Bundesliga

Flick will Bayern verlassen: Warum es die logische Entscheidung ist

Analyse

Flick: Es ist die logische Entscheidung

Der FC Bayern verliert im Sommer nicht nur David Alaba - auch Hansi Flick will weg.

Der FC Bayern verliert im Sommer nicht nur David Alaba - auch Hansi Flick will weg. imago images

Es war zuletzt ein Abwarten und Belauern, ein Taktieren und Irritieren, nun hat Hansi Flick (56) diesem für alle Beteiligten unwürdigen Zustand ein Ende gesetzt: Der aktuelle Trainer des FC Bayern München gab nach dem 3:2-Sieg in Wolfsburg bekannt, dass er den in seinen Fixpunkten bis 2023 vereinbarten Vertrag zum Ende der laufenden Saison, also zum 30. Juni 2021, aufkündigen möchte.

Flick traf damit eine logische Entscheidung. Denn unter den derzeitigen personellen und atmosphärischen Gegebenheiten ergibt eine Fortsetzung der faktisch so erfolgreichen Kooperation keinen Sinn mehr.

Das Vertrauensverhältnis mit Salihamidzic war erst ge-, dann zerstört

Eine derartige Entwicklung mutet nach sechs Titeln innerhalb eines knappen gemeinsamen Jahres und einem siebten, der in der laufenden Bundesliga-Saison bei sieben Punkten Vorsprung und lediglich noch fünf ausstehenden Spielen höchstwahrscheinlich dazukommt, absurd und aberwitzig an. Nach dem Motto: Wer keine Probleme hat, schafft sich welche.

Doch die Differenzen waren offenkundig, und zwar seit längerem. Sie begannen bei erst unterschiedlichen Auffassungen, dann heftigen Auseinandersetzungen in der Kaderzusammenstellung; sie endeten in krassen Gegensätzen und Zerwürfnissen bei der täglichen Zusammenarbeit.

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Chefcoach und in erster Linie Sportvorstand Hasan Salihamidzic war erst ge-, dann zerstört, spätestens seit der sommerlichen Transferphase 2020, die Anfang Oktober 2020 schloss. Sämtliche Führungskräfte des FC Bayern kannten diesen fatalen Missstand, sie griffen nicht korrigierend ein und verloren so die Kontrolle. Sie wussten um die enorme Explosionsgefahr. Deshalb trifft sie die jetzige Eskalation keineswegs unvorbereitet.

Schon im Herbst 2020 dachte Flick ans Aufhören

Eine Entlassung dieses Trainers, so hieß es zuletzt aus der Führung, komme für die FCB-Verantwortlichen nicht infrage. Doch das unmissverständliche und damit überzeugende Bekenntnis zu Flick fehlte. Deshalb verkniff sich auch Flick eine eindeutige Aussage zugunsten des Vereins - vor allem auch deshalb, weil er sichere Informationen zu haben glaubt, dass Salihamidzic längst mit dem als Nachfolger gehandelten Julian Nagelsmann sogar schon finanzielle Fragen erörtert habe.

Flick seinerseits verzichtet mit seinem konsequenten Vorgehen auf eine finanzielle Entschädigung seitens des FC Bayern. Allerdings bahnt sich eine unmittelbare Fortsetzung seiner Trainertätigkeit beim DFB an, die Nachfolge des Bundestrainers Joachim Löw reizt Flick sehr. Diese Konstellation bei der Nationalmannschaft hat sein Vorgehen jedoch nicht unmittelbar ausgelöst, an einen abrupten Abbruch seiner Tätigkeit dachte dieser Fußballlehrer schon seit Herbst 2020. Durch Löws Beschluss, nach der EM 2021 auszusteigen, erfuhren Flicks Gedanken nur noch eine Beschleunigung. Zuletzt wollte und konnte er nicht mehr, wie seine teils gestresste Außenwirkung verriet. Auch deshalb zieht Flick diesen Schlussstrich, Lebensqualität - und das ist für ihn vor allem die Familie - ist ihm elementar wichtig.

Salihamidzic ist im öffentlichen Urteil schwer unten durch

Für Flick und den FC Bayern geht es nun darum, die Schrammen, die die vergangenen Monate und vor allem Wochen für beide Parteien verursachten, nicht zu einem Totalschaden werden zu lassen. Salihamidzic ist im öffentlichen Urteil schwer unten durch, wie die Werte einer kicker-Umfrage von rund 93:7 Prozent pro Flick und gegen ihn zeigen - sehr repräsentativ bei knapp 320.000 Teilnehmern.

Seine Beziehung zu Flick war das Hauptproblem. Es wurde früh erkannt, aber nie gelöst. In Aufsichtsrat und Präsidium des deutschen Vorzeigeklubs werden einige direkte Fragen gestellt und beantwortet werden müssen. Die jüngste, strahlende Erfolgsperiode ist überschattet.

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Karlheinz Wild