Bundesliga

Flicks Stammspieler - und dann? Tolisso enttäuscht als Joker

Qualitätslücke beim FC Bayern

Flicks Stammspieler - und dann? Tolisso enttäuscht als Joker

Wenn Flick einwechselt, geht Qualität verloren: Leroy  Sané und Corentin Tolisso stehen in Augsburg bereit.

Wenn Flick einwechselt, geht Qualität verloren: Leroy Sané und Corentin Tolisso stehen in Augsburg bereit. picture-alliance

Der Bayern-Dusel ist zurück, mögen Gegner und Kritiker des FC Bayern halb stöhnend, halb verärgert einwerfen. Vier Punkte weniger wären es ziemlich sicher in den vergangenen beiden Partien gewesen, hätte Freiburgs Nils Petersen beim Stand von 1:2 am vergangenen Sonntag in der Nachspielzeit ins Tor statt die Latte getroffen und hätte Alfred Finnbogasson seinen Elfmeter bei Augsburgs 0:1 gegen den Rekordmeister nicht an den linken Pfosten gesetzt.

Allerdings lohnt eine differenzierte Betrachtungsweise. Sowohl gegen den SC als auch in Augsburg war die Mannschaft von Trainer Hansi Flick über 90 Minuten das bessere Team und die drei Punkte am Ende verdient. Beide Mal verhinderte jedoch eine magere Chancenverwertung eine frühe Entscheidung pro Bayern, weswegen sich das Team in den Schlussphasen selbst in Bedrängnis brachte.

Tor für Tor: Lewandowskis Hinrunden-Rekord in Bildern

Besonders auffällig am Mittwochabend in der WWK-Arena: Die eingewechselten Spieler brachten nicht etwa frische Impulse, mit ihnen verschlechterte sich Bayerns Auftritt von Minute zu Minute, gingen Ball- und Spielkontrolle verloren. Nach 67 Minuten musste Flick reagieren. Er holte nach Absprache Robert Lewandowski wegen leichter muskulärer Probleme als Vorsichtsmaßnahme vom Platz, ebenso Serge Gnabry, der drei Tage zuvor früh wegen muskulärer Probleme ausgewechselt worden war. Auch dies ein sinnvoller Zug des Trainers.

Tolisso: Thiagos Fußstapfen sind viel zu groß

Das Problem: Die Joker Leroy Sané, mehr noch aber Corentin Tolisso enttäuschten. Vor allem der französische Weltmeister, vor der Saison von den Bossen nach langen Verletzungsproblemen als eine Art Hoffnungsträger nach Thiagos Abgang auserkoren, ist derzeit weit davon entfernt, ein Leistungsträger zu sein. In Augsburg irrte er mehr durchs Mittelfeld als dass er zur Sicherheit beitrug.

Auch diese Partie bewies einmal mehr, dass zwischen dem harten Kern der Stammspieler und den Akteuren dahinter eine qualitative Lücke klafft. Die ausgewechselten Lewandowski und Gnabry waren lange gut im Spiel, ebenso der später abbauende Kingsley Coman. Sieben Chancen hatte sich der FCB bei Halbzeit erarbeitet, es kam im zweiten Durchgang keine einzige hinzu. Besonders ins Auge bei den mangelnden Alternativen stechen die vier Oktober-Neuzugänge. Gegen Freiburg schafften es Bouna Sarr und Douglas Costa nicht in den 20-köpfigen Spieltagskader, in Augsburg strich Flick Marc Roca. Eric Maxim Choupo-Moting fehlte wegen der anstehenden Geburt seines Kinds.

Flicks Drahtseilakt bei engen Spielen

Es ist keine gewagte Prognose, dass es die etablierten Stars auf dem Weg zur Titelverteidigung richten müssen. Ein zeitig entschiedenes Spiel würde dem Team mal guttun, Flick könnte frühzeitig Leistungsträger vom Feld nehmen, ihnen eine Verschnaufpause gönnen. Das geht bei engen Spielständen nicht und wenn er doch, wie in Augsburg, reagieren muss, ist es ein Drahtseilakt.

Die Bayern punkten dennoch am konstantesten von allen Teams, leicht fällt ihnen derzeit allerdings kein Spiel. Von einem lockeren 8:0 wie zum Saisonauftakt gegen Schalke sind sie weit entfernt, denn , der ewige Titelsammler wird und muss sich eher an seinem eigenen Anspruch messen lassen als an RB Leipzig oder Borussia Dortmund.

Am Sonntag reisen sie zum Rückrundenauftakt nach Gelsenkirchen mit der Frage im Gepäck: Wie eng wird es dieses Mal?

Frank Linkesch

Bilder zur Partie FC Augsburg - Bayern München