2. Bundesliga

VfB Stuttgart - Förster im Interview: "Wir sind nicht der FC Bayern"

Der VfB-Profi über Ex-Trainer Walter, die Tabelle und seinen Bart

Förster im Interview: "Wir sind nun mal nicht der FC Bayern"

Neuer Look und alte Schwächen: Philipp Förster kämpft mit dem VfB Stuttgart gegen die Krise.

Neuer Look und alte Schwächen: Philipp Förster kämpft mit dem VfB Stuttgart gegen die Krise. picture alliance

Herr Förster, Eishockeyspieler lassen sich in den Play-offs gerne mal Bärte wachsen. Viele mit der Absicht, sich erst zu rasieren, wenn sie ihr Ziel, den Titel, erreicht haben. Wie muss man Ihren Schnauzbart deuten?

Bei mir war es eine spontane Entscheidung. Ich wollte einfach einen neuen Look ausprobieren. Dann hat mir ein Freund zu einem Schnauzer geraten. Das wäre derzeit angesagt.

Meint wer? Der Trend geht doch mehr zu Hipstern mit Vollbärten.

Joshua Kimmich, mit dem ich seit der Zeit in der VfB-Jugend befreundet bin. Mal sehen, wie lange ich den Bart überhaupt trage. Ich habe ihn schon gestutzt.

Was sagt Ihre Freundin dazu?

Aktuell bin ich Single. Allerdings habe ich erst vor Kurzem jemand kennengelernt, die den Bart nicht so berauschend findet... (lacht)

Nicht gerade berauschend ist auch die Saison des VfB.

Das muss man leider so sagen. Wir bekommen unsere PS nicht auf die Straße.

Auch in Karlsruhe nicht.

Das stimmt leider. Wir wollten den zweiten Platz unbedingt verteidigen, was uns nicht gelungen ist. Dazu kommt, dass ich weiß, was dieses Derby unseren Fans bedeutet. Deshalb schmerzt diese Niederlage doppelt.

Stuttgart droht mehr als nur den direkten Wiederaufstieg zu verspielen. Auch die Relegation scheint bedroht. Stimmen Sie zu oder ist das nur Panikmache?

Die Situation ist nicht so, wie wir uns das gewünscht haben. Da müssen wir auch gar nicht groß drumrumreden. Wir müssen in den nächsten Spielen wieder ein anderes Gesicht zeigen. Ich verstehe die Skepsis und natürlich auch die Kritik. Aber es wäre ja schlimm, wenn wir Spieler nicht mehr daran glauben würden.

Am Sonntag ging es gegen Ihren Jugendklub KSC, am Mittwoch folgt Ihr vorangegangener Klub, Sandhausen. Welches Spiel hat den größeren Stellenwert?

In unserer Situation ist jedes Spiel extrem wichtig. Wenn Sie mich aber fragen, zu welchem Verein ich eine engere Bindung habe: zum SVS, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Dort bin ich zu dem Spieler geworden, der ich heute bin. Ich habe noch Freunde in der Mannschaft, kenne noch viele Leute. Anders als zum KSC, bei dem ich noch ein Kind war und zu dem es keine Verbindungen mehr gibt. Ich freue mich auf die Partie gegen Sandhausen.

Förster brennt auf Partie gegen den Ex-Klub

Die der VfB mehr denn je unbedingt gewinnen muss.

Das ist richtig. Wollen wir aufsteigen, können wir uns keine Ausrutscher mehr erlauben. Ich brenne auf die Partie.

In der Hinrunde waren Sie zum gleichen Zeitpunkt der Saison nicht zufrieden mit Ihren Leistungen. Wie sieht es 17 Spieltage später aus?

Nicht viel anders. Ich bin immer noch der Meinung, dass ich wie die gesamte Mannschaft, nicht konstant das abrufe, was wirklich in mir steckt. Ich bin da schon noch ein wenig auf der Suche.

Wie sieht denn die Suche aus?

Ich hinterfrage mich nach jedem Spiel, analysiere meine Partien mit den Videosequenzen, die wir vom Verein bekommen, und frage mich, was ich wann wo wie besser hätte machen können. Ich absolviere immer wieder Extraschichten, auch mit Individualtrainern. Ich bin immer auf der Suche nach Verbesserung.

"Das ist schwer zu beantworten und nicht unbedingt für die Öffentlichkeit geeignet"

Welche Antworten haben Sie gefunden?

Das ist schwer zu beantworten und nicht unbedingt für die Öffentlichkeit geeignet. Außerdem sähe es vielleicht so aus, als würde ich nach Ausreden suchen. Und das will ich nicht.

Geben Sie uns einen kleinen Tipp zumindest.

Die Zusammenhänge sind komplex. Jede Partie hat eine eigene Geschichte, eine eigene Entwicklung, einen eigenen Charakter. Mal läuft es besser, mal schlechter. Und unterm Strich darf man auch nie vergessen: Es geht hier ja nicht um Philipp Förster, es geht um den VfB. Fußball ist und bleibt ein Mannschaftssport.

Der trotzdem auch Einzelkönner hervorbringt.

Ich bin kein Messi, der auch mal den Gegner alleine auseinandernimmt und den Ball ins Tor schießt. Und der VfB ist nicht der FC Barcelona, bei dem alle Spieler so überragende Individualisten sind, dass man allein dadurch schon mitgezogen wird. Wir brauchen uns in Stuttgart gegenseitig viel mehr, um gute Leistungen zu bringen.

Welche Rolle hat der Trainerwechsel Matarazzo für Walter in der Winterpause für Sie gespielt?

