3. Liga

FCK: Der Betzenberg brennt mal wieder lichterloh

Diskussion um konkurrierende Investorenangebote eskaliert

FCK: Der Betzenberg brennt mal wieder lichterloh

Teuflisch: Eckfahne in Kaiserslautern.

Teuflisch: Eckfahne in Kaiserslautern. imago images

Mit offiziellen Stellungnahmen rund um das Insolvenzverfahren und die Investorensuche hielt sich der FCK in den vergangenen Tagen zurück. Bis zu diesem Freitag. Nach einem über die sozialen Medien lancierten Statement eines möglichen Investors, dessen Echtheit der kicker bestätigen kann, sah sich der Verein zu einer Stellungnahme gezwungen.

"Die Mitglieder des Aufsichtsrats sowie des Beirats der FCK KGaA distanzieren sich ausdrücklich von diesem Post - formell wie inhaltlich!", heißt es darin unter anderem. Dies suggeriert eine einheitliche Meinung innerhalb der Gremien, doch davon kann keine Rede sein. Sonst würde wohl kaum ein Mitglied des Aufsichts- und Beirats eine vierseitige Stellungnahme zu den Vorgängen über private Kanäle abgeben und intern zum Rücktritt aufgefordert werden. Doch dazu später mehr.

Zwei Angebote liegen vor

Zunächst zu den Fakten: Dem FCK liegen zwei Investorenangebote vor, die sich im Grunde nicht gegenseitig ausschließen, es wohl letztlich aber doch tun. Aber offensichtlich nur von einer Seite. Klingt nicht nur kompliziert, ist es auch. Die Offerte Nummer eins kommt von eben diesem Geldgeber, der sich nun zu Wort gemeldet und dem Klub eine verlängerte Frist zur Annahme bis zum 31. Juli eingeräumt hat.

Die Investitionssumme, so heißt es, "beläuft sich in einem Bereich, der die Sicherung der Existenz über mehr als zwei Spielzeiten sichert". Nach kicker-Informationen kann von rund 20 Millionen Euro ausgegangen werden. Es ist kein Geheimnis, dass diese Variante insbesondere vom Aufsichtsratsvorsitzenden Jörg E. Wilhelm favorisiert wird.

Großgläubiger sollen verzichten

Der Investor, bei dem es sich um einen in Dubai lebenden Deutschen handeln soll, bietet zudem folgendes an: "Unterstützungsleistungen im Bereich Sport und das von ihm favorisierte und bereits im Bereich des Fußballs bei olympischen Spielen sehr erfolgreich umgesetzte Sport-Konzept. Das von ihm zusammengestellte Beratungsteam, das auf seine Kosten bei der Analyse der Profifußballabteilung und bei den Nachwuchsmannschaften im zu optimierenden NLZ eingesetzt werden soll, steht bereit und würde unverzüglich nach Annahme seines Angebotes die Reise nach Kaiserslautern antreten." Zwingende Vorrausetzung für das Investment ist der Verzicht der Großgläubiger auf 90 Prozent ihrer Verbindlichkeiten.

In diesem Punkt unterscheidet sich das Angebot nicht von Offerte Nummer zwei. Auch für die Gruppe der in Kaiserslautern bekannten regionalen Investoren ist diese Bedingung zwingend. Für die Gläubiger, die im Insolvenzverfahren durch den Ausschuss gemeinsam mit Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und dem vom Gericht bestellten Sachwalter Andreas Kleinschmidt letztlich über die Erteilung des Zuschlags mitentscheiden dürfen, scheint es also keinen Unterschied zu machen.

Co-Investment scheint keine Option

Einen Unterschied gibt es jedoch im Volumen, das Angebot der regionalen Investoren beinhaltet nur eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund acht Millionen Euro. Damit könnte die kommende Saison zwar finanziert werden, ohne weiteren Nachschub würde der Klub im kommenden Sommer aber erneut vor dem drohenden Aus stehen. Ein Co-Investment bei gleichzeitigem Einstieg des großen Geldgebers, der dies ausdrücklