Regionalliga

"Fünf Monate später war die zweite Million da": Soziale Netzwerke als Nebenverdienst

Amateurkicker auf Tiktok, Youtube und Co.

"Fünf Monate später war die zweite Million da": Soziale Netzwerke als Nebenverdienst

Auf dem Platz in der Regionalliga, im Netz erfolgreicher als viele Profis: Pascal Gurk (li.) und Nader El-Jindaoui.

Auf dem Platz in der Regionalliga, im Netz erfolgreicher als viele Profis: Pascal Gurk (li.) und Nader El-Jindaoui.

Viele Profifußballer aus den oberen Ligen posten auf den sozialen Netzwerken. Aber auch Kicker aus den unteren Klassen sind auf den Social-Media-Kanälen aktiv - teilweise auch erfolgreicher als die Profis. So beispielsweise die Brüder Pascal und Marcel Gurk. Pascal, der für den West-Regionalligisten VfB Homberg die Außenbahn beackert, und Marcel, seines Zeichens zweimaliger deutscher Meister im Freestyle, bedienen sich dabei der beliebten Videoplattform Tiktok, weil "Tiktok derzeit das Thema" sei, wie Pascal befindet. 

Insgesamt habe aber "Social Media bei jedem Fußballer einen Stellenwert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Das merkt man daran, wie oft die posten und was sie vom Privatleben preisgeben", sagt der 21-Jährige, der neben Fußball und Tiktok als Selbstständiger bei verschiedenen Firmen im Online-Marketing arbeitet. Dabei ist für die Brüder das Privatleben tabu: "Unser Content hat immer mit dem Ball zu tun. Was wir privat machen, da sind wir weniger der Fan von", erläutert Marcel, der aufgrund seiner teils artistischen Künste mit dem Ball gern für diverse Events gebucht wird - sei es beim Training mit der Nationalmannschaft oder für Werbeaufnahmen.

Spielersteckbrief El-Jindaoui
El-Jindaoui

El-Jindaoui Nader

Spielersteckbrief Gurk
Gurk

Gurk Pascal

Fünf Monate für zwei Millionen

Der Aufstieg der beiden war dabei rasant: "Die Million war das große Ziel. Ich dachte, das dauert fünf, sechs, sieben Jahre. Doch dann kam die Million relativ schnell", sagt Pascal und führt weiter aus: "Vier, fünf Monate später war die zweite Million da, jetzt stehen wir noch 50.000 vor der dritten Million. Das ist sehr beeindruckend, wenn man überlegt, wie viel Menschen das sind." Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke habe sich auch die Einnahmesituation stark verbessert, ergänzt Bruder Marcel, "so dass man davon ganz normal leben" könne.

Ich habe nun weniger Druck, weil ich finanziell nicht mehr abhängig bin vom Fußball.

Nader El-Jindaoui

Diese Möglichkeiten bestätigt ein weiterer Profiteur sozialer Netzwerke, Nader El-Jindaoui. Der derzeit führende Torschütze der Regionalliga Nordost hat mehr als eine Million Follower auf Instagram - etwa doppelt so viele wie Union-Profi Max Kruse - und liegt mit seinem Youtube-Kanal knapp darunter. Allerdings vollführt der 24-Jährige keine Fußball-Tricks, sondern bildet einen Teil des Lebens mit seiner Frau Louisa auf Youtube ab, was ein einträgliches Geschäft ist. "Ich habe nun weniger Druck, weil ich finanziell nicht mehr abhängig bin vom Fußball", sagte der Stürmer.

Pandemie begünstigt Vermarktung

"Man merkt, dass Social-Media-Kanäle eine enorme Bedeutung im Sport bekommen haben", sagt Christoph Bertling, stellvertretender Leiter des Instituts für Kommunikation- und Medienforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, "in der Zeit der Pandemie haben diese Kanäle noch einmal an Wichtigkeit zugenommen." Jedoch handle es sich um einen umkämpften Markt: "The Winner takes it all", verordnet Bertling die jeweiligen Geschäftsmodelle, "ganz viele verdienen damit nichts wegen zu geringer Reichweite. Zudem gibt es im Internet eine strategische Infrastruktur. Und da gibt es nur wenige Profis, die diese Infrastruktur bedienen." Das Feld der Anbieter ist zwar breit gefächert, hat laut Bertling aber die Gemeinsamkeit, "das Bild, das die Sportler von ihrer Sportart haben, zu vermitteln. Es ist eine Perspektive im Eigeninteresse - es ist eine Art Vermarktung."

Doch nicht nur Fußballer leben öffentlich und nutzen diese Möglichkeit der Vermarktung. Auch Güney Artak ist auf Instagram aktiv, wenn auch nicht ganz so erfolgreich. Der Schiedsrichter aus Hannover postet vor allem Etappen seiner Karriere als Kickboxer. Damit ist eine Monetarisierung nicht unbedingt gegeben, doch der 32 Jahre alte Weltmeister im Schwergewicht verschafft sich schon vor den Problemspielen, die der auch "Schlachter" genannte Artak gerne übernimmt, viel Respekt.

dpa/kon

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