Ihre Vorstellungen vom Fußball sind in Teilen schon unterschiedlich. Tim Walter legt viel Wert auf das Offensivspiel. Das ist Pellegrino Matarazzo natürlich auch wichtig, ihm liegt aber auch die Stabilität sehr am Herzen. Aber da sprechen wir trotzdem über Kleinigkeiten. Was auf dem Platz passiert, liegt in unseren Händen beziehungsweise Füßen. Egal, wer Trainer ist: Wir verfügen über genügend Qualität, schaffen es aber nicht, die konstant auf den Platz zu bringen.

Haben Sie noch Kontakt zu Walter, den Sie noch aus der KSC-Jugend kennen?

Ab und zu schreiben wir uns. Dabei geht es aber vor allem um Privates, weniger um Fußball.

Bei aller Selbstkritik: Man hat dennoch den Eindruck, dass Sie Ihren Platz in der Mannschaftshierarchie gefestigt haben.

Ich will immer vorausgehen. So war es früher schon, so war es zuletzt auch in Sandhausen. Das geht natürlich nur über die eigene Leistung, die stimmen muss.

"Von Haus aus komme ich aus dem Zentrum"

Könnte diese besser sein, würden Sie im Zentrum statt auf der Seite spielen?

Ich bin grundsätzlich erst einmal froh, zu spielen. Egal, auf welcher Position. Auch wenn sich das wie die gewohnte Plattitüde anhört. Von Haus aus komme ich aus dem Zentrum. Das liegt mir etwas mehr, weil ich nicht der typische Sprinter für die Außenbahn bin. Aber wenn der Trainer sagt, dass ich auf rechts helfen kann, bin ich ohne zu Murren dabei. Dann versuche ich seine Vorgaben so gut wie möglich umzusetzen.

Das einzig beständige beim VfB ist die Unbeständigkeit. Warum schaffen es Sie und Ihre Mitspieler nicht, auch mal ein paar gute Leistungen aneinanderzureihen?

Das ist schade, das stimmt. Zumal es zu Beginn der Runde ganz gut geklappt hat.

Mit Wacklern, die nach dem 1:0 in Bielefeld und Platz 1 mit den Niederlagen gegen Wehen Wiesbaden und Kiel alles zum Einsturz brachten.

Das stimmt leider. Irgendwie ist seither der Wurm drin.

Tim Walter musste gehen. Unter Pellegrino Matarazzo sieht es jetzt nicht anders aus. Hat die Mannschaft aus der Hinrunde nichts gelernt?

Ich weiß, dass das niemand hören möchte: Aber es ist Fakt, dass die 2. Liga extrem ausgeglichen und jedes Spiel hart umkämpft ist. Wir sind nicht die Einzigen mit schwankenden Leistungen. Anderen geht es nicht anders, die ebenfalls über viel Qualität verfügen. Natürlich haben wir einen anderen Anspruch. Aber man sieht doch: Wenn wir unsere Topleistung nicht auf den Platz bringen, wird es gegen jeden Gegner schwer. Für die Konkurrenz ist es wie ein Pokalspiel, wo bekanntlich auch mal Bundesligisten gegen vermeintlich kleinere Gegner straucheln.

"Dafür lege ich meine Hand ins Feuer"

Aber nicht in der Regelmäßigkeit, die den VfB ereilt. Warum wird man das Gefühl nicht los, dass sich die Mannschaft vor allem mental nicht weiterentwickelt hat.

Ich glaube nicht, dass es eine Mentalitätsfrage ist. Jeder will gewinnen, wenn er den Platz betritt. Jeder. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Warum klappt es dann nicht?

Es geht immer darum, ob ich gewinnen will, oder, ob ich auch wirklich alles tue, um zu gewinnen. Das macht oft den entscheidenden Unterschied aus.

Können Sie das detaillierter erklären?

Wir müssen mit mehr Selbstbewusstsein auftreten, müssen jedem Gegner von vornherein klar signalisieren, dass es sehr schwer ist, gegen uns etwas zu holen. Aber wir sind nun mal nicht der FC Bayern. Außerdem haben wir einen sehr jungen Kader, da fehlt es manchmal auch an der nötigen Erfahrung und Abgebrühtheit.

Sie wissen, wie es ist, mit einem kleinen Klub Große zu ärgern.

Es zeigt sich immer wieder, dass wir uns noch mehr gegenseitig unterstützen müssen, mehr anfeuern müssen. Dass wir lernen müssen, uns mit Zähnen und Klauen zu wehren und noch mehr an uns und unsere Fähigkeiten zu glauben.

Es wird immer von Zeit geredet, die es zur Entwicklung braucht. Ist diese Zeit nicht längst aufgebraucht?

Wir haben keine Zeit, wollen wir unser Ziel, den Aufstieg, erreichen.

"Ich würde mich lieber auspfeifen lassen, als ständig im leeren Stadion zu spielen"

Sind Sie froh, dass Ihnen angesichts der Geisterspiele der Unmut von den Rängen erspart bleibt?

Unsere Fans sind ein riesiger Energiefaktor für uns, treiben uns an, unterstützen uns, machen Mut. Wir profitieren immer davon. Ich würde mich lieber auspfeifen lassen, wenn mal etwas schiefgeht, als ständig im leeren Stadion zu spielen. Über 50.000 in der Mercedes-Benz-Arena, das zeigt immer Wirkung. Auch auf den Gegner. Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man als Gästemannschaft in einem solchen Hexenkessel antreten muss.

Sie kamen mit großen Erwartungen. Sollte der Aufstieg nicht klappen: War es ein verlorenes Jahr für Sie?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich bin ich gekommen, um aufzusteigen. Und ich glaube auch fest daran, dass wir es schaffen. Aber wie bei jedem Menschen, geht es auch immer um die Erfahrungen, die man macht und durch die man sich weiterentwickelt.

Interview: George Moissidis

Schneckenrennen: Diese Aufsteiger sammelten die wenigsten Punkte