Europa League

Petersen: "Keiner hat Lust auf schlechte Laune vom Trainer"

Petersen und Co. seit neun Spielen ungeschlagen

Freiburg marschiert: "Keiner hat Lust auf schlechte Laune vom Trainer"

Nils Petersen holte mit Freiburg auch ohne Christian Streich drei Punkte gegen Nantes.

Nils Petersen holte mit Freiburg auch ohne Christian Streich drei Punkte gegen Nantes. IMAGO/Beautiful Sports

Als Freiburger Edeljoker weiß Nils Petersen, von was er spricht. In aller Regel hat er bis zu seinen Einwechselungen stets Christian Streich auf Hochtouren in seinem Blickfeld Richtung Rasen vor sich herumspringen. "Wir bekommen das auf der Bank ja direkt mit, wenn eine gewisse Aggression und Emotion dabei ist", erzählte der Angreifer.

Nicht so am Donnerstagabend. Zum einen, weil Streich bekanntermaßen Corona-erkrankt zuhause bleiben musste. Zum anderen, weil auch seine Co-Trainer Florian Bruns und Lars Voßler auf der Bank fehlten, die ebenfalls gerne mal das Gespräch mit dem vierten Offiziellen suchen würden, wie Petersen anmerkte. Und zu guter Letzt, weil Petersen schon nach knapp 20 Minuten die Rolle des Beobachters gegen einen Platz auf dem Rasen eintauschte und die ungewohnte Ruhe in der Coaching-Zone nur noch aus der Ferne mitbekam.

Michael Gregoritsch musste früher aufhören, als ihm lieb war. "Es hatte relativ frühzeitig einen Schlag abbekommen. Es ging es noch ein paar Minuten. Dann hat er aber eine unglückliche Bewegung gemacht, dann ist es reingezogen in den Muskel", berichtete Patrick Baier, der Streich gemeinsam mit Ex-Profi Julian Schuster an der Seitenlinie vertrat.

Sonderlob für Baier und Schuster

Beide verdienten sich ein von mehreren Beteiligten geäußertes Sonderlob. Petersen sprach ein "großes Kompliment" an alle aus, die dazu beigetragen hätten, das Fehlen von Streich auszugleichen. "Es ist nicht selbstverständlich, wenn so ein bisschen was flöten geht an Einwirkung aufs Spiel, an Infos und natürlich an Emotionen des Trainers. Das haben sie sensationell kompensiert."

Streich greift zweimal zum Hörer

Mittags habe der Trainer noch eine kleine digitale Ansprache an die Mannschaft gehalten. Zweimal habe er während der 90 Minuten dann zum Telefon gegriffen und Schuster angerufen, berichtete Baier kurz vor Mitternacht am Donnerstag. Die Zeitpunkte der Telefonate sind nicht bekannt, doch es liegt nahe, dass sie in den ersten 45 Minuten erfolgten. Da tat sich der Sport-Club etwas schwerer. Der FC Nantes verbarrikadierte sich vor dem eigenen Tor und stellte das Zentrum mit einer kompakten Fünferkette in der Defensive zu. Weil Freiburg zugleich etwas die Präzision fehlte, blieb es ein erfolgloses Anrennen. "Es war etwas einschläfernd, so viele Fehlpässe waren dabei. Sie haben uns etwas die Freude genommen, weil wir verwöhnt waren in letzter Zeit", gestand Petersen.

Die Abläufe automatisieren sich, das macht es für mich und uns einfacher und auch mehr Spaß.

Daniel-Kofi Kyereh

Doch die Breisgauer blieben geduldig. Schon kurz nach Wideranpfiff spiegelte sich der Qualitätsunterschied auch auf der Anzeigetafel wider. Daniel-Kofi Kyereh legte wenige Tage nach seinem ersten Treffer für die Freiburger gleich nach - und präsentierte diesmal seine sehnsüchtig erwarteten Akrobatikkünste. Gegen Mainz fehlte ihm für den Rückwärtssalto die Kraft, diesmal war der Zeitpunkt kurz nach der Pause scheinbar besser. Von Woche zu Woche findet sich der 26-Jährige immer besser zurecht. "Die Abläufe automatisieren sich, das macht es für mich und uns einfacher und auch mehr Spaß", betonte Kyereh. Als Vincenzo Grifo das 2:0 nachlegte, zeigte auch das Ergebnis die Überlegenheit einigermaßen. Kleine Nachlässigkeiten in den Schlussminuten, als Nantes erstmals gefährlich vors Tor kam, blieben unbestraft.

Die erste von vorrausichtlich zwei Aufgaben ohne den Chef an der Seitenlinie haben die Freiburger erfolgreich gemeistert. Bis zum Gastspiel bei Hertha BSC am Sonntag dürfte es eng werden mit einer Rückkehr. "Keiner hat Lust darauf, dass der Trainer in fünf Tagen wieder kommt und schlechte Laune hat. Da haben wir heute den Grundstein für gelegt. Da kann er beruhigt zu Hause bleiben und die Reise nach Berlin nicht mit antreten", sagte Petersen schmunzelnd. Ob mit oder ohne Trainer - ordentlich Selbstvertrauen nimmt der Tabellenzweite nach neun Pflichtspielen in Serie ohne Niederlage auf jeden Fall mit in die Hauptstadt. Trotz der engen Taktung in den kommenden Wochen müsse man das auch genießen, betonte Petersen. Aktuell habe man einen Lauf, den man so lange wie möglich aufrechterhalten müsse. Denn der Routinier weiß: "Es wird auch mal wieder ein Negativerlebnis kommen. Dann ist die Frage, wie wir darauf reagieren." In Berlin sollten sie das aber tunlichst vermeiden. Der guten Laune des Trainers wegen.

Moritz Kreilinger