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Ford: So elektrisch wird die Zukunft

Neue elektrische Crossover, elektrischer Puma, E-Transit

Ford: So elektrisch wird die Zukunft

Emissionsfrei ausliefern: Vollelektrischer Ford E-Transit.

Emissionsfrei ausliefern: Vollelektrischer Ford E-Transit. Hersteller

Christian Weingärtner bemüht einen Vergleich aus der Modebranche. "Wenn die europäischen Automobilhersteller Hugo Boss sind", sagt er, "dann könnten wir Tommy Hilfiger sein". So sehe man sich bei Ford aber nicht. Eher finde man sich bei North Face oder Patagonia wieder - Marken, deren Image das vermittle, wofür das "gute Amerika" stehe: Freiheit, und einen Touch Abenteuer.

Als geschäftsführender Direktor steht Weingärtner bei Ford dem Bereich Deutschland, Österreich und Schweiz vor. Seine Aufgabe ist es unter anderem, für den US-Hersteller eine eigene Rolle zu finden. "Wir sind der einzige verbliebene relevante amerikanische Hersteller auf europäischem Boden", sagt Weingärtner. Das ist denn auch die Karte, die man ausspielt, verbunden mit Hinweisen auf Ikonen wie den Sportwagen Mustang, den Geländewagen Bronco oder den Pick-up F-150.

Ford Mustang Mach 1

Aus der alten Welt: Ford Mustang Mach 1 mit 338 kW/460 PS starkem V8. Verkauft wird er ab 60.800 Euro.

Imageträger sind diese Modelle zweifellos, werden aber - sieht man einmal vom Mustang ab - überhaupt nicht in Deutschland verkauft und entsprechen bis auf den F-150 Lightning auch nicht dem, was die elektrische Zukunft verlangt.  Das müssen also andere richten. "Ab 2030 wird unser Pkw-Angebot nur noch aus rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen bestehen", kündigt Weingärtner an, und annonciert gleichzeitig, dass "elektrifizierte Varianten dann zwei Drittel unserer Nutzfahrzeug-Verkaufszahlen ausmachen". Kurzer Reminder: Elektrifiziert bedeutet nicht rein elektrisch, sondern umfasst auch Hybride und Plug-in-Hybride.

Einst Elektro-Pionier

Ford Mustang Mach-E

Ford Mustang Mach-E: Fährt ausschließlich mit Strom - und hat sich imageträchtig den Namen der Sportwagen-Ikone angeeignet. Hersteller

Mit dem von 2013 bis 2017 angebotenen Focus Electric durfte sich Ford einst sogar zu den E-Auto-Pionieren zählen; die modernen Vertreter im Segment heißen Mustang Mach-E und Mustang Mach-E GT, dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass der Name versucht, positive Assoziationen zur Sportwagen-Legende aus der alten Verbrennerwelt herzustellen. Ab 2023 läuft in Köln zusätzlich ein neuer vollelektrischer Medium-Crossover vom Band, ab 2024 außerdem ein Sport-Crossover. Im gleichen Jahr stößt aus dem rumänischen Craiova eine rein elektrische Version des Ford Puma hinzu.

Stecker für die "Nutzis"

Den Gegenpol zu den Pkws bilden die leichten Nutzfahrzeuge, die zunehmend auch mit Stecker ausgestattet werden. Wer Zweifel hegt, ob batterieelektrisches Fahren mit einem vergleichsweise schweren Transporter sinnstiftend ist, dem sei ein Blick aufs Modellprogramm der Konkurrenz empfohlen, wo beispielsweise Fiat E-Ducato, Mercedes eSprinter, Citroën e-Jumper, Opel Vivaro-e und Movano-e, Peugeot e-Expert , Toyota Proace oder VW e-Crafter bereits unter Strom stehen. Eine Mission ist es, den CO2-Flottenausstoß der Hersteller - und oft auch den der Fuhrparkbetreiber - zu senken. Und eine andere, Gewerbetreibenden wie Lieferdiensten oder Handwerkern lokal emissionsfreies Vorankommen im innerstädtischen Bereich zu ermöglichen und eventuelle Zufahrtsbeschränkungen zu umgehen.

