2. Bundesliga

FCN-Coach Robert Klauß: Der Prozess lässt auf sich warten

Erstes Zwischenfazit nach der Partie in Paderborn

FCN-Coach Klauß: Der Prozess lässt auf sich warten

Er will mit dem Club in Paderborn in die Erfolgsspur zurückkehren: Coach Robert Klauß.

Er will mit dem Club in Paderborn in die Erfolgsspur zurückkehren: Coach Robert Klauß. imago images

Ein Stück weit kurios ist dies allerdings schon, denn der am Dienstag 36 Jahre alt gewordene Fußballlehrer sprach nur das aus, was der bisherige Saisonverlauf bislang lehrte. Die Fürther Mannschaft ist nicht nur wegen ihrer nunmehr fünf Siege am Stück das Team der Stunde, seit Saisonbeginn überzeugt sie als spielerisch feine und gut abgestimmte Einheit, die Partie in Würzburg (2:2) ausgeklammert. Dem Club indes geht diese Beständigkeit ab, er zeigte zwar immer wieder vielversprechende Ansätze, doch zugleich auch immer wieder die aus der vergangenen Saison wohl vertrauten Schwächen.

Um den Vergleich zum Nachbarn fortzuführen: Kein Wunder, denn die SpVgg hat eine kontinuierlich aufgebaute und gewachsene Mannschaft, während der Club vor gut einem Jahr fast alles von rechts nach links krempelte - und dabei gelinde gesagt kein glückliches Händchen hatte. Und die Nachwehen der missratenen Kernsanierung wirken auch heute unverändert nach, allen machbaren Korrekturversuchen im Sommer zum Trotz. Die Legende, dass sich die Mannschaft in der vergangenen Saison mit Rang 16 weit unter ihren Möglichkeiten verkauft hätte, entpuppt sich mehr und mehr als Trugschluss angesichts des derzeitigen 13. Tabellenrangs, der exakt die bisherige Leistungsfähigkeit widerspiegelt. Von den bisherigen zehn Punkten ist gemessen an den Spielverläufen keiner zu viel, keiner zu wenig - was wiederum den Ansprüchen des Traditionsvereins nicht entspricht. Ein Umstand, dem die wenigsten dem im Sommer mit der Idee eines stets aktiven wie aggressiven Spielstils angetretenen Klauß ankreiden.

Es steht ja keine blutjunge Mannschaft auf dem Feld

Andererseits droht sich auch seine Bitte um Geduld mit dem Hinweis auf einen laufenden Prozess langsam totzulaufen. Besagter Prozess ist nämlich bisher nur bedingt auszumachen, und zudem steht da ja auch im Schnitt keine blutjunge Mannschaft auf dem Feld, die einfach nur Lehrgeld bezahlt. Es ist vielmehr so: Sie macht einfach immer wieder zu viele Fehler, gerade auch einfache, die das Trainerteam durch ständige Wiederholungen im Training zu verhindern versucht. Anders ausgedrückt: Die Automatismen sitzen, obgleich zigmal eingeübt, immer noch nicht so recht.

Siehe das Derby gegen Fürth: Unmittelbar vor dem Ausgleich treibt Fürths Innenverteidiger Mavraj den Ball zu lange, lässt sich dabei nach außen in einen zugestellten Raum abdrängen und löst damit eine klassische Situation fürs Pressing ein. Der Club nimmt diese Einladung an, erobert den Ball, der kurz darauf im Netz des Nachbars zum 1:1 zappelt.

Runde eine halbe Stunde später kommt es fast exakt zur gleichen Situation: Mavraj treibt den Ball erneut nach außen, nur ist dieses Mal der Raum dort links auf der Höhe der Mittelfeldlinie gar noch einen Tick dichter besetzt - dieses Mal jedoch verschläft der FCN die Gunst des Ballgewinns. Zwar stehen alle dicht am Mann, doch Eingreifen, Stören? Fehlanzeige. Die Folge: Fürth kombiniert sich wunderbar aus der Enge und führt Sekunden später wieder mit 2:1. Ein wunderschön herausgespielter Treffer, der jedoch im Ansatz leicht zu verhindern gewesen wäre.

Weltuntergangsstimmung ist vor dem Gang nach Paderborn beim Club dennoch nicht angesagt, dafür ist die Saison noch zu jung, und dafür liegen die Mannschaften in der Tabelle noch viel zu eng zusammen. Andererseits ist für den Trainer diese Partie sehr wohl eine erste Zwischenmarke. Vor Wochen äußerte er, dass für ihn die Situation erst nach dem zehnten Spieltag eine gewisse Aussagekraft besäße und er folglich erst dann ein erstes Zwischenfazit ziehen würde.

Chris Biechele

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