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Filipovic im Interview: "Bei uns beschäftigt sich niemand mit Abstiegsgedanken"

Der LASK-Verteidiger feierte zuletzt sein Comeback

Filipovic im Interview: "Bei uns beschäftigt sich niemand mit Abstiegsgedanken"

Petar Filipovic ist retour.

Petar Filipovic ist retour. GEPA Pictures

Herr Filipovic, Sie haben am vergangenen Wochenende gegen die Admira nach fast sechsmonatiger Verletzungspause Ihr Startelfcomeback für den LASK gefeiert. Wie schwierig war die Auszeit für Sie?

In der Anfangsphase und auch vor der Operation war es schwierig, weil ich nicht genau wusste, welchen Ansatz ich wählen sollte. Wir haben viele Wege ausprobiert, sind dann aber zum Entschluss gekommen, dass eine Operation die sinnvollste Entscheidung ist. Die Ausfallzeit ist zwar ein bisschen länger, aber so sollte ich in Zukunft keine Probleme mehr haben. Deswegen habe ich mich in Abstimmung mit den Verantwortlichen letztlich für diesen Weg entschieden. Ich habe in der Zeit, als ich die Probleme hatte, nie an eine Operation gedacht, aber die Schmerzen mit der Hüfte wurden dann immer schlimmer. Irgendwann habe ich erkannt, dass es so keinen Sinn mehr hat. Nach der Operation habe ich mich mit der Situation ganz gut abgefunden, weil ich denke, dass es der richtige Ansatz war.

Qualifikationsgruppe - 27. Spieltag

Ursprünglich hätte die Operation erst in der Winterpause stattfinden sollen. Warum haben Sie sich dann doch bereits im Herbst unters Messer gelegt?

Die Schmerzen haben mir keine andere Wahl gelassen. Die Muskulatur hat auch nicht mehr richtig funktioniert und daher hätte es aus unserer Sicht keinen Sinn mehr gemacht, so weiterzumachen. Wir haben es medikamentös und mit Injektionen versucht, aber selbst das hat nicht viel gebracht. Die Operation hat sich dann auch noch etwas verzögert: Ich lag mit einer Corona-Infektion flach und der Arzt war im Anschluss für einige Zeit nicht verfügbar. Im Endeffekt haben wir dennoch einen guten Zeitpunkt gewählt. Wichtig für mich war, dass ich noch in dieser Saison zurückkommen konnte.

Wann rechnen Sie damit, wieder bei 100 Prozent zu sein?

Ich bin auf einem guten Weg. Ich war dem Reha-Plan eigentlich die ganze Zeit voraus. Natürlich hat man Höhen und Tiefen, aber ich denke, dass alles gut durchstrukturiert war und ich das super hinbekommen habe. Der ursprüngliche Plan war, dass ich erst Anfang April wieder in das Mannschaftstraining einsteige. Ich habe das aber schon viel früher geschafft. Natürlich hat man am Anfang noch erhebliche Unterschiede in puncto Fitness bemerkt, aber das benötigt einfach seine Zeit. Ich war ja nicht nur zwei bis drei Wochen raus, sondern fünf Monate. Das macht sich natürlich bemerkbar - gerade dann, wenn man ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen wird. Das war von beiden Seiten so gewünscht, weil es nicht anders ging. Es ist immer besser, in der Vorbereitung wieder einzusteigen und diese mit der Mannschaft zu absolvieren, aber leider ist sich das bis dorthin nicht ausgegangen. Zu Beginn der Vorbereitung war ich noch auf Krücken. Deshalb musste ich direkt in der laufenden Saison einsteigen. Ich hatte also nicht allzu viel Zeit und musste ein paar Dinge überspringen. Ich bin gerade dabei, mein altes Fitnessniveau zu erreichen. Wie lange das dauern wird, ist schwer zu sagen. Ich habe gegen Ried eine Halbzeit und gegen die Admira über 90 Minuten gespielt. Das hat sich körperlich natürlich bemerkbar gemacht. Das war eine Riesenaufgabe für mich und extrem anstrengend. Wichtig ist, dass ich Spielminuten sammeln darf und das Training normal mitmache. So kann ich mich allmählich meiner Topform annähern.

Der wahre Charakter zeigt sich in schwierigen Zeiten.

Petar Filipovic

Nach Ihrem Wechsel zum LASK im September 2019 lief in den ersten sechs Monaten alles nach Plan. Was ist seitdem schiefgelaufen?

Es ist schwer, das an einem Punkt festzumachen. Wir hatten eine sehr erfolgreiche Zeit, aber es gibt immer Höhen und Tiefen. Wichtig ist, dass wir aus diesem Tief noch stärker hervorkommen. Bei Erfolgen ist es immer einfacher. Der wahre Charakter zeigt sich aber in schwierigen Zeiten.

Dennoch: Beschäftigen Sie sich mit dem Abstieg?

Uns allen ist bewusst, in welcher Situation wir sind. Bei uns beschäftigt sich aber niemand mit Abstiegsgedanken. Wir wissen, wie es im Fußball läuft und dass es sehr schnell gehen kann. Wir sind von unserer Qualität überzeugt und blicken nach vorne.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass der LASK die von Ihnen beschriebene Qualität in dieser Saison zu selten in Siege ummünzen konnte?

Schwer zu sagen. Wir hatten viele Spiele, in denen wir dominant und die bessere Mannschaft waren. Im Endeffekt haben wir uns dafür aber nicht belohnt. Von diesen Spielen waren zu viele dabei. Wir müssen konsequent an der Chancenverwertung arbeiten und versuchen, uns Tag für Tag zu verbessern. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken, weil es genauso schnell wieder nach oben gehen kann.

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Der LASK ist seit ein paar Jahren Stammgast im internationalen Geschäft. Was haben Sie von diesen Erfahrungen mitgenommen?

Jeder Spieler beim LASK muss den Anspruch haben, international zu spielen. Das muss das Ziel sein. Für mich persönlich waren die internationalen Erfahrungen natürlich ein großes Erlebnis. Da waren richtig gute Spiele dabei. Da ich zuvor schon bei der Austria und in der Türkei (bei Konyaspor, Anm.) internationale Erfahrung sammeln durfte, war das für mich kein Neuland mehr, aber die Phase hier war dennoch anders. Anfangs haben wir viele Spiele dominiert. Das war für mich wirklich überraschend.

Wenn man Ihnen zuhört, gewinnt man den Eindruck, dass Sie sich beim LASK durchaus wohlfühlen. Ihr Vertrag in Linz läuft mit Saisonende aus. Wissen Sie schon, wie es für Sie danach weitergeht?

Es ist richtig, dass ich mich hier wohlfühle. Im Großen und Ganzen passt alles. Die sportliche Lage ist derzeit nicht rosig, aber der wahre Charakter zeigt sich - wie gesagt - in schwierigen Zeiten. Wir müssen da gemeinsam rauskommen. Ich persönlich werde mit dem Verein nun langsam in konkretere Gespräche eintreten. Der LASK war so fair, dass er mir Zeit eingeräumt hat, um wieder fit zu werden. Dafür bin ich dem Verein dankbar. Es hat zuvor schon ein paar Gespräche gegeben, aber noch gibt es nichts Nennenswertes zu vermelden. Ich kann mir durchaus vorstellen, weiterhin beim LASK zu bleiben.

Wie schwer ist es, sich über den österreichischen Klubfußball für ein derart starkes Nationalteam wie das kroatische zu empfehlen?

Ich habe immer gesagt, dass ein Einsatz für Kroatien ein Traum ist. Man muss die Situation aber realistisch einschätzen. Ich glaube, dass das kroatische Nationalteam enormes Potential und super Qualität hat. Fast alle Spieler spielen in den fünf besten Ligen Europas. Es ist für einen Spieler sicher einfacher, sich bei Borussia Dortmund als beim LASK für die Nationalmannschaft zu empfehlen. So ehrlich muss man sein. Ich weiß daher, dass ich mir nicht zu viel erhoffen darf.

Sie haben auch einen bosnischen Pass. Ist ein Einsatz für das bosnische Nationalteam realistischer?

Sicher. Ich könnte mir auch das vorstellen. Das wäre natürlich eine super Erfahrung. Ich habe derzeit aber ganz andere Gedanken.

Die österreichische und die türkische Liga sind (...) nicht zu unterschätzen.

Petar Filipovic

Ihre Karriere haben Sie beim FC St. Pauli begonnen, danach waren Sie auch in Kroatien und in der Türkei tätig. Wo war das fußballerische Niveau Ihrer Einschätzung zufolge am höchsten?

Ich habe bei St. Pauli sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und durfte mit der Kampfmannschaft dann sogar in der Bundesliga spielen. Diese ist in puncto Qualität mit Abstand am höchsten einzuschätzen. Die österreichische und die türkische Liga sind aber auch nicht zu unterschätzen. Ich hatte bei Konyaspor eine tolle Zeit. In Kroatien (bei Cibalia und Slaven Belupo, Anm.) war es sportlich hingegen schwierig. Ich war auch zum ersten Mal von zuhause weg. Bei St. Pauli kannte ich das gesamte Umfeld und in Kroatien war ich dann erstmals so richtig auf mich alleine gestellt. Damals habe ich diesen Schritt extrem bereut. Im Nachhinein blicke ich dennoch positiv auf die Zeit zurück - vielleicht nicht in sportlicher Hinsicht, aber menschlich habe ich mich stark weiterentwickelt. Es war sehr positiv, dort eine gewisse Selbstständigkeit zu entwickeln.

Sie haben soeben die Qualität der deutschen Bundesliga hervorgehoben. International drohen die Premier League und La Liga dennoch langsam zu enteilen. Wie bewerten Sie die Entwicklung, dass die Schere zwischen den einzelnen Ligen immer weiter auseinandergeht?

Natürlich ist es im Fußballsport oft so, dass die finanziell stärkere Mannschaft gewinnt. Ich glaube dennoch, dass es Gott sei Dank nicht immer so sein muss. Wir waren das beste Beispiel dafür. Wir haben Mannschaften mit wesentlich höheren Marktwerten geschlagen und sogar dominiert.

Dementsprechend blicken Sie positiv in die Zukunft?

Ja. Aktuell haben wir nicht die beste Phase, aber für einzelne Spieler und den Verein ist es vielleicht sogar wichtig, diese Erfahrung zu machen und aus der Situation wieder herauszukommen.

Interview: Nikolaus Fink