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Fußballer des Jahres: Alaba, Zlatan und die "Lex Pelé"

Kann es nur einen geben?

Fußballer des Jahres: Alaba, Zlatan und die "Lex Pelé"

David Alaba - im österreichischen Fußball eine Klasse für sich.

David Alaba - im österreichischen Fußball eine Klasse für sich. GEPA pictures

Angefangen hat David Alaba mit seiner APA-Trophäen-Sammlung im Jahr 2011, da war er gerade mal 19 und hat sich nach seiner Hoffenheim-Leihe bei den Bayern etabliert. Seither lässt der einzige Weltklasse-Spieler Österreichs nicht nur die aktuelle Spielergeneration alt aussehen, sondern auch die früheren Rekordgewinner.

Gegen seine nehmen sich mittlerweile sogar die vier Auszeichungen von Ivica Vastic und die drei von Herbert Prohaska höchst bescheiden aus. Wobei zur Ehrenrettung des "ÖFB-Jahrhundert-Fußballers" (die Rede ist vom 20. Jahrhundert) Prohaska angemerkt sei, dass die APA-Wahl erst 1984 eingeführt wurde, als sich seine Karriere bereits dem Ende zuneigte. Bis dahin hätte er sich schon noch den einen oder anderen Wahlsieg verdient gehabt.

"Nicht immer den Alaba"

David Alaba wiederum hätte man den Pokal mit dem gleichen Recht, mit dem man ihm diesen im einen oder anderen Jahr davor zugesprochen hatte, auch noch 2017, 2018 und 2019 überreichen können. In diesen Jahren gewannen Marcel Sabitzer, Marko Arnautovic beziehungsweise Erling Haaland wohl auch deshalb, weil man ja "nicht dauernd den Alaba" wählen kann.

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Wobei eine Nachschärfung der Regeln nicht schaden könnte: Während der Teamkapitän von sieben Coaches auf Platz eins und von drei auf Platz zwei gesetzt wurde, beschränkten sich Christian Heinle (Ried) und Andreas Wieland (LASK) und ließen Alaba außen vor. Sie beschränkten sich darauf, was sie jede Woche sehen und deshalb beurteilen können - auf Spieler der heimischen Bundesliga.

Dominatoren in Europa

Das Problem, dass allzu große Dominanz irgendwann zu Langeweile führt, hat allerdings nicht nur Österreich. Luka Modric (Kroatien), Petr Cech (Tschechien), Sami Hyypiä (Finnland) und Robert Lewandowski (Polen) wurden in ihren Ländern sogar schon neun Mal als "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet, Gylfi Sigurdsson (Island) und Henrik Mkhytarian (Armenien) zehn Mal. Eine wahre Familienangelegenheit waren die Fußballer-Wahlen zwischen 1985 und 2000 in Rumänien. In dieser Zeit gewann Gheorghe Hagi den Preis für den besten Fußballer des Landes sieben Mal und sein Schwager Gheorghe Popescu sechs Mal (vier Mal davon vor Hagi).

Wozu es in Rumänien zwei Spieler brauchte, könnte in Schweden bald einer geschafft haben: Zlatan Ibrahimovic hat den "Guldbollen" (den Goldenen Ball) bereits zwölf Mal gewonnen - 2005, dann zwischen 2007 und 2016 zehn Mal in Serie und zuletzt nach dreijähriger Pause wieder 2020. "Ich bin jetzt 39 Jahre alt und habe den Guldbollen gewonnen. Ich plane, ihn auch noch mit 50 zu gewinnen", versprach er damals - typisch Zlatan - in seiner Dankesrede. Zumindest mit 40 könnte es sich für den Milan-Star noch einmal ausgehen. Als er vor wenigen Wochen gefragt wurde, wer denn den Preis diesmal gewinnen könnte, zählte er zunächst brav einige Nationalteamkollegen auf. "Isak, Forsberg, Lindelöf - sie hätten es alle verdient. Aber am Ende gewinne ja doch wieder ich."

Die brasilianische Lösung

Ob Zlatans Kollegen darüber noch lachen können? Während er auf seinen 13. "Guldbollen" hofft, hat die seit 1946 vergebene Auszeichnung kein anderer Spieler öfter als zwei Mal gewonnen. Angesichts seines Alters zahlt sich die Einführung einer "Lex Pelé" nicht mehr aus. In Österreich könnte man darüber nachdenken.

Weil ohnehin jeder wusste, dass "O Rei" der Beste war, bekam der Brasilianer den seit 1970 von der Fußball-Zeitschrift "Placar" vergebenen Preis für den besten Fußballer des Landes im ersten Jahr "hors concours" - also ohne Wahl und stand danach außerhalb des Wettbewerbs. Es ging also von vornherein nur um Platz zwei. Vielleicht erhalten die Gewinner deshalb bis heute nur einen "Bola de Prata", einen Silberball.

Horst Hötsch