ich sehr fest davon überzeugt, dass das ein guter Move ist."

Ich habe sehr viel gutes Feedback von Leuten bekommen, die bereits angekündigt haben, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Oliver Welling

Das bestätigten Welling auch seine Aussteller: "Ich habe sehr viel gutes Feedback von Leuten bekommen, die bereits angekündigt haben, im nächsten Jahr wiederzukommen." Von einigen Seiten sei auch schon der Wunsch an ihn herangetragen worden, das Event zu vergrößern und das Konzept beizubehalten: "Gerade die Vielfalt ist das besondere. Das habe ich auch im Feedback erlebt. Das es sehr, sehr euphorisierend war." Eine gute Grundlage - befindet auch der Veranstalter selbst: "Ich glaube, das ist nach dem ersten Mal eine gute Ausgangslage."

Positives Feedback als gute Ausgangslage

Auf dieser dürfte die Gamevention 2023 ebenfalls ein "guter Move" werden und dabei die Kinderkrankheiten des Debüts hinter sich lassen. Als Fazit bleibt zu ziehen: Welling und sein Team haben viele spannende Ansätze zu einer abwechslungsreichen Veranstaltung vereint. Vom 30. Juni bis 2. Juli soll das Gaming-Festival nächstes Jahr stattfinden.

Oliver Welling ist auf jeden Fall optimistisch: "Es hat so viel Spaß gemacht, nach zweieinhalb Jahren endlich wieder Events machen zu können. Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr. Wir haben gelernt, wir kriegen Feedback. Ich glaube, das nächste Jahr wird viel spannender!" 

Matti Jansen

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