Bundesliga

Das Wichtigste von der BVB-Aktionärsversammlung

Watzke ruft neuen Titel aus

Finanzlage, Bayern-Vorteil, Nachhaltigkeit: Das Wichtigste von der BVB-Aktionärsversammlung

Brauchte bei der Aktionärsversammlung des BVB viel Geduld: Hans-Joachim Watzke (hier bei der Mitgliederversammlung im November).

Brauchte bei der Aktionärsversammlung des BVB viel Geduld: Hans-Joachim Watzke (hier bei der Mitgliederversammlung im November). picture alliance/dpa

70 teils sehr umfangreiche, teils auch reichlich skurrile Fragen sowie zahlreiche Abstimmungen in vier Stunden und vier Minuten: Die virtuelle Aktionärsversammlung der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA erforderte von den Teilnehmern viel Geduld und starke Nerven - insbesondere von Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung.

Der 62-Jährige hatte sich vorgenommen, in der Generaldebatte auf jede Frage ausgeglichen zu antworten. Das fiel ihm jedoch angesichts so mancher Meinungsäußerung der Aktionäre - die aus Sicht Watzkes mitunter "ehrabschneidend" daherkamen - mitunter schwer. Der kicker fasst die wichtigsten Punkte der Veranstaltung zusammen.

Ab Januar hatte der BVB mit Vollauslastung kalkuliert

Die aktuelle Wirtschaftssituation des BVB: Durch die Corona-Pandemie geriet ein gewichtiger Pfeiler des Dortmunder Geschäftsmodells ins Wanken: die Vollauslastung des Signal-Iduna-Parks und die damit verbundenen Einnahmen. Dank einer im Oktober durchgeführten Kapitalerhöhung konnten die Verluste ausgeglichen werden. Die Finanzverbindlichkeiten lägen aktuell bei "null", sagte Finanz-Geschäftsführer Thomas Treß. Auch habe man festgestellt, erklärte Watzke, dass der BVB nichts an seiner Strahlkraft eingebüßt habe. Dabei verwies er auf die gestiegenen Einnahmen im Sponsoring, die erstmals an die 125-Millionen-Euro-Marke heranreichten.

Watzkes Rede: "In Europa League 13 Millionen Euro zurückgewinnen"

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Die erneute Begrenzung der Zuschauerkapazität allerdings zwingt die Borussia in Teilbereichen zu einer Neukalkulation. Ursprünglich war ab Januar 2022 mit einer 100-prozentigen Auslastung kalkuliert worden. Das jedoch lässt sich aufgrund der rollenden vierten Welle nicht halten. Auch das frühe Ausscheiden aus der Champions League koste den Klub 13,8 Millionen Euro, rechnete Treß vor. Zugleich betonte er, es gäbe Potenziale, diese Mindereinnahmen ausgleichen zu können: etwa durch Erfolge im DFB-Pokal und der Europa League oder Transfers.

Watzke ruft Europa-League-Titel als neues Ziel aus

Die Möglichkeiten eines erneuten Gehaltsverzichts: Durch den temporären Gehaltsverzicht der Profis und der Führungsriege sparte der BVB in den Saison 2019/20 (5,5 Millionen Euro) und 2020/21 (8,2 Millionen Euro) hohe Summen ein. Ein erneuter Gehaltsverzicht sei trotz der neuen Zuschauerbeschränkungen derzeit nicht geplant, sagte Watzke, hielt sich aber die Möglichkeit offen, bei einer länger andauernden vierten Welle die Gespräche mit den Profis darüber wieder aufzunehmen.

Die sportliche Zwischenbilanz: Mit dem sportlichen Ist-Zustand zeigte sich Watzke auf der Aktionärsversammlung weitgehend zufrieden - mit der großen Einschränkung Champions League. "Darüber", sagte er, "sind wir sehr enttäuscht, das ist per Saldo auch keine gute Leistung gewesen." Anders sähe es in der Bundesliga und im DFB-Pokal aus, dort sei man "auf Kurs". Insbesondere die 30 Punkte aus 13 Liga-Spielen seien "außergewöhnlich gut, da wir mit riesigen Verletzungssorgen zu kämpfen hatten", betonte Watzke, der zudem den erstmaligen Gewinn der Europa League als neues Ziel ausrief: "Das ist der einzige Titel, der dem BVB noch fehlt. Daran müssen wir arbeiten." Insgesamt habe er "großes Vertrauen in Marco Rose, in Michael Zorc und seinen zukünftigen Nachfolger Sebastian Kehl, auch in die Mannschaft".

Bayerns Vorteil: "Dadurch wird es für uns sehr schwer"

Das bevorstehende Spiel gegen den FC Bayern: Auch wenn der BVB nun nur noch mit 15.000 Zuschauern rechnen kann und nicht wie erhofft mit 26.000, rief Watzke zur Vorfreude auf ein "außergewöhnliches Spiel" auf. Der BVB habe die große Chance, Tabellenführer zu werden. Von einem Muss, die Bayern diesmal in der Meisterschaft hinter sich zu lassen, allerdings wollte der Vorsitzende der Geschäftsführung erwartungsgemäß nicht sprechen: "Ich bin kein Freund davon, sich treiben zu lassen. Jeder hier würde sich freuen, wenn die Titelphalanx des FC Bayern durchbrochen wird", sagte Watzke und verwies auf rund 100 Millionen Euro, die die Münchner mehr in ihren Kader stecken würden. "Man muss akzeptieren, dass es dadurch für uns sehr schwer wird."

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Die Neubesetzung des Aufsichtsrats: Da Gerd Pieper aus gesundheitlichen Gründen aus dem Aufsichtsrat ausscheiden musste, war diese Stelle neu zu besetzen: Die Aktionäre folgten dem Vorschlag des Aufsichtsrates, den Bochumer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pellens neu aufzunehmen. Er wurde mit 86 Prozent Ja-Stimmen gewählt.

Weitere Kapitalerhöhung möglich - BVB will in Zukunft klimaneutral werden

Der Aktienkurs: Bei Beendigung der Aktionärsversammlung lag der Börsenkurs der BVB-Aktie bei 4,17 Euro - und damit um 1,74 Prozent niedriger als zum Handelsbeginn am Donnerstag. Treß erklärte den aktuellen Kurswert mit der Corona-Pandemie, der jüngsten Kapitalerhöhung im Oktober sowie dem Aus in der Champions League. Der BVB ist laut seiner Meinung dagegen eigentlich "eine Milliarde Euro wert", der Vermögenswert der Aktie daher "eher ein Schnäppchen". Vor Beginn der Corona-Pandemie hatte der Kurs noch bei mehr als neun Euro gelegen. Damals waren auch Dividendenzahlungen üblich - darauf verzichtete man diesmal.

Die Möglichkeit einer weiteren Kapitalerhöhung: In Tagesordnungspunkt 8 wurde über die Möglichkeit einer weiteren Kapitalerhöhung abgestimmt. Die teilnehmenden Aktionäre segneten den Vorschlag ab. Somit besteht für die Geschäftsführung bis zum 18. November 2025 die Option, das Kapital zu erhöhen. Geplant ist das laut Watzke und Treß derzeit nicht, man wolle sich aber den Werkzeugkasten für die Zukunft offenhalten.

Die Nachhaltigkeitsbemühungen des Klubs: Zahlreiche Fragen der Aktionäre drehten sich um das Thema Nachhaltigkeit. Watzke betonte, dass es ein großes Ziel des Klubs sei, in Zukunft klimaneutral zu arbeiten. Geschäftsführer Carsten Cramer sagte in der Generaldebatte, Borussia Dortmund leiste seit vielen Jahren Anstrengungen, die Nachhaltigkeit zu erhöhen. So sei etwa seit zehn Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf dem Stadiondach in Betrieb. Außerdem liefen gerade Tests, Fanartikel ökologischer zu produzieren. "Ich glaube", zeigte sich Cramer zuversichtlich, "dass ich auf diese Fragen in den nächsten Jahren eine noch positivere Rückmeldung geben kann."

Matthias Dersch

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