Zudem verweist man bei Ford auf kostentechnische Vorteile und rechnet vor, dass der Aufwand für Wartung und Reparaturen um 40 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Diesel-Modellen ausfalle.

Elektrischer E-Transit

Ford E-Transit

Arbeiten im und mit dem E-Transit: Der große Zentralbildschirm listet beispielsweise Ladestationen auf. Hersteller

Fords Repräsentant unter den elektrischen "Nutzis" ist der neue elektrische E-Transit, angesiedelt im Zweitonnen-Nutzlastbereich. Sein Akku bietet 68 kWh nutzbarer Kapazität, das genügt nach WLTP-Norm für bis zu 317 Kilometer Reichweite. Zwei Leistungsstufen stehen zur Wahl, 135 kW/184 PS und 198 kW/269 PS. Alle Varianten erfahren Hinterradantrieb. Was der Kundschaft wohl besonders wichtig ist: Das Ladevolumen leidet nicht unter dem Platzbedarf der Batterie; der Kastenwagen bietet ein Volumen von 15,1 Kubikmetern, das entspricht dem maximalen Wert des aktuellen Diesel-Transits.

Steckdose für Laptop oder Werkzeug

Angebote wird der E-Transit als Kastenwagen mit Einzel- oder Doppelkabine sowie als Fahrgestell mit Einzelkabine, mit drei verschiedenen Radständen und in zwei Dachhöhen. Der Variantenreichtum umfasst insgesamt 25 Ausführungen. Neben dem Einstiegsmodell "Basis" mit Klimaanlage und beheizbarer Frontscheibe gibt es den "Trend", der dann unter anderem ein Navi mitbringt, das auch Ladestationen auflistet. Praktisches Detail für Handwerker: Die optionale 230-Volt-Onboard-Steckdose, an die sich an der Baustelle Werkzeuge anschließen lassen oder die zur Kühlung von Frachtgut genutzt werden kann. Und an Assistenzsystemen sind nebst Rückfahrkamera und Adaptivtempomat mit Verkehrsschilderkennung unter anderem auch ein Totwinkel-Assistent mit Spurwechselwarnung, ein Kreuzungsassistent und der sogenannten Pre-Collision-Assist mit Fußgängererkennung zu buchen. Die Preise beginnen bei 55.845 Euro netto beziehungsweise 66.456 Euro brutto.

Ford E-Transit

Beim Laden: Der E-Transit verfügt auch über eine Gleichstrom-Schnellladefunktion von bis zu 115 kW, in einer guten halben Stunde ist der Akku so von 15 auf 80 Prozent geladen.

Der E-Transit soll nur die Vorhut für weitere elektrische "Größen" sein. 2023 fahren die entsprechenden Varianten des im Ein-Tonnen-Nutzlast-Segment angesiedelten Transit Custom und der Großraumlimousine Tourneo Custom vor, 2024 folgen die vollelektrischen Ausführungen von Transit Courier und Tourneo Courier.

Die Werkstatt kommt zum Kunden

Der neu gegründete Geschäftsbereich "Ford Pro" verfolgt auch das Ziel, Gewerbekunden beim Wechsel in die Elektromobilität zu unterstützen. Man habe "ein Ökosystem gebaut", sagt Christian Weingärtner, die Fahrzeuge an sich ebenso gehören ebenso dazu wie die Beratung des Kunden, auch hinsichtlich der Ladeinfrastruktur auf dem Firmengelände oder Wallboxen für Mitarbeiter, und ferner Services wie Software, Finanzierung oder individuell gefertigte Umbauten. Von vielen Angeboten profitieren auch nicht-elektrisch gesonnene Kunden, beispielsweise von "Fleet Care", das deutschlandweit ausgebaut werden soll und mithilfe einer speziellen Software den technischen Zustand der Fahrzeuge im Blick behält und bei nötigen Wartungs- oder Reparaturbedarf den Fuhrparkbetreiber informiert. Oder vom mobilen Werkstatt-Fahrzeug, das direkt zum Kunden kommt und die anfallenden Arbeiten direkt vor Ort durchführt.

Ulla Ellmer