Champions League

Fortschritte beim Financial Fairplay und ein großes Aber

Zähes Ringen um unterschiedliche Interessenlagen

Fortschritte beim Financial Fairplay und ein großes Aber

"Wir müssen höhere Investments zulassen": UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

"Wir müssen höhere Investments zulassen": UEFA-Präsident Aleksander Ceferin imago images/Shutterstock

Die Bundesliga dürfte aufatmen - denn offenbar ist die vollständige Entgrenzung von Investorenzuschüssen, die in der Praxis das Aus für das Financial Fairplay (FFP) bedeutet hätte, vom Tisch. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem kicker vorliegen. Während der Erstvorschlag der FFP-Reform noch "unlimitierte Investoren-Zuwendungen" vorsah, sollen Verluste weiterhin limitiert respektive Investoren-Zuwendungen begrenzt bleiben. Dieser Stand wurde zumindest auf einer Versammlung der Großklubvereinigung ECA Ende der vergangenen Woche mitgeteilt.

Ein weiterer Aspekt: Eine eventuelle Gehaltsobergrenze, die sich an den Gesamteinnahmen der Klubs orientiert, soll nicht mehr wie noch vor Monaten geplant lediglich für die 25 Profis gelten, die Klubs für die UEFA-Wettbewerbe melden, sondern sieht den "Einbezug aller Spieler + Head Coaches" vor. Der Erstvorschlag hätte Umgehungstatbeständen Tür und Tor geöffnet. So hätten sich Vereine wie Paris St. Germain oder Manchester City, die aufgrund ihrer Eigentümer quasi über unbegrenzte Geldquellen verfügen, in letzter Konsequenz zwei Kader halten können: einen für die nationalen und einen weiteren für die internationalen Wettbewerbe, um mit Letzterem innerhalb einer Grenze von zum Beispiel 70 Prozent der Gesamteinnahmen zu bleiben.

Beraterhonorare sollen in den Kaderkosten berücksichtigt werden

Definitiv sollen künftig auch Beraterhonorare in den Kaderkosten Niederschlag finden. Eine konkrete Höhe der Obergrenze muss jedoch noch verhandelt werden, zudem die Frage, inwiefern die Finanzkontrollkommission der UEFA Transfererträge einbezieht. Entsprechend lautet auch die Einordnung im deutschen Markt, wo man von leichten Verbesserungen spricht, aber an Details noch stark zu arbeiten sei.

Es ist ein zähes Ringen um FFP 3.0. Speziell die großen Klubs aus Italien, aber auch Vereine mit Scheichs und Oligarchen im Hintergrund, nicht zuletzt PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi, der seit dem Super-League-Putsch der mächtigen ECA vorsitzt, lobbyieren für weichere Kriterien. Demgegenüber stehen die Bundesliga, die Premier League und La Liga - mit Ausnahme des FC Barcelona und von Real Madrid.

Gazidis-Worte offenbar falsch interpretiert

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte zuletzt gegenüber dem ZDF gesagt: "Wir müssen höhere Investments zulassen für alle Vereine in einem neuen, stabilen System. Denn wenn die Geldgeber nicht in den Fußball investieren, tun sie es woanders." Der Slowene kündigte zudem an, an die Spielergehälter zu gehen und Schulden für Klubs zu akzeptieren. Entsprechend lesen sich auch die weiteren Punkte des FFP-Neuvorschlags, wonach Verluste durch Investorenzuschüsse oder Eigenkapital ausgeglichen werden könnten. Entscheidend dürfte das Detail sein: Wie hoch darf dieses Minus ausfallen?

Auf dem jüngsten ECA-Meeting jedenfalls wurde heftig gerungen mit Blick auf die Reform. Dort soll Ivan Gazidis die Worte "willkürlich" und "undurchsichtig" gebraucht haben. Der CEO der AC Milan bezog sich dabei jedoch auf den Konsultationsprozess, offenbar interpretierten andere Sitzungsteilnehmer dies falsch. Er sei keineswegs für unlimitierte Investorenzuschüsse, sondern, ganz im Gegenteil, ein Verfechter eines engen wie klaren Finanzrahmens im europäischen Fußball. Es bleibt spannend.

Benni Hofmann

Vom Sportwetter bis zum Kronprinzen: Die Haupteigner der Premier League