kicker

Frauen und Männer getrennt - Muss das sein?

eSport-Moderatorin über Frauenturniere

Frauen und Männer getrennt - Muss das sein?

Moderatorin Marta Casaca hat eine klare Meinung zu Geschlechtertrennung in eSport-Turnieren.

Moderatorin Marta Casaca hat eine klare Meinung zu Geschlechtertrennung in eSport-Turnieren. kicker eSport

Marta Casaca, 27 Jahre, ist eSport-Host. Die gebürtige Portugiesin hat schon den lokalen League of Legends Ableger moderiert und stand zuletzt für Pro Evolution Soccer vor der Kamera. Sowohl die Regionals in Porto, als auch die Weltmeisterschaft in London präsentierte sie.

Casaca ist schon seit vielen Jahren im eSport unterwegs, spielte selbst, war Cosplayerin und arbeitete als Reporterin und Moderatorin. Zu der immer wieder aufflammenden Diskussion um Frauen im eSport hat sie eine klare Meinung. Spielerinnen sehen sich häufig sexistischen Kommentaren und Herabwürdigung in eSport-Titeln ausgesetzt. Das sei etwas, dass man bekämpfen müsse, meint Casaca. Allerdings sei das nicht das einzige Problem: "Ich sehe das Frauen oft mit ihrer Rolle ringen und dass sie viel Aufmerksamkeit auf die negativen Seiten lenken."

Nur weil man eine Frau sei, würden die anderen nicht mit einem spielen wollen und wenn man mit Männern arbeite, fühlten sie sich dauerhaft wegen ihres Aussehens belästigt. "Dagegen muss man durchaus vorgehen. Aber jeder sollte seinen eigenen Platz finden und nicht in zum Beispiel in reine Frauenturniere flüchten oder in all diese Events, die sich nur um Frauen drehen." Zwar sei das auch ein wichtiger Teil, aber: "So etwas vergrößert nur die Kluft. Wenn man wirklich alles zusammenbringen will, dann sollte man solche Sachen nicht zu weit treiben."

Ein Grund für die Abgrenzung sind aber durchaus die Hasstiraden und sexistischen Anfeindungen in Videospielen. Jüngst schreckte die internationale Szene der Fall der 14-jährigen Smash-Spielerin 'Bocchi' auf, die bei einem Turnier einen Profispieler besiegte. Die Aufmerksamkeit war riesig und der danach einsetzende Shitstorm so überwältigend für die Jugendliche, dass sie sich aus den sozialen Medien zurückzog. Ihr Vergehen: Mit einem bis dato unpopulären Smash-Charakter hatte sie einen Profi besiegt.

Im männlich geprägten FIFA werden jugendliche Spieler wie 'F2Tekkz' und 'DullenMIKE' mit Lob und Anerkennung überhäuft, wenn sie die gestandenen eSportler ausschalten. Wenige Leute kämen auf die Idee, sie wegen einer außergewöhnlichen Leistung mit Sexismus zu überziehen. Gegen den Hass müsse vorgegangen werden, das ist auch für Casaca klar. Was allerdings die Abgrenzung und die Schaffung einer Parallelszene mit reinen Frauenturnieren betrifft, ist sie anderer Meinung:

"Du musst die Geschlechter mischen und es normal machen. Wenn du häufiger über etwas sprichst, ist es nicht mehr normal. Du lenkst Aufmerksamkeit darauf. Und genau das willst du nicht, denn nur wenn etwas keine Aufmerksamkeit bekommt, ist es normal."

Holm Kräusche