Nationalelf

DFB: Flicks Zukunft ist offen - Tuchel ist verfügbar

Bobic und Rangnick Kandidaten für Bierhoff-Nachfolge

Flicks Zukunft ist offen - Tuchel ist verfügbar

Viele offene Fragen beim DFB nach dem WM-Aus: Bundestrainer Hansi Flick, Ralf Rangnick und Thomas Tuchel.

Viele offene Fragen beim DFB nach dem WM-Aus: Bundestrainer Hansi Flick, Ralf Rangnick und Thomas Tuchel. imago images (3)

Über die Nationalelf berichten Matthias Dersch, Oliver Hartmann und Karlheinz Wild

Schneller als erwartet ist in die Neuordnung der Nationalmannschaft Bewegung gekommen: Vier Tage nach dem Gruppen-K.o. bei der WM in Katar ist Oliver Bierhoff am Montagabend - und damit noch vor der für Mittwoch angesetzten Analyserunde mit Bundestrainer Hansi Flick, DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vize-Präsident Hans-Joachim Watzke - von seinem Posten als Direktor Nationalmannschaften und Akademie zurückgetreten. Es war ein Knall zu später Stunde, der auch Auswirkungen auf die Zukunft von Flick haben könnte.

Der Bundestrainer zeigte sich am Dienstag tief betroffen vom Rücktritt seines langjährigen Wegbegleiters: "Meinem Trainerteam und mir fällt im Moment die Vorstellung schwer, wie die durch Olivers Ausscheiden entstehende Lücke fachlich und menschlich geschlossen werden kann", erklärte Flick in einer Stellungnahme, die über die DFB-Homepage verbreitet wurde.

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Flick neigt zu konsequentem Handeln

Außerdem betont Flick zweimal das für ihn fundamentale Vertrauen, das bei seinem freiwilligen Abschied vom FC Bayern 2021 vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Münchner Sportvorstand Hasan Salihamidzic beschädigt war. Und: Flick neigt zu konsequentem Handeln, wie er eben jüngst in München oder als Geschäftsführer in Hoffenheim im Februar 2018 oder als Sportdirektor des DFB im Januar 2017 bewiesen hat: Jedes Mal stieg er aus freien Stücken trotz laufenden Vertrages vorzeitig aus.

Es sind angesichts dieser Vorgeschichte sehr bemerkenswerte Worte, die viel Interpretationsspielraum bieten: Gibt es für Flick beim DFB keinen anderen denkbaren Partner? Seine Zukunft jedenfalls ist vor dem weiter geplanten, aber dann ohne Bierhoff stattfindenden Gespräch mit den DFB-Bossen am Mittwoch längst nicht geklärt.

Drei Optionen und die Frage nach dem neuen Partner

Bleibt Flick im Amt? Wird er entlassen? Oder tritt er gar selbst ab? Auszuschließen ist Stand jetzt keine der drei Alternativen. Welche zum Zug kommt, dürfte auch davon abhängen, wer Bierhoffs Nachfolger wird. Tempo in der Entscheidungsfindung ist also gefragt.

Als Kandidaten für den Posten des DFB-Direktors gelten nach Informationen des kicker Fredi Bobic (51, Hertha BSC) und Ralf Rangnick (64), derzeit Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft und nach der EM 2021 bereits ein Kandidat für ein Amt beim DFB. Damals allerdings hatte sich Bierhoff erfolgreich gegen eine Einbindung Rangnicks gewehrt, weil dies Einschnitte in seinem Machtbereich bedeutet hätte.

Gedankenspiele um Tuchel und Rangnick

Matthias Sammer, dessen Name ebenfalls gehandelt wird, steht für eine leitende Funktion nicht zur Verfügung - als Berater gleichwohl. Während Bobic mit Blick auf die Nationalmannschaft ein Eins-zu-Eins-Ersatz für Bierhoff wäre, wäre Rangnick jemand, der mit seinem Reformeifer beim DFB insgesamt im sportlichen Bereich bis tief in die U-Mannschaften wohl sicherlich keinen Stein auf dem anderen beließe.

Auch für Flicks Posten gäbe es Kandidaten, allen voran den derzeit vereinslosen Thomas Tuchel (47). Der Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea (2021) wäre sofort verfügbar. Mit Rangnick, der 1997 bereits sein Trainer in Ulm war, verbindet Tuchel viel. Denn Rangnick war es, der ihm im Jahr 2000 einen Platz als Jugendtrainer beim VfB Stuttgart vermittelte. Auch eine Zusammenarbeit Tuchels mit Watzke, der ihn 2017 bei Borussia Dortmund entließ, wäre kein Hindernis.

"Der Beste, den ich kenne": Bobic und Sammer über die DFB-Zukunft

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