3. Liga

Fritz-Walter-Nachlass unterm Hammer: DFB erklärt sich

Auktion wegen mangelnder Unterstützung der Erben

Fritz-Walter-Nachlass unterm Hammer: DFB erklärt sich

Fritz Walter

Bis heute unangefochtene Vereinsikone beim 1. FC Kaiserslautern: Der 2002 verstorbene Fritz Walter. imago

Ab 14 Uhr kommen am 16. Februar Walters Memorabilien in Heidelberg unter den Hammer. Im Stadtteil Wieblingen steht das Auktionshaus "Kunst und Kuriosa" und freut sich auf einen Höhepunkt in seiner über 30-jährigen Geschichte. Denn der Nachlass der Fußball-Legende enthält neben vielen Alltagsgegenständen einige Prunkstücke: Eine Nachbildung des Pokals Jules Rimet - also die frühere Trophäe für den Fußball-Weltmeister - Walters Goldener Ehrenring des DFB, sein Silbernes Lorbeerblatt, sein FIFA-Verdienstorden - die höchste Auszeichnung des Weltverbandes - seine 54er-WM-Akkreditierung, die goldene Uhr, die alle Weltmeister von damals als Geschenk bekamen sowie die Ernennungsurkunde zum ersten Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Um all das und noch vieles mehr können sich Interessierte einen Bieter-Wettstreit liefern. 290 Positionen mit teilweise mehreren Gegenständen enthält der 36-seitige Katalog.

Viele Dinge haben einen geringen materiellen, dafür aber einen umso höheren ideellen Wert. "Die Versteigerung wird eine besondere Dynamik haben", sagte Mitinhaber Thomas Nörling im Gespräch mit der "Rheinpfalz" und erwartet trotz alter Koffer, Kleidung und eines alten Fernsehers einen Ausverkauf: "Es geht alles weg." Das Startgebot liegt jeweils bei 20 Euro, nach Voranmeldung können 150 Bieter live dabei sein.

1. FC Kaiserslautern - Vereinsdaten
1. FC Kaiserslautern

Gründungsdatum

02.06.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Auktion ist für viele Fans eine Tragödie

Was auf der einen Seite für Vorfreude sorgt, ruft vielerorts ein fassungsloses Kopfschütteln hervor. Besonders viele Fans des FCK, den der Ur-Lauterer Walter mit seinem Bruder Ottmar und den drei weiteren Pfälzer Weltmeistern Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und dem noch lebenden Horst Eckel 1951 und 1953 zur deutschen Meisterschaft geführt hat, sind empört. Nicht nur, weil aus ihrer Sicht zu allem Überfluss parallel zur Auktion das Drittliga-Derby der aktuellen Profimannschaft beim Karlsruher SC angepfiffen wird. Generell ist es für viele wahlweise eine Tragödie oder eine Schande, dass Fritz-Walters Nachlass überhaupt unter den Hammer kommt und somit in alle Ecken der Welt zerstreut werden könnte.

Durch die Aufregung gerieten die Erben Walters in die Kritik, die die Auktion veranlasst haben. Nach Walters Tod im Jahr 2002 wurde sein Haus in Enkenbach-Alsenborn bei Kaiserslautern mitsamt seinem Besitz und dem seiner bereits zuvor verstorbenen Frau Italia an Barbara und Bernd Lutzi vererbt, langjährige Wegbegleiter und Freunde, die das Ehepaar Walter am Ende auch gepflegt haben. Seit 2017 ist Sohn Marco Lutzi der bevollmächtigte Verwalter des Walter-Nachlasses und schildert in einer E-Mail an einen FCK-Fanklub, die das Online-Portal "Der Betze brennt" veröffentlicht hat, dass seine Eltern entgegen vieler finanzieller Unterstützungsversprechen aus Sport, Wirtschaft und Politik mit dem Erbe der Fußballlegende allein gelassen wurden.

Dass das Erbe von Fritz Walter von uns mit Füßen getreten wird, bestreiten wir ganz entschlossen

Marco Lutzi, Sohn der Erben

Die Lutzis betrieben ihrem Sohn zufolge in Eigenregie von 2005 bis 2017 ein Fritz-Walter-Museum in dessen früherem Wohnhaus und nahmen dafür Kredite auf, die ursprünglich wegen der zugesagten Unterstützung nur als Zwischenfinanzierung gedacht gewesen seien. Um seine Eltern von der finanziellen Last zu befreien, setzte sich Marco Lutzi nach eigenen Angaben im November 2017 mit dem FCK, dem DFB, dem Innenministerium, der Stadt, der Fritz-Walter-Stiftung und anderen Institutionen postalisch in Verbindung, musste jedoch feststellen: "Außer dem Bemühen des FCK war die Resonanz gleich null. Niemand zeigte Interesse, den Fritz-Walter-Nachlass weiter öffentlich zugänglich machen zu wollen." Marco Lutzi und seine Familie wählten die Auktion als Ausweg, er schreibt: "Dass hierbei finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, wollen wir gar nicht bestreiten. Aber dass das Erbe von Fritz Walter von uns mit Füßen getreten wird, bestreiten wir ganz entschlossen. Denn das eigentliche Erbe von Fritz und Italia war das Haus. Und dieses, so wollte es Fritz von unseren Eltern, sollte weiter bewohnt und bewirtschaftet werden, was auch nach wie vor so gemacht wird."

Sepp Herberger, Fritz Walter, Helmut Kohl

Fritz Walter (M.) an seinem 50. Geburtstag zwischen Sepp Herberger (li.) und Helmut Kohl. imago

Stellt sich die Frage, warum sich die genannten Organisationen nicht um Walters Nachlass bemühten. Dem Vernehmen nach wurde er in der Gesamtheit auf etwa 200.000 Euro geschätzt und zu diesem Preis angeboten. Warum griff etwa der DFB, anders als der in der 3. Liga um die eigene Existenz ringende FCK wirtschaftlich deutlich potenter aufgestellt, den Erben nicht unter die Arme und sicherte sich die Memorabilien, die ein großes Stück deutsche Fußballhistorie greifbar machen? Das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund oder die Fritz-Walter-Stiftung selbst müssten doch gute Verwendung dafür haben.

Fritz Walter genießt beim DFB "allerhöchste Wertschätzung"

Auf kicker-Nachfrage bezog der weltgrößte Sportfachverband nun Stellung dazu. Ein Sprecher erklärte: "Als Ehrenspielführer, Weltmeister von 1954 und Vorbild für ganze Fußballergenerationen genießt Fritz Walter beim DFB selbstverständlich auch heute noch allerhöchste Wertschätzung. Mit dem Nachlass aktuell konkret befasst sind die vom DFB, dem Land Rheinland-Pfalz und dem 1. FC Kaiserslautern getragene Fritz-Walter-Stiftung sowie das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund." Und wie genau darf man sich das vorstellen?

Sollten sich in der Sammlung Exponate befinden, die für unsere Ausstellung oder für zukünftige Sonderausstellungen Relevanz besitzen, wäre eine Anschaffung sehr interessant.

Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums

Manuel Neukirchner, der Direktor des Deutschen Fußballmuseums, wird mit seinem Statement nicht besonders viel konkreter: "Wir beschäftigen uns selbstverständlich mit den Objekten des Nachlasses von Fritz Walter. Sollten sich in der Sammlung Exponate befinden, die für unsere Ausstellung oder für zukünftige Sonderausstellungen Relevanz besitzen, wäre eine Anschaffung sehr interessant. Die wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit muss dabei aber natürlich gewahrt sein." In diesem Fall verweist der DFB im Gespräch mit dem kicker auch auf seine Gemeinnützigkeit, während er sich an vielen anderen Stellen nicht gerade den Ruf eines Sparfuchses erworben hat. Ob man nun ausgerechnet beim Nachlass von Fritz Walter knausern sollte, erscheint zumindest fraglich.

Die Stiftung der Sportikone steht nach eigenen Angaben seit Walters Tod in permanentem Kontakt mit den Erben, aktuell überlässt sie die Kommunikation jedoch dem FCK, wie ein Sprecher mitteilte: "Der Stiftung wurde bereits vor einigen Monaten mitgeteilt, dass die Erben beabsichtigen, den Nachlass teilweise zu veräußern. Da der 1. FC Kaiserslautern für sein Museum bereits mit den Erben diverse Vereinbarungen hatte und in aktuellen Gesprächen stand, wurde vereinbart, dass der FCK auch die Stiftung in diesen Gesprächen vertritt und die Gremien der Stiftung über die Ergebnisse der Gespräche auf dem Laufenden hält."

Sichern sich DFB und FCK doch noch einige Prunkstücke?

Man darf also gespannt sein, was bis zum 16. Februar und am Tag der Versteigerung selbst passiert. Wer werden die neuen Besitzer von Walters Memorabilien? Sichern sich der DFB oder der FCK mit Unterstützung möglicher Sponsoren doch noch einige Prunkstücke? Es würde den DFB jedenfalls nicht schmücken, wenn er zuließe, dass etwa die Urkunde seines ersten Ehrenspielführers in Privatbesitz überginge. Die Erben und das Auktionshaus können sich wohl auf eine stattliche Bieter-Konkurrenz freuen. Nörling geht schon jetzt davon aus, dass mehr als 200.000 Euro erlöst werden.

Carsten Schröter-Lorenz

WM-Held Fritz Walter