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Football Manager 23 Test: Großer Schritt vorwärts

Simulation durch und durch

Football Manager 23 im Test: Keine Revolution, aber ein großer Schritt vorwärts

Neues Jahr - neuer FM. Überzeugt der Jahrgang 2023?

Neues Jahr - neuer FM. Überzeugt der Jahrgang 2023? kicker eSport

Der diesjährige Football Manager steht im Zeichen der UEFA-Lizenzen. Ausgiebig wurde in der Community diskutiert, wie Sports Interactive (SI) damit umgeht - abgesehen von neuen Grafiken.

Andere Features sind da schon fast unter den Tisch gefallen, die aber teilweise sogar bedeutender sind. In unserem Test zum Football Manager 2023 erklären wir euch, warum, welche das sind und wie der neue Teil der Reihe abschneidet.

Mehr als nur ein Champions-League-Wappen auf dem Shirt

Ganz ohne Königsklasse wollen wir in diesem Test aber auch nicht auskommen. In London, bei Sports Interactive vor Ort, durften wir bereits einen Ersteindruck der Trainer- beziehungsweise Managersimulation gewinnen. Genaueres über die Head-Features rund um die UEFA-Vereinswettbewerbe erfahrt ihr hier

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Spezieller Anlass für eine spezielle Auslosung. Sports Interactive

Kurz zusammengefasst: Es wurde nicht nur einfach ein Logo auf ein Trikot geklatscht und das war's. Hymnen, eine spezielle Einlaufsequenz und Pokalauslosung lassen ein ganz besonderes Feeling vom Bildschirm ins heimische Wohnzimmer schwappen. Kleinigkeiten, wie der richtige Zeitpunkt der Hymne oder das Schütteln des gigantischen Wappens auf dem Anstoßkreis könnten noch mehr Stimmung erzeugen. Alles in allem geht Sports Interactive mit den Rechten liebevoll um - die Freude auf magische Europapokal-Abende steigt. Wer möglichst lange in den Genuss dieser Atmosphäre kommen möchte, muss möglicherweise seinen Kader aufpeppen. Früher war das mit einer Zettelwirtschaft verbunden.

Neuer Kaderplaner macht Notizblöcke überflüssig

Wer Transferideen hatte, konzipierte eine mit den Neuzugängen mögliche Formation auf Zetteln. Das führte schonmal zu Chaos auf dem Schreibtisch, ganz zu schweigen vom Aufwand. Abhilfe soll da der neue Kaderplaner schaffen. Ein Tool, bei dem ihr Spieler in einen Kader hinzufügen könnt - ohne, dass die Spieler etwas davon merken und besorgt sind, möglicherweise nicht mehr in der Startelf zu stehen. Ein Schattenkader sozusagen.

Ein weiterer Pluspunkt: Ein möglicher Blick in die Glaskugel. Das Tool verrät euch, wie sich Spieler in ein, zwei Saisons entwickeln. Hat das Talent bereits kommende Spielzeit die nötige Klasse für die Startelf, oder nicht? Dadurch lässt sich besser entscheiden, ob der Youngster besser ein Jahr ausgeliehen wird oder nicht. Zudem gibt es nun eine Aufgliederung über den Entwicklungsstand eurer Spieler - ist der Zenit erreicht oder geht noch was?

Football Manager 2023: Die Attribute der Top-Stars

Habt ihr keine konkreten Transferziele, könnt ihr die Scouts auf die Reise schicken. Mühselig und langwierig war das Prozedere. Waren die Suchparameter zu eng, ist der Scout möglicherweise mit einem blanken Papier zurückgekehrt - nach Wochen. Wer kurz vor Transferschluss erst den Scoutauftrag absendete, bekam möglicherweise am Deadline die wenig erfreuliche Nachricht.

Wasserstandsmeldungen verteilt der neue "Recruitment Focus". Diese erfolgen bereits nach wenigen Tagen. Ist das Notizheft des Scouts prall gefüllt, wird er weiter beobachten und selektieren. Ist das Heft aber nicht mal angerührt, könnt ihr frühzeitig die Parameter ändern. Ein dringend notwendiges Tool, dass gepaart mit dem Kaderplaner mehr Überblick verschafft und euch mehr Handlungsmöglichkeiten gibt.

Lieblingsspieler der Fans verkaufen? Eventuell nochmal überdenken

Nicht kaufen sondern verkaufen? Und dann auch noch einen Lieblingsspieler der Fans? Im neuen Football Manager ein Schritt, der nochmals durchdacht werden sollte. Denn künftig hat nicht nur der Vorstand Ziele an euch, sondern auch die Anhänger des Vereins. Verärgert ihr diese, könnte das im schlimmsten Fall den Job kosten. Paradebeispiele sind Klubs mit einflussreichen Fans wie Schalke 04.

FM 23 Fans 01 Ziele

Die Fans haben nun künftig ein Wörtchen mitzureden. Sports Interactive

Das bringt nicht nur eine neue Komponente in die Simulation, sondern auch deutlich mehr Leben und macht den FM noch realistischer, aber auch - im positiven Sinne - tükischer.

Mit mehr Defensiveinstellungen seine Taktik präzisieren

Damit Vorstand und Fans zufrieden sind, gilt es auf dem Platz eine entsprechende Leistung zu zeigen. Euer Werkzeug dazu: Die Taktik. Im Verhalten gegen den Ball gibt euch SI augenscheinlich kleinere neue Einstellungsmöglichkeiten an die Hand, die können aber viel bewirken. 

Grundsätzlich geht es um das Verhalten gegen den Ball. Während es früher nur hieß "Abseitsfalle - ja oder nein?", könnt ihr diese nun präzisieren. Sich absetzen oder die Linie halten? In der Kette eng stehende Außenverteidiger oder jene, die die Flanke bereits an ihrer Quelle verhindern?

Das ist insofern interessant, als es nicht nur Auswirkungen auf die Verteidigung, sondern auch auf den Angriff hat. Schon den Gegner bei der Hereingabe zu hindern, bringt neue Chancen für Umschaltmomente.

Klügere KI-Trainer machen den FM komplexer - neue Match-Engine ihn schöner

Diese gesteigerte Varianz kommt möglicherweise auch zur richtigen Zeit, denn: die KI-Trainer sind cleverer als früher. Wie sich diese im Detail verhalten, könnt ihr hier nachlesen. Grundsätzlich reagieren sie auf Spielszenarien, zum Beispiel Pokalfinale und auf euer Live-Coaching. Das macht einerseits dem Football Manager komplexer, für Taktik-Fanatiker aber umso interessanter. 

Wer sich im 3D-Modus das Verhalten seiner Spieler und des Gegners genau anschaut, wird feststellen: Die Abläufe sind flüssiger. Beispielsweise können die Kicker einen Ball nun mit der Brust annehmen und direkt als Pass weiterspielen. Waren diese Abläufe früher abgehackt, sind erfolgen die Aktionen nun in einem Bewegungsstrang.

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Football Mananger 2023: Die ersten Eindrücke im Video

alle Videos in der Übersicht

Das ist deutlich schöner anzuschauen, genauso wie die Paraden der Torhüter, die nun auch den Fuß zur Abwehr nutzen. Bugs, dass ein Torhüter einen Ball mit dem Fuß parieren will, wo eigentlich ein Hechtsprung nötig wäre, scheinen bereinigt. Dafür gibt es hin und wieder welche rund um die Abseitslinie. In knappen Entscheidungen ist diese manchmal nicht richtig kalibriert.

Mehr Realismus, aber auch etwas für Casuals?

Zusammengefasst geben die Features im Gesamtpaket dem FM23 mehr Individualität, Überblick und vereinfachen gewisse Prozesse. Wie schon beim Ersteindruck: Wer sich für die Aufgaben eines Trainers beziehungsweise Managers interessiert und etwas Zeit mitbringt, wird die Simulation lieben. Vorweggeschickt: Für Casuals, die nach Feierabend mit Freunden entspannt eine Runde spielen wollen, ist das definitiv nichts. Hier dürften Anstoss 2022 oder We are Football die geeigneteren Alternativen sein.

Auch für FM-Profi und Streamer Tery Whenett überzeugen die Neuerungen im Konstrukt: "Keines der Features wäre für sich genommen ein Kaufgrund - im Gesamtpaket macht die Serie jedoch wieder einen Schritt nach vorne." Am besten gefalle ihm das direkte Feedback der Scoutingfunktion und die neue Match-Engine, da sie auch Einfluss auf die Taktik nimmt. Durch neue Animationen entstehen nämlich auch neue Situationen.

Weiteres zum Football Manager 23

Kritik gibt es für die "stiefmütterliche Behandlung der Nationalmannschaften". Im FM in Jogi Löws Fußstapfen zu treten, ist kompliziert, da kein Kaderplaner, und macht wenig Spaß, da zum Beispiel kein Mannschaftsgefüge. Außerdem bleiben die Standardsituationen im Taktik-Bereich unangetastet.

Alles in allem überzeugt der FM 23, Release ist am 8. November auf PC, Xbox One, Xbox X|S sowie Nintendo Switch, iOS und Android. Das Debüt auf der PlayStation 5 wurde dagegen verschoben - noch steht nicht fest, wann auch auf Sonys Konsole der Anpfiff ertönt.

Sven Grunwald

FM 22 Release

Football Manager 2023: Ankündigungstrailer

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