2. Bundesliga

FCN: Ein erstaunliches Finanzergebnis mit einem Aber

Nürnberg verkündet Gewinn - Ausgliederung "macht gerade gar keinen Sinn"

FCN: Ein erstaunliches Finanzergebnis mit einem Aber

Die Geschäftszahlen beim 1. FC Nürnberg könne sich sehen lassen: Vorstand Niels Rossow.

Die Geschäftszahlen beim 1. FC Nürnberg könne sich sehen lassen: Vorstand Niels Rossow. imago images

Denn: Der Club hat das vergangene Geschäftsjahr zum Stichtag 30. Juni 2020 mit einem Gewinn von 1,8 Millionen Euro abgeschlossen und dadurch sein im vergangenen Jahr erstmals wieder positives Eigenkapital von 8,6 auf 10,4 Millionen Euro erhöhen können.

"Damit haben wir eine Eigenkapitalquote von rund 30 Prozent - das ist ein Wert, über den sich gerade jeder Fußballverein, aber auch jede Firma freuen kann", so Rossow. Anders ausgedrückt: Der vor vier Jahren noch von der Insolvenz bedrohte Traditionsverein geht heute als wirtschaftlich stabiles, gesundes Gebilde durch. Selbst bei einem erneuten Lockdown würde der FCN über genügend liquide Mittel verfügen, wie es im Finanzdeutsch heißt. Dies bedeutet: Er wäre nicht zahlungsunfähig und somit auch nicht von der Insolvenz bedroht.

Der FCN hat prima verkauft

Das gute Ergebnis mag auf den ersten, flüchtigen Bick erstaunen, schließlich hatte der Club einen millionenschweren Abstieg zu verkraften - und auch der Umstand nach dem Re-Start vier seiner Heimpartien ohne Zuschauer austragen zu müssen, bescherte dem FCN eine Mindereinnahme von rund 1,5 Millionen Euro. Warum der FCN dennoch so positive Zahlen schreiben konnte, ist schnell erklärt. Er hat im Frühjahr und Sommer 2019 prima verkauft, für Tim Leibold, Eduard Löwen und Co. einen Transfererlös von 11, 8 Euro erzielt. Unter Strich hat dies in Sachen Transfertätigkeiten einen Nettogewinn von 3,8 Millionen Euro beschert.

Rossow schließt Verkäufe nicht aus

Schöne Zahlen, die sich allerdings in diesem laufenden Geschäftsjahr nicht wiederholen werden. Rossow rechnet mit einem Minus im mittleren siebenstelligen Bereich. Dies ist allerdings äußerst positiv kalkuliert, denn die zu erwartenden Mindereinnahmen sind unabhängig von der Corona-Pandemie happig: Der FCN hat in der jüngsten Transferperiode keine nennenswerten Erträge erzielt, die TV-Gelder schrumpfen um rund vier bis fünf Millionen Euro, Rang 16 der Vorsaison lässt grüßen, und ehemalige leitende Angestellten stehen weiter auf der Gehaltsliste.

Und sollte es in dieser Saison nur Geisterspiele geben, würde dies das Minus weiter vergrößern. Es sei denn, die rund 350 Angestellten des Vereins verzichten auf Teile ihres Gehalts, wobei da in erster Linie selbstredend die Profis gefragt wären. Nicht zu vergessen, dass der Club mit ein, zwei guten Transfers das Minus klein halten könnte. Kein Wunder, dass Rossow Verkäufe auch nicht ausschließt: "Unser Geschäftsmodell sieht wie bei den meisten anderen Klubs Transfererlöse vor."

Wie der Club versucht, "sichtbarer" zu werden

Was die Nürnberger abseits von Gewinnen und Verlusten laut Rossow auch vorsehen: eine gesellschaftliche Relevanz in der Stadt wie in der Region, eine positive, sei angefügt. Als er vor gut zwei Jahren den Vorstandposten beim FCN antrat, nannte er es als eines seiner großen Ziele, das Image des Vereins zu verbessern und ihn "sichtbarer, relevanter" zu machen.

Worten, denen ein klares Konzept folgte, das Rossow und sein Team entwarfen und erfolgreich mit Leben füllten. Das beginnt mit von einigen zu Unrecht belächelten Aktionen wie den FCN-Strampler für jedes neugeborene Kind in Nürnberg, einer Straßenbahn wie einem Ferienflieger im FCN-Look und setzt sich über eine Hortliga, eine Gedenkstättenfahrt, dem Reinigen von Bolzplätzen fort, um nur einige aufzuführen. Bundesweite Beachtung hat die mit der Unterstützung der Ultras durchgeführte Einkaufsaktion während des Lockdowns gefunden.

Neue Online-Plattform ins Leben gerufen - mit Gewinnen wie Hans Meyers Fahrrad

Unter dem Oberbegriff "Der Club ist viel mehr als nur Zahlen" hat Rossow bei der Versammlung noch mal verdeutlicht, dass es der FCN als seine Pflicht ansieht, seiner gesellschaftlichen Bedeutung nachzukommen - und dabei eine Neuerung bekannt gegeben. Wer sich zukünftig über die anstehenden sozialen Aktionen des Club informieren und tatkräftig mithelfen möchte, für den hat der FCN die Online-Plattform "UnserClub.de" inklusive eines Bonussystems ins Leben gerufen. Für jedes Mitmachen bei einer Aktion erhält Frau oder Mann Punkte, mit denen man wiederum Preise gewinnen kann, die es nicht zu kaufen gibt. Zum Beispiel das Hollandfahrrad von Ex-Trainer Hans Meyer oder ein Abendessen mit einem Spieler.

"Wir müssen Farbe bekennen, zum Beispiel zu unserer Geschichte stehen und sie aufarbeiten, für andere einstehen und Haltung zeigen", betont Rossow in diesem Zusammenhang, um im gleichen Atemzug, Rassismus und nationalsozialistischem Gedankengut den Kampf anzusagen: "Beides hat bei uns keinen Platz, dafür haben wir null Toleranz und Verständnis."

"Das Projekt Ausgliederung ist weit weg geparkt"

Kein Thema mehr ist momentan und in nächster Zukunft eine vor drei Jahren ins Auge gefasste und bereits konkret angegangene Ausgliederung der Profiabteilung, auch dies machte Rossow klar: "Das macht aus kaufmännischer Sicht derzeit gar keinen Sinn. Das Projekt Ausgliederung ist weit weg geparkt." Mit anderen Worten: Der FCN bleibt für längere Zeit ein e.V., was wiederum viele FCN-Anhänger begrüßen.

Ein klares Bekenntnis gab der Kaufmännische Vorstand indes auch für das Vereinsgelände am Valznerweiher ab: "Es ist und bleibt unsere Heimat." Eine Aussage, die vor dem Hintergrund zu sehen ist, dass der nur noch aus der Fußballabteilung bestehende 1. FCN im nächsten Jahr den kompletten Zugriff auf das Vereinsgelände bekommt, die Nutzungsrechte des Dachvereins wie auch die vom Freistaat Bayern auferlegten Nutzungsbeschränkungen erlöschen. Und da es sich um eine Premium-Immobilien-Lage handelt, könnte der Club viele, viele Millionen erhalten, wenn er sein Gelände verkauft und umzieht. Erste konkrete Gedanken dazu gab es bereits, die Stadt prüfte vor zwei Jahren, ob ein Umzug rund um das Areal am Max-Morlock-Stadion realisierbar sei. Ein Gedankenspiel, dem Rossow nun eine klare Absage erteilte.

Chris Biechele