Bundesliga

Gänsehaut bei Ukraine-Coach Petrakov: "Vielen Dank für die tolle Atmosphäre"

Mönchengladbach und die Ukraine setzen ein Zeichen des Miteinanders

Gänsehaut bei Ukraine-Coach Petrakov: "Vielen Dank für die tolle Atmosphäre"

Der ukrainische Nationalcoach Oleksandr Petrakov während des Benefizspiels in Gladbach.

Der ukrainische Nationalcoach Oleksandr Petrakov während des Benefizspiels in Gladbach. picture alliance / Fotostand

Wichtiger als der Endstand der Begegnung (1:2) war deshalb auch ein anderes Ergebnis: Über 600.000 Euro an Spenden konnten gesammelt werden.

Auf den Rängen sorgten die insgesamt 20.223 Besucher, viele aus der Ukraine, mit einem blau-gelben Fahnenmeer schon vor dem Anpfiff für eine großartige Atmosphäre und stimmten sich mit "Ukraina"-Sprechchören auf die Begegnung ein, während mit einem riesigen Banner im Mittelkreis die Botschaft des Abends ausgesendet wurde: "Stop War".

Klitschko bedankt sich per Video-Botschaft

"Hallo Borussia-Park, ich spreche zu euch aus Kiew", meldete sich Wladimir Klitschko per Video-Botschaft: "Wir werden nicht aufgeben, unser Leben in Freiheit zu verteidigen. Wir danken euch allen für eure großartige Hilfe. Ich bin eigentlich ein sehr ehrgeiziger Mensch und liebe den Wettbewerb. Aber heute kann ich keine Partei ergreifen, denn beide Mannschaften spielen für uns", sagte der frühere Box-Weltmeister.

Als "ein wichtiges Zeichen der Solidarität" hatte VfL-Trainer Adi Hütter die Zusage für das kurzfristig angefragte Benefizspiel bezeichnet - und brachte während der 90 Minuten seine erste Reihe um Yann Sommer, Jonas Hofmann, Lars Stindl und Co. auf den Platz. Auch vor dem Hintergrund, dass sich die ukrainische Nationalmannschaft zurzeit auf das WM-Play-off-Halbfinale in Schottland am 1. Juni vorbereitet und die Begegnung für die Gäste daher sportlichen Wert besaß. Das Spiel gegen die Borussia war für die Ukrainer das erste seit Ausbruch des Krieges in ihrer Heimat; das Team von Trainer Oleksandr Petrakov braucht Spielpraxis. "Wir wollen eine gute Leistung zeigen und ein würdiger Gegner für die ukrainische Nationalmannschaft sein", so Hütters Ansage vor dem Anpfiff. Und die Fohlen hielten Wort: Auch die Borussia trug mit Engagement und Offensivfreude ihren Teil zu dem unterhaltsamen Spiel bei.

Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten und genossen sichtlich den flotten Auftritt beider Mannschaften. Bei jedem Angriff ging das Publikum stimmungsvoll mit. Jeder Treffer wurde im Stadionrund mit ohrenbetäubendem Jubel gefeiert - egal, für welches Team. Der beeindruckende Abend stand im Zeichen des Miteinander, der Freundschaft und für ganz besondere Emotionen. Als die ukrainische Künstlerin Kristina Solovej vor dem Spiel die ukrainische Nationalhymne vortrug, standen vielen Zuschauern, nicht nur aus der Ukraine, die Tränen in den Augen. Auch für Petrakov ein ganz spezieller und sehr bewegender Moment. "Auch ich hatte bei der Nationalhymne Tränen in den Augen", sagte der Coach der Ukraine. "Es war für uns alle sehr emotional. Wir standen mit Gänsehaut an der Linie. Vielen Dank für die tolle Atmosphäre an diesem Abend."

Das Spiel wurde live in die Ukraine übertragen. In Deutschland war ProSieben mit einem über dreistündigen Programm am Ball. Dank der Live-Übertragung, der Spenden der TV-Zuschauer und der guten Zuschauerresonanz konnten über 600.000 Euro an Spenden gesammelt werden. Borussia hatte über die eigene Stiftung in den vergangenen Wochen bereits 180.000 Euro gesammelt und zum Teil schon gespendet. Das Geld an hilfsbedürftige Menschen aus bzw. in der Ukraine. Jan Lustig

Jan Lustig