2. Bundesliga

Werder - Friedl: "Ich wollte Vereinswechsel nie erzwingen"

23-Jähriger nach gescheitertem Wechsel

Friedl im Interview: "Ich wollte einen Vereinswechsel nie erzwingen"

"Ich wollte dem Verein nie in den Rücken fallen": Marco Friedl.

"Ich wollte dem Verein nie in den Rücken fallen": Marco Friedl. picture alliance/dpa

Herr Friedl, das Transferfenster ist zu, Sie stehen trotz Abwanderungsgedanken immer noch beim SV Werder Bremen unter Vertrag. Enttäuscht?

Nein, enttäuscht bin ich auf gar keinen Fall. Ich habe immer gesagt, wie wohl ich mich in diesem Verein fühle. Ich bin seit dreieinhalb Jahren hier, habe Werder viel zu verdanken.

Trotzdem wollten Sie den Verein verlassen.

Jeder Spieler hat das Ziel, so hoch wie möglich zu spielen. Deshalb habe ich mich schon mit einem Abgang beschäftigt, weil es die Möglichkeit dazu gab. Aber das heißt nicht, dass ich den Verein unbedingt verlassen wollte.

Woran ist der Wechsel zu Union Berlin gescheitert?

Die beiden Vereine konnten sich nicht einigen.

Gilt Ihr Werder-Verbleib nun für die gesamte Saison?

Im Fußball ist es immer schwierig, Aussagen zu treffen, die am Ende nicht so eingehalten werden können - da will ich mich nicht festlegen. Mit einem Wechsel beschäftige ich mich jetzt aber nicht mehr. Ich will mit der Mannschaft erfolgreich sein.

Würden Sie noch einmal so handeln wie am vergangenen Wochenende, als Sie Ihren Einsatz für die Partie gegen Hansa Rostock versagten?

Im Nachhinein würde ich es sicher anders machen. Der Zeitpunkt meines Entschlusses, einen Tag vor dem Spiel, war unglücklich. Dass ich die Vorbereitung damit durcheinandergebracht habe, war nicht meine Absicht. Aber die Entscheidung hatte ganz klar nichts mit einem Streik zu tun.

Mein Verhalten war in dieser Form allerdings auch nicht korrekt.

Marco Friedl

Sondern?

Es ging am Samstag alles relativ schnell. Viele Faktoren haben dazu beigetragen, dass ich mit meinem Kopf eigentlich nur bei dem Angebot war: Was passiert mit mir? Werde ich wechseln? Und für einen Spitzensportler spielt der Kopf nun mal eine ganz entscheidende Rolle. Es ging mir darum, der Mannschaft nicht zu schaden. Wenn ich hinten einen Fehler gemacht und gewusst hätte, dass es daran liegt, nicht bei der Sache zu sein, wäre das falsch gewesen. Mein Verhalten war in dieser Form allerdings auch nicht korrekt.

Deutlich gefragt: Sie sehen darin mittlerweile einen Fehler?

Falls ich den Eindruck erweckt habe, nur deswegen nicht zu spielen, um wechseln zu wollen, muss ich sagen, dass es mir leid tut und ich das bedaure. Ich wollte dem Verein nie in den Rücken fallen, nach dem Motto: Jetzt muss ich streiken, um hier wegzukommen.

Als professioneller Fußballer, der dafür zudem hochbezahlt wird, hat man trotzdem Pflichten - mal abgesehen von der gesellschaftlichen Vorbildfunktion. War Ihnen das bei Ihrem Verhalten bewusst?

Ich muss zugeben, dass ich meine Entscheidung unabhängig davon getroffen habe, was andere davon halten würden. Insofern bin ich dieser Vorbildfunktion, gerade für jüngere Menschen, nicht gerecht geworden. Daraus muss ich lernen. Und dass man als Arbeitnehmer Pflichten einhalten muss, dem bin ich mir bewusst. Aber nochmal: Ich wollte einen Vereinswechsel nie erzwingen.

Sie haben Trainer Markus Anfang nach dem 3:0-Sieg gegen Rostock eine SMS geschrieben. Warum hielten Sie das trotz Ihres Fehlens plötzlich für angemessen?

Es gab überhaupt keinen Grund nicht zu gratulieren, das ist selbstverständlich.

Wie sind Sie mannschaftsintern mit der Situation umgegangen?

Wir saßen noch am Sonntagabend zusammen, da habe ich mich hingestellt und vor den Jungs gesprochen. Sie haben mich da auch verstanden und gesagt, dass es künftig keine Probleme geben wird.

Von den Verantwortlichen wurden Sie mit einer Strafe belegt.

Am Montag gab es noch Gespräche mit Frank Baumann, Clemens Fritz und auch dem Trainer. Natürlich haben sie mir deutlich gemacht, wie sie das Verhalten gesehen haben. Aber danach war es dann auch für alle gegessen. Sie wissen ja auch, wie ich als Mensch bin.

Es kann sein, dass es ein paar Pfiffe geben wird, aber dann möchte ich dafür sorgen, dass es sie nach dem Spiel gegen Hamburg nicht mehr gibt.

Marco Friedl

Mit welcher Reaktion von den Fans rechnen Sie?

Natürlich werde ich da unter besonderer Beobachtung stehen. Aber ich kann es jetzt nicht mehr rückgängig machen. Vielleicht ist es ganz gut, dass das nächste Heimspiel ja ein ganz besonderes ist…

…im Nordderby gegen den HSV.

Ich hoffe, dass ich mit Leistung das Vertrauen der Fans wieder zurückgewinnen kann. Ich will mich Woche für Woche beweisen, damit wir die Geschehnisse der letzten Tage hinter uns lassen können.

Könnten Sie mit etwaigen Pfiffen umgehen?

Natürlich. Ich habe die Entscheidung so getroffen und gewusst, dass das passieren könnte. Es kann sein, dass es ein paar Pfiffe geben wird, aber dann möchte ich dafür sorgen, dass es sie nach dem Spiel gegen Hamburg nicht mehr gibt.

Waren die zurückliegenden die turbulentesten Tage Ihrer noch jungen Karriere?

Ja. Klar gab es schon andere aufregende Tage, mit meinen ersten Einsätzen in der Champions League oder den ersten Spielen in der Bundesliga etwa. Aber auf diese Art und Weise habe ich noch nie so viel Trubel um meine Person erlebt.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe versucht, so wenig wie möglich in den Sozialen Medien aktiv zu sein und mich mit den verschiedenen Personen im Verein über die Situation auszutauschen.

Ist Ihr Verbleib in der 2. Liga ein Nachteil für Ihre Nationalmannschaftsambitionen?

Ich wurde diesmal zumindest nicht nominiert. Deswegen muss es jetzt mein Ziel sein, mit Werder wieder dahinzukommen. Indem ich mit der Mannschaft den Erfolg habe, der von uns erwartet wird.

Wie lauten diese Erwartungen denn?

Darüber werden wir intern nach der Länderspielpause sicher noch reden. Wir wissen jetzt, wie der Kader aussieht.

Auf welcher Position sehen Sie sich darin selbst?

Ich sehe mich grundsätzlich als Innenverteidiger. Ich habe aber kein Problem damit, als Linksverteidiger zu spielen, weil ich auch in der Nationalmannschaft auf dieser Position gesehen werde.

Und mit Werder mittelfristig auf Aufstiegskurs?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Natürlich will man als Absteiger wieder aufsteigen. Es ist vieles möglich.

Interview: Tim Lüddecke