Bundesliga

Frimpong: "Ich habe Dinge gemacht, die du hier nicht machen kannst"

Leverkusens Rechtsverteidiger über Titel, Elftal und Startschwierigkeiten

Frimpong: "Ich habe Dinge gemacht, die du hier nicht machen kannst"

Überzeugt bislang bei Bayer Leverkusen: Jeremie Frimpong. 

Überzeugt bislang bei Bayer Leverkusen: Jeremie Frimpong.  picture alliance

Es läuft für Jeremie Frimpong. Auch am Mittwoch zum Abschluss der Einheit, als er gegen Nadiem Amiri, Moussa Diaby und Daley Sinkgraven das Spiel am Rebound Board gewinnt, bei dem Technik und Gewandtheit gefragt sind.

Der Triumph, den der kleine Niederländer mit erhobenen Armen feiert, ist nicht sein einziges persönliches Erfolgserlebnis in der jüngsten Zeit.  Am Sonntag hatte der 20-Jährige beim 3:1-Sieg in Leipzig sein erstes Bundesligator erzielt - nur kurz nach dem Anschlusstreffer der Gastgeber.

"Es war ein wichtiger Moment im Spiel gegen ein Top-Team", ordnet Frimpong am Mittwochmittag sein Premierentor ein, betont aber bei aller Freude: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns in dieser Saison." Der ihn und seine Kollegen zu einem großen Triumph führen soll.

"Natürlich ist das möglich", erklärt der Rechtsverteidiger, "Leverkusen ist ein großer Klub. Wir haben es verdient, um Titel zu spielen. Wir haben es verdient, Titel zu gewinnen. Mit dem Team, das wir haben, können wir Titel gewinnen. Sicher."

Frimpong und die Gier nach Titeln

Frimpong sagt dies mit voller Überzeugung, auch wenn der gutgelaunte Niederländer ein sonniges Gemüt besitzt. Ob es nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal denn leichter sei, in der Bundesliga oder in der Europa League zu triumphieren, beantwortet Frimpong so wie er spielt. Offensiv.

"Jeder Titel wäre gut. Ein Titel ist ein Titel. Beide zu gewinnen, wäre schön", sagt er und lacht, um sogleich unmissverständlich anzufügen, dass er es grundsätzlich ernst meint: "Wir wollen Dinge gewinnen. Wir spielen nicht nur um zu spielen. Wir wollen Titel."

Wir wollen Dinge gewinnen. Wir spielen nicht nur um zu spielen. Wir wollen Titel.

Jeremie Frimpong

Aus den Worten des kleinen Abwehrspielers spricht großes Selbstvertrauen. Dieses stellt er in dieser Saison eindrucksvoll zur Schau. Sein erstes halbes Jahr in der Bundesliga war nach seinem Transfer von Celtic Glasgow zu Bayer hingegen durchaus holprig verlaufen.

"Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich an die Liga gewöhnt habe. Ich kam vergangenen Saison im Januar. Für mich war das ein großer Schritt", erklärt der U-21-Nationalspieler, der ab dem siebten Lebensjahr in der Akademie von Manchester City ausgebildet wurde.

Nach Bundesliga-Wechsel: "Ich musste alles ändern"

Die Umstellung von der schottischen auf die deutsche Liga war gigantisch. "Der größte Unterscheid liegt darin, dass in der Bundesliga jedes Spiel schwierig ist. Du kannst hier auch gegen den Letzten spielen und sie liefern Dir ein gutes Spiel. Du kannst nie abschalten", beschreibt Frimpong seine Anpassungsprobleme, "wenn du dem Gegner hier eine Chance gibst, dann nutzt er sie auch direkt. Ich musste alles ändern."

Was vor allem daran lag, dass Celtic weit über den meisten anderen schottischen Teams thronte. "Bei Celtic hatten wir den Ball die ganze Zeit. Wir mussten nicht wirklich verteidigen. Nur wenn wir gegen die Glasgow Rangers, Hibernian oder Aberdeen gespielt haben", erklärt der angriffslustige Abwehrspieler.

Dieser fußballerische Kulturschock führte dazu, dass Frimpong anfangs schnell an Grenzen stieß, was Zweikampfverhalten und vor allem Stellungsspiel betrifft. "Ich habe Dinge gemacht, mit denen ich bei Celtic noch davongekommen bin. Aber in Deutschland spielst du natürlich gegen viel bessere Gegenspieler. Das waren Dinge, die du hier nicht machen kannst", weiß er heute.

Doch Frimpong zog die richtigen Schlüsse: "Ich habe mich angepasst, habe die ganze Saison gelernt. Und ich lerne immer noch." Vor allem in der Defensive. Und das genauso rasend schnell, wie sich der Sprinter auf dem Platz bewegt.

Die Elftal und das richtige Timing

Mit seinem Antritt und seinem Topspeed ist er in der Liga längst gefürchtet. Zumal er meist mit dem ähnlich flinken Flügelstürmer Moussa Diaby ein Turbo-Pärchen auf der rechten Seite bildet. Vier Assists in der Liga und zwei weitere in der Europa League zeugen von seiner Offensivstärke.

Diese Qualitäten sollen ihn irgendwann in die niederländische A-Nationalmannschaft bringen. Dass dies so kommt, davon ist Frimpong absolut überzeugt. "Ich glaube an Timing. Ich habe keine Eile", sagt er, "ich wusste, eines Tages würde ich für die U-18-Nationalmannschaft spielen, eines Tages für die U-21-Nationalmannschaft. Weil ich an meine Fähigkeiten glaube."

Folglich blickt er nur auf seine Leistung. "Ich muss zeigen, was ich kann. Ich muss mich beweisen", betont er und lässt keine Zweifel daran aufkommen, wohin ihn dies führen wird. "Wer auch immer für Leverkusen spielt", sagt Frimpong, "der wird auch für sein Nationalteam spielen."

Stephan von Nocks