Bundesliga

Freiburgs Angriff: Neues Niveau, aber personeller Engpass

Drei Säulen fallen aus - ein vierter Offensivspieler wackelt

Freiburgs Angriff: Neues Niveau, aber personeller Engpass

Er hat vor dem Wochenende Personalprobleme: Freiburgs Trainer Christian Streich.

Er hat vor dem Wochenende Personalprobleme: Freiburgs Trainer Christian Streich. imago images

Beim bitteren 1:2 in Gladbach zeigte das Streich-Team eine der besten Halbzeiten in einem Auswärtsspiel seit Jahren. Das lag vor allem am verblüffend guten, geradlinigen Angriffsspiel, das nach den Problemen der vorigen Wochen so nicht zu erwarten war. Bis zur Pause erspielten sich Roland Sallai, Ermedin Demirovic, Lucas Höler und Co. fünf gute Torchancen, verpassten nur durch ungenaue finale Zuspiele zwei weitere Hochkaräter. In den Kombinationen passten die Abläufe bestens, die Christian Streich nach dem 2:0 gegen Augsburg noch kritisiert hatte.

Was nicht passte, war die Chancenverwertung, letztlich der Hauptgrund für die Niederlage. Dennoch: Die SC-Profis setzten mit ihrem zielstrebigen Auftreten Richtung gegnerisches Tor in den ersten 45 Minuten einen neuen Maßstab. Streich will seine Spieler allerdings nicht daran messen. Eine solche Leistung sei gegen einen Gegner wie Gladbach nicht immer möglich, da wolle er seine Mannschaft nicht unter Druck setzen. Aber: "Sie sieht, was möglich ist, wenn sie es gut macht, wenn sie klare, einfache und richtige Bälle spielt und die dann auch vorne festmacht." Gerade in Sachen Passgenauigkeit und -schärfe sowie sinnvolles Kombinieren in Dreieckskonstellationen steigerten sich die SC-Profis enorm.

33 Scorerpunkte brechen auf einen Schlag weg

Neue Möglichkeiten also, die jedoch im nächsten Auswärtsspiel am Freitagabend in Bielefeld massiv eingeschränkt werden - durch verhindertes Personal. Der in Gladbach recht kurzfristig fehlende Vincenzo Grifo bleibt wegen seiner COVID-19-Infektion diese Woche noch in häuslicher Isolation und sowohl Demirovic als auch Höler haben in Gladbach ihre fünfte Gelbe Karte gesehen. Drei Offensivsäulen, die bisher zusammen für 33 Scorerpunkte gesorgt haben, brechen auf einen Schlag weg. Hinzu kommt: Die Einsatzfähigkeit von Woo-Yeong Jeong, der beim 2:0-Hinspielsieg gegen die Arminia sein erstes von inzwischen drei Saisontoren erzielte, ist fraglich. Der Südkoreaner war wegen eines Schlags aufs Knie in Gladbach ausgefallen.

Verbleibt einzig Sallai (sieben Tore, vier Vorlagen) als formstarke Konstante. Für den zuletzt ebenso wegen COVID-19 isolierten Nils Petersen, der nach sieben Hinrundentoren noch auf seinen ersten Rückrundentreffer wartet, dürfte es hingegen genauso eine Bewährungschance wie vermutlich für die bisher wenig eingesetzten Guus Til und Chang-Hoon Kwon sein. Als Alternative kommt der schnelle U-23-Stürmer Nishan Burkart hinzu, der in Gladbach sein Profidebüt feierte. Und auch Mittelfeldspieler Janik Haberer hat in den vergangenen Jahren mit seiner Lauf- und Pressingstärke schon öfter auf den Offensivpositionen ausgeholfen.

In Bielefeld werden die Räume deutlich kleiner sein

Streich muss improvisieren und auch der Rest der Mannschaft muss sich umstellen, denn: "In Bielefeld wird es ein ganz anderes Spiel", sagte der SC-Coach schon direkt nach der Gladbach-Partie. Der Abstiegskandidat wird sicher nicht so hoch stehen wie die Borussia am Samstagabend. Die Räume hinter der letzten Kette, die das SC-Team in Gladbach lange so gut bespielte, werden also deutlich kleiner sein.

Carsten Schröter-Lorenz

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