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FIFA 20: eSport, lebst du noch?

Kommentar zum Stillstand in Corona-Zeiten

FIFA 20: eSport, lebst du noch?

Auf einer großen FIFA-Bühne saßen eSportler letztmals Ende Februar beim FUT Champions Cup IV

Auf einer großen FIFA-Bühne saßen eSportler letztmals Ende Februar beim FUT Champions Cup IV. Turner

Am 13. März verkündete EA SPORTS in Reaktion auf die globale Ausbreitung von COVID-19, dass alle Events der FIFA 20 Global Series bis auf Weiteres verschoben werden. Ein wichtiger und richtiger Schritt, seitdem herrscht jedoch Stillschweigen. Nicht ein einziges Mal hat sich der Entwickler offiziell dazu geäußert, ob und wie es im eSport weitergeht. Diese Marschroute steht im starken Kontrast zu anderen Titeln, für die Veranstalter den Spielbetrieb in eine Online-Umgebung übertragen oder ein Ersatzprogramm aufgestellt haben. Selbst im eigenen Haus wird inzwischen wieder professionell gegeneinander gespielt: Für den Battle Royale-Shooter Apex Legends rief EA vier weltweite Turniere mit jeweils 100.000 US-Dollar Preisgeld ins Leben, auch die Madden Championship Series lief online weiter. Was ist also los mit FIFA?

Fußballer verdrängen eSportler

Den Profis der Fußball-Simulation werden in Zeiten der Corona-Krise kaum Möglichkeiten geboten, sich zu präsentieren. Statt Online-Alternativen für die eSportler zu schaffen, veranstaltete EA SPORTS in den vergangenen zwei Monaten fast ausschließlich FIFA-Turniere für Fußballer. In Deutschland gelang EA und der DFL mit der Bundesliga Home Challenge zwar ein Kompromiss, da Fußballer und eFootballer gemeinsam antraten. Reine eSport-Turniere können dadurch aber nicht ersetzt werden, denn die Bundesliga Home Challenge bot nur einer begrenzten Spieleranzahl eine Bühne und zahlte zudem kein Preisgeld aus. Seit Mitte Mai läuft die Bundesliga wieder und auch andere große Ligen bereiten sich darauf vor, den Spielbetrieb fortzusetzen. Nun bleibt den Fußballprofis keine Zeit mehr, sich für FIFA-Cups an die Konsole zu setzen. Trotzdem hat EA SPORTS noch keine Anstalten gemacht, die eSportler wieder ins Scheinwerferlicht zu rücken.

EA schadet sich selbst

Da sich auch die Fans zunehmend wundern, wo die Turniere bleiben, adressierte Weltmeister Mohammed 'MoAuba' Harkous am 19. Mai das Thema. "Weil ich oft gefragt werde, warum die großen Turniere nicht einfach online stattfinden: Man kann nicht mal gegen seinen Nachbarn ohne Delay spielen, wie soll man dann gegen einen Brasilianer spielen? Server = Müll", schrieb der Deutsche auf Twitter. Ein berechtigtes Argument. Allerdings müsste die FIFA 20 Global Series nicht exakt baugleich online umgesetzt werden, regionale Beschränkungen würden einen Teil des Problems lösen. Verbindungsabbrüche oder Delay lassen sich zwar nicht komplett abstellen, ein Turnier mit wenigen Komplikationen wäre aber definitiv besser als gar keines.

eFootball mit Zukunftssorgen

Ein Alternativprogramm würde den Profis erlauben, weiterhin ihre Arbeit auszuführen. Nichtstun gefährdet hingegen die Zukunft der eSportler. Warum sollten Organisationen, die von der Krise ohnehin finanziell belastet werden, die Verträge ihrer FIFA-Spieler verlängern, wenn es kaum Turniere gibt und die Zocker keine große Reichweite auf Twitch oder YouTube einbringen? Die vorhandenen Privatturniere oder Futheads-Cups helfen, sind aber weit von den Möglichkeiten EAs entfernt. Es droht der Verlust vieler Arbeitsplätze, bei der SpVgg Greuther Fürth steht die eSport-Abteilung bereits vor dem Aus. Diese Entwicklungen sollten EA SPORTS ein Warnschuss sein. Niemand weiß, wann die Beschränkungen durch die Corona-Krise wieder gelockert werden. Und wenn der FIFA-eSport weiterhin ruht, wird der Schaden sukzessive größer.

Christian Mittweg