Bundesliga

Fußball im TV: Die große Verunsicherung

Wann läuft wo Fußball im TV? Und was kostet es?

Fußball im TV: Die große Verunsicherung

Eine TV-Kamera im Dortmunder Stadion.

Eine TV-Kamera im Dortmunder Stadion. picture alliance

Die Moderatoren des Morgenmagazin von ARD und ZDF brachten vergangene Woche ihr Bedauern zum Ausdruck: "Die Tore können wir Ihnen aus Rechtegründen leider nicht mehr zeigen." Vom Montagabendspiel der 2. Liga Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Braunschweig (2:2) wurde lediglich das Ergebnis eingeblendet. Blickpunkt Sport, eine Kultsendung im 3. Programm des Bayerischen Rundfunks, wird vorverlegt vom Montagabend auf den Sonntagabend. Der Grund: Die ARD darf am Montag keine Bewegtbilder der Spiele des vorangegangenen Wochenendes in der Bundesliga und in der 2. Liga mehr senden. Der Supercup am Samstag wurde vom ZDF (bisher ARD) und im Pay-Bereich via "Eurosport Player" (bisher Sky) ausgestrahlt.

Diese drei Beispiele sind noch die geringsten Veränderungen in der neuen Fußball-Fernsehlandschaft, die aus dem neuen Fernsehvertrag resultieren. Elf Tage vor dem Saisonstart herrscht große Verunsicherung unter den Fußballanhängern. Wo ist was und zu welchem Preis zu sehen?, fragen sie sich. "Neue Saison. Neue Spielregeln" wirbt Eurosport mit dem Zusatz: "Die Bundesliga nicht mehr nur bei Sky, sondern jetzt mit exklusiven Live-Spielen auch im Eurosport Player." Trotz großer Werbekampagnen braucht es Zeit, bis jeder Fan verinnerlicht hat, wo er die Bundesligaspiele live sehen kann. Die geringfügigen Veränderungen am Spielplan mit insgesamt fünf Spielen am Sonntag schon um 13.30 Uhr und am Montag um 20.30 Uhr sind dagegen eine leichte Übung.

Noch immer herrscht Bewegung auf dem Fernsehmarkt

Und noch immer herrscht Bewegung auf dem Fernsehmarkt. Durchaus denkbar, dass der aktuelle Poker hinter den Kulissen zwischen Eurosport auf der einen Seite sowie Sky, Vodafone, Telekom und anderen Anbietern noch bis zum 4. oder 5. Spieltag währen wird. Dabei geht es vor allem um die Senderechte der 30 Spiele am Freitagabend und der jeweils fünf Spiele am Sonntag um 13.30 Uhr und am Montagabend, die von Eurosport ausgestrahlt werden. Sky ist zudem stark daran interessiert, auch mit dem Slogan der preisgekrönten Sendung "Alle Spiele, alle Tore" weiter werben zu dürfen. Per einstweiliger Verfügung hat das der Eurosport-Mutterkonzern Discovery Anfang Juli dem Münchner Sender untersagt.

4,64 Milliarden Euro hat die DFL bei der nationalen Vergabe der Übertragungsrechte für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 erlöst. Sky zahlt davon 3,504 Milliarden Euro und ist mithin weiter der größte Geldgeber der Liga. Für diese Rekordsumme erwarb Sky die Übertragungsrechte für 266 Bundesligaspiele und überträgt erstmals alle Spiele der 2. Liga live.

Kartellamt: Ein Unternehmen darf nicht alle Live-Rechte exklusiv erwerben

Wer mischt bei den TV-Rechten mit?

  • ARD
  • ZDF
  • Eurosport
  • Sky
  • DAZN
  • RTL Nitro

Doch wegen der 40 von Eurosport erworbenen Übertragungen von Bundesligaspielen hat Sky ein Problem mit einem Teil seiner über 4,8 Millionen Abonnenten und kämpft deshalb darum, die von Eurosport erworbenen Spiele über seine Plattform ausstrahlen zu dürfen. Auslöser für die große Verunsicherung auf dem Bundesliga-Fernsehmarkt war das Bundeskartellamt. Die Auflagen der Bonner Behörde, so ein DFL-Sprecher, sahen bei der Vergabe der nationalen Medienrechte im Juni 2016 vor, dass ein Unternehmen nicht alle Live-Rechte exklusiv erwerben darf. Angesichts dieser sogenannten No-Single-Buyer-Rule war es unvermeidbar, dass die Rechte an mindestens zwei Anbieter gehen würden. Vor diesem Hintergrund ist es folgerichtig, dass beide aktuellen Live-Rechte-Inhaber miteinander, aber auch mit weiteren möglichen Partnern über die Verbreitung der erworbenen Inhalte sprechen. Nach derzeitigem Stand läuft die Bundesliga-Berichterstattung wie folgt:

Freitag

Eurosport über den "Eurosport Player" oder "Eurosport 2 HD Xtra" - einschließlich der jeweils fünf Spiele am Sonntag (13.30 Uhr) und der Spiele am Montag (20.30 Uhr) sowie Supercup und vier Relegationsspiele kostet das Jahresabonnement für den Player aktuell 29,99 Euro. Die Spiele sind im Netz über den Player oder per App im Smart-TV zu sehen. Über die Plattform "HD+" ist Empfang via Kabel oder Satellit garantiert; das Jahresabonnement kostet 70 Euro plus monatlich fünf Euro für die Bundesliga. Sky zeigt alle Spiele der 2. Liga live und ab 22.15 Uhr die Höhepunkte des Freitagsspiels.

Samstag

Sky zeigt alle Spiele der Bundesliga und der 2. Liga live und in der Konferenz. Die ARD-Sportschau (18.30 Uhr) und das ZDF-Sportstudio berichten zusammenfassend. Telekom-Kunden können die Sky-Konferenz und alle Spiele der 3. Liga sehen (9,90 Euro pro Monat für Entertain-Kunden, 14,95 für Festnetz- und Mobilkunden).

Sonntag

Sky überträgt alle Spiele um 15.30 und um 18 Uhr sowie alle Spiele der 2. Liga. Eurosport sendet die insgesamt fünf Spiele in dieser Saison um 13.30 Uhr; die ARD (ab 21.45 Uhr) die Zusammenfassung in ihren 3. Programmen. Sport1 bringt ab 9 Uhr die Zusammenfassung aller Spiele der 1. und 2. Liga. Das Streamingportal DAZN strahlt 40 Minuten nach Abpfiff die Highlights aller Spiele der Bundesliga und der 2. Liga aus. Zu empfangen über alle webfähigen Endgeräte. Kostenlos im ersten Monat, danach 9,99 Euro pro Monat.

Montag

Das Spiel der 2. Liga bei Sky, die in der neuen Saison insgesamt fünf Erstligaspiele bei Eurosport. RTL Nitro, ab sofort nur noch Nitro, sendet ab 22.15 Uhr bis Mitternacht die Zusammenfassung aller Spiele des Wochenendes in der Bundesliga und in der 2. Liga und im Free-TV die Erstverwertung (zusammenfassend) der fünf Spiele am Montagabend. Auch bei den Rundfunkübertragungen gibt es mit "Amazon Music" einen neuen Player neben den Sendern der ARD. Im Rahmen von "Amazon Prime Music" laufen die Übertragungen der Spiele, frühere Bundesligaspieler oder auch Harald Strutz, der vormalige Präsident von Mainz 05, sind als Experten dabei. Das Abo kostet 69 Euro pro Jahr (monatlich 8,99 Euro).

Rainer Franzke