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Frohms: "Cool, als Vorbild und Beispiel zu dienen"

"Heimspiel" für Torhüterin in Braunschweig

Frohms: "Cool, als Vorbild und Beispiel zu dienen"

Freut sich besonders auf das Spiel am Freitag: Merle Frohms.

Freut sich besonders auf das Spiel am Freitag: Merle Frohms. imago images/Fotografie73

Die Familie hat beträchtlichen Anteil daran, dass sie heute das ist, was sie ist. "Wir hatten einen großen Garten mit einem Schaukelgerüst, das als Tor diente. Und ich musste mich ins Tor stellen, weil mein Bruder schon im Verein spielte und zu Hause üben wollte", erzählt Merle Frohms von den Anfängen einer großen Karriere. "Ich hatte nie eine Chance gegen ihn, weil er drei Jahre älter ist. Und irgendwann hatte ich keinen Bock mehr, mich immer abschießen zu lassen, wollte Fußball vernünftig lernen, um auch mal im Garten gegen meinen Bruder zu gewinnen." Mit ihm ging es in den ersten Jahren zur Jungenmannschaft von Fortuna Celle, und das mitunter in besonderem Outfit. "Mein erstes Torwart-Trikot war von Oliver Kahn", erinnert sich die heute 26-Jährige an ein Geschenk ihres Vaters.

Über die Stationen Wolfsburg und Freiburg "flog" Frohms inzwischen ins Bundesliga-Tor von Eintracht Frankfurt, absolvierte nach den diversen Juniorinnen-Auswahleinsätzen nunmehr schon 20 Länderspiele. In Braunschweig, nur rund 50 Kilometer weg von ihrer Heimatstadt Celle, erlebt sie nun erstmals beinahe ein "Heimspiel" im Trikot mit dem Adler auf der Brust.

Auf ihrem Weg nach oben hat die sympathische Topspielerin viele Bewunderinnen gefunden. Würde sie einem Mädchen raten, Fußball-Torhüterin zu werden? Klare Antwort: "Ich würde ihr dazu raten, weil es das Selbstbewusstsein enorm stärkt, sich durchzusetzen. Ich bekomme manchmal auch Anfragen dieser Art und finde es schon cool, als Vorbild und Beispiel zu dienen."

Frohms: "Es gibt sehr viel, für das man sich einsetzen kann"

Ihre Position im deutschen Tor möchte sie festigen und irgendwann auch noch einmal Champions League spielen. Und nach der Karriere? "Natürlich denke ich mal darüber nach, was später kommen kann. Und es wäre auch wichtig für mich, dann wieder in der Nähe meiner Familie zu sein und wieder mehr in Richtung Heimat zu gehen", verrät Frohms. "Klar möchte ich dem Fußball erhalten bleiben, als Trainerin oder im Management. Das kann ich mir schon vorstellen. Ich weiß noch nicht, ob das hauptberuflich sein wird." Aber gemerkt habe sie in den vergangenen Jahren, ganz viel verändern zu können, wenn man seine Stimme erhebt. "Und es gibt sehr viel, wofür man sich einsetzen kann, besonders für die nächsten Generationen, die sich dann nicht mehr mit Dingen herumschlagen müssen, wie wir es machen mussten."

Im großen kicker-Interview (Donnerstags-Printausgabe) spricht Nationaltorhüterin Merle Frohms über ihre Strategie, wie sie auch als oft wenig beschäftigte Torhüterin im deutschen Kasten immer mitten im Spielgeschehen bleibt. Sie gibt Auskunft über Ziele, die sie persönlich und mit ihrer Mannschaft in ihrer Karriere hat, und beantwortet die Frage, ob sie manchmal neidvoll davon träumt, ein Star im Männerfußball zu sein.

Michael Richter

FE:male #02 - Martina Voss-Tecklenburg
26. November 202101:05:09 Stunden

FE:male #02 - Martina Voss-Tecklenburg

Was der Männerfußball sich bei den Frauen abgucken kann und warum der DFB sich bemühen sollte eine Frau für das Amt des DFB-Präsidenten zu finden, darüber spricht die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit uns. Außerdem nimmt sie das Öffentlich-rechtliche Fernsehen in die Pflicht, offenbart ihre Leidenschaft, Gedichte zu schreiben, und erklärt, wie das Aufwachsen mit 7 Personen in einer Mietwohnung funktioniert. Mit Blick auf die EM 2022 in England erwartet sie, dass Rekorde gebrochen werden und der Frauenfußball im Mutterland des Fußballs stimmungsmäßig das Beste zeigen wird, was wir je gesehen haben.

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