Bundesliga

Frankfurt: Befreiungsschlag oder das große Nervenflattern?

Warum Younes gegen Augsburg zum Schlüsselspieler werden könnte

Frankfurt: Befreiungsschlag oder das große Nervenflattern?

Frankfurts Amin Younes (re., gegen Valentino Lazaro) betrieb in Gladbach Eigenwerbung und könnte gegen Augsburg zum Schlüsselspieler werden.

Frankfurts Amin Younes (re., gegen Valentino Lazaro) betrieb in Gladbach Eigenwerbung und könnte gegen Augsburg zum Schlüsselspieler werden. picture alliance

Individuelle Fehler wie von Stefan Ilsanker vor dem 0:1 oder Kevin Trapp vor dem 0:2, zu wenig Aggressivität und in der Folge zu wenig Zugriff im Mittelfeld, kaum Tempo und Ideen, teils stümperhaftes Zweikampfverhalten der Verteidiger, über weite Strecken in der Luft hängende Stürmer - die Mängelliste nach dem 0:4 in Gladbach ist lang und ließe sich noch fortsetzen. Ausgerechnet auf der Zielgeraden, kurz vor dem Tor zur Königsklasse, zeigte die Mannschaft eine nicht bundesligareife Leistung. "Wir konnten über 90 Minuten nicht das zeigen, was wir imstande sind zu leisten", resümierte Trainer Adi Hütter.

Erwartungsgemäß wiesen Spieler wie Verantwortliche einen möglichen Zusammenhang zwischen Hütters am vergangenen Dienstag verkündetem Wechsel nach Gladbach und der desolaten Vorstellung im Borussia-Park weit von sich. Was hätten sie auch sagen sollen? Aus dem Mund eines Profis hätte sich alles andere wie ein Alibi angehört, und der Coach schießt sich logischerweise nicht selbst ins Knie.

Klar ist allerdings: Der Abgang des Erfolgstrainers sorgte für eine große Enttäuschung bei vielen Profis, das räumten nach dem Spiel auch Sebastian Rode ("sehr, sehr schade") und Trapp ("Wir sind alle enttäuscht") in Interviews bei "Sky" ein. Inwieweit dies die Leistung negativ beeinflusste, bleibt aber im hypothetischen Bereich. Die schlechte Performance könnte auch Zufall gewesen sein, belegen lässt sich weder das eine noch das andere.

Am Dienstag muss "eine Reaktion" folgen

Einig sind sich alle, dass am Dienstag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Augsburg "eine Reaktion" folgen muss. "Das Feuer, das uns sonst so stark macht, hat gefehlt. Jetzt müssen wir unbedingt wieder unser altes Gesicht zeigen", fordert Djibril Sow. Sollte die Eintracht allerdings auch die Partie gegen den FCA vergeigen, würde der Sturm über Frankfurt Orkanstärke annehmen. Die spannende Frage lautet: Behalten die Profis angesichts der wachsenden Unruhe und des Drucks in der Rolle des Gejagten die Nerven? Mit einem überzeugenden Sieg könnten sie den nächsten großen Schritt in Richtung Champions League machen und das Umfeld beruhigen. Die Partie gegen den Underdog aus Augsburg ist so gesehen auch eine große Chance.

Younes drängt als zweiter Zehner in die Startelf

Viel spricht dafür, dass Hütter seine Elf umbauen wird. Als Joker betrieb der zuletzt angeschlagene Amin Younes (Adduktorenprobleme) in Gladbach Eigenwerbung, der Zehner drängt zurück in die Elf. Nicht nur fußballerisch, vor allem auch mit seiner Kämpfermentalität und Erfahrung könnte Younes der Mannschaft enorm weiterhelfen. Naheliegend wäre es, zugunsten eines zweiten Zehners auf eine zweite Spitze (Jovic) zu verzichten. Augsburg wird der Eintracht wahrscheinlich häufig den Ball überlassen und auf schnelle Umschaltmomente setzen, umso wichtiger wären zwei spielstarke Anspielstationen im offensiven Mittelfeld (Younes, Kamada). Andernfalls könnte es dem Team schwerfallen, die Stürmer überhaupt gut in Szene zu setzen.

Auch Umbesetzungen in der Abwehr zu erwarten

Zu einer Umbesetzung könnte es auch in der Abwehr kommen. Martin Hinteregger droht nach seiner Faszienverletzung zwar weiterhin auszufallen, allerdings könnte Hasebe den in Gladbach schwachen Ilsanker verdrängen. Das Rätselraten war groß, wie Matthias Ginter beim 0:1 nach einer Ecke so frei zum Kopfball kommen konnte. "Wir haben eine klare Einteilung. Man muss einfach am Mann sein", monierte Hütter, nannte aber keinen Namen. Bei den vorangegangenen beiden Eckbällen orientierte sich Ilsanker zu Ginter, weshalb die Annahme naheliegt, dass er auch beim Gegentor zuständig war. Die Niederlage freilich lässt sich nicht an einzelnen Spielern festmachen, da im Grunde niemand seine Normalform erreichte. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass schon drei Tage nach dem Nackenschlag die Gelegenheit zur Wiedergutmachung besteht. Hütter betont: "Wir werden den Mund abputzen und am Dienstag wieder aufstehen, das ist unsere Pflicht."

Julian Franzke

Bilder zur Partie Bor. Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt