2. Bundesliga

Frantz: "Ich sah mich nicht als Stand-by-Profi"

Hannover: Routinier möchte mit 96 "gegen Widerstände kämpfen"

Frantz: "Ich sah mich nicht als Stand-by-Profi"

Mike Frantz

Möchte in der 2. Liga wieder mehr spielen: Hannovers Neuzugang Mike Frantz. imago images

...seinen schleichenden Abschied beim Sportclub: "Ich war in Freiburg an dem Punkt, entscheiden zu müssen, ob ich das so weitermachen will. Jeder weiß, dass ich sehr ehrgeizig bin, teilweise über den Punkt hinaus. Das letzte Jahr war nicht zufriedenstellend. Ich bin nicht davon ausgegangen, mich zu verändern, bis es dann einige Gespräche gab. Und es gab auch Gespräche mit anderen Klubs, meine Bundesliga-Minuten sind anscheinend nicht so schlecht gewesen. Es ist ja auch eine Kunst, auf den Platz zu kommen und sofort da zu sein. Das hat auch etwas mit Mentalität zu tun. Für mich ging es um die Frage: Wo kann ich jetzt noch etwas erreichen? Es war klar, etwas dort zu machen, wo man Ambitionen hat und wieder nach oben will. Ich bin in unruhigen Umfeldern groß geworden, hatte jetzt sechs Jahre absolute Ruhe. Wichtig war, dass auch meine Frau gewillt ist, es zu tun. Privat hatten wir eine schwierigere Zeit. Wir waren uns einig, dass wir etwas komplett Neues machen wollten."

...die mögliche Rolle als Stand-by-Spieler: "Ich habe in Freiburg noch sehr wichtige Spiele gemacht, insbesondere in der Vorrunde. Danach hat es sich in eine Richtung entwickelt, die mir persönlich nicht mehr so gefallen hat. Ich sah und sehe mich nicht als Stand-by-Profi. Das zeigen auch meine Fitnesswerte und jeder in Freiburg kann bestätigen, wie ich dort trainiert und gespielt habe. Wenn ich abgebaut hätte, hätte ich es akzeptiert. Aber ich habe es klar analysiert und da war für mich nicht das Gefühl, in einem Stand-by-Modus zu sein. Man muss wissen: Freiburg ist ein Ausbildungsverein, hat andere Merkmale als andere Vereine. Ich habe total akzeptiert, dass man jungen Spielern die Chance gibt, das war in Ordnung. Aber ich war noch zu fit für einen Stand-by-Modus."

Spielersteckbrief Frantz
Frantz

Frantz Mike

SC Freiburg - Vereinsdaten
SC Freiburg

Gründungsdatum

30.05.1904

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Hannover 96 - Vereinsdaten
Hannover 96

Gründungsdatum

12.04.1896

Vereinsfarben

Schwarz-Weiß-Grün

...eine Führungsrolle in Hannover: "Du kannst keinen Spieler zu einem Führungsspieler machen, er muss sich dazu entwickeln. Entscheidend ist es, auf dem Platz einzuschreiten, wenn es dort schwierig wird. Ich glaube, dass ich in den letzten sechs, sieben Jahren diese Rolle hatte. Fakt ist: es ist mein Naturell. Ich kann und möchte es nicht ablegen. Ich will Verantwortung und kann damit umgehen. Und ich freue mich, die jungen Spieler hier auf den Weg zu bringen. Das erwarte ich von mir und deshalb hat man mich genommen. Dabei kommt es mir nicht auf die Kapitänsbinde an. Von diesem Amt mache ich nichts abhängig."

...seinen neuen Trainer Kenan Kocak: "Der Trainer war auch ein Grund, weshalb ich nach Hannover gegangen bin. Ich kenne Kenans Werdegang schon ein paar Jahre. Ich komme aus Saarbrücken, er aus Mannheim - der Südwesten ist eng vernetzt. Er hat es geschafft, das schwierige Umfeld in Mannheim hinzubekommen und aus dem beschaulichen SV Sandhausen eine wirkliche Mannschaft zu formen. Ich habe schnell gemerkt, dass wir von dem Gedanken her, nur als Einheit etwas schaffen zu können, auf einer Wellenlänge liegen. Das war entscheidend. Wir hatten zwei Gespräche, da hat es sich alles ganz richtig angefühlt."

...seine Einschätzung zur 2. Liga: "Viele in der Liga rechnen sich Chancen aus. Wir haben eine gute Truppe und ein gutes Trainerteam. Wir haben den Anspruch an uns selbst, ziemlich weit oben zu spielen, dem müssen wir gerecht werden. Viele Mannschaften zeichnen sich durch Kompaktheit aus. Sie wollen defensiv gut stehen und über Konter zum Erfolg kommen. Die wenigsten wollen über Ballbesitz und Kombinationen zu Chancen kommen. Alle sind topfit, können sehr gut verteidigen und alle haben eine gute Qualität. Für uns muss das heißen, dass wir in allen Bereichen top sein müssen. Topfit und auch mit dem Ball sehr gut. Fußballerisch werden wir eine sehr gute Mannschaft haben, mit guten Einzelspielern, aber wir müssen auch genauso gut verteidigen können. Da haben wir viel Arbeit vor uns, es wird dauern und wir werden auch Lehrgeld bezahlen. Von uns wird in den meisten Fällen erwartet, dass wir als Favorit ins Spiel gehen. Ich freue mich, mit den anderen auf dem Platz zu stehen und dort sicher auch gegen einige Widerstände kämpfen zu müssen."

...das Wiedersehen mit alten Bekannten in der neuen Saison: "In Nürnberg bin ich trotz des Abstiegs damals immer noch gerne gesehen. Das ist ein Zeichen für mich, menschlich vieles richtig gemacht zu haben. Wenn man viel Zeit in einem Verein verbracht hat, in der Stadt viele Freunde gewonnen hat, wünscht man dem Verein nichts Schlechtes. Ich weiß, wie es ist, abzusteigen. Es gibt nicht viele Menschen, die damit klarkommen. Es sind Dinge, die in der Seele bleiben und dich nie wieder loslassen. Ich habe mich für die Nürnberger gefreut, habe aber auch mit den Ingolstädtern mitgefühlt, die sich auch sehr teuer verkauft haben."

...die Stadt und das Umfeld in Hannover: "Ich wurde sehr gut aufgenommen. Es fühlt sich nicht so an, als sei ich ein Neuzugang, sondern eher, als hätte ich nie etwas anderes getan. Ich bin sehr gut reingekommen, fühle mich gut und fit. Und ich kann auch nur Positives über die Stadt sagen. Der erste Eindruck ist sehr positiv und wird sich wohl auch nicht ändern. Die Strecke nach Freiburg ist alles andere als kurz, mit einem kleinen Sohn ist das nicht mehr so einfach. Nach dem Trainingslager wird meine Familie nachkommen. Ich hoffe, dass wir dann eine Wohnung gefunden haben werden und meine Frau, wovon ich ausgehe, auch den Umzug organisiert. Und dann sind wir komplett da."

Aufgezeichnet von Michael Richter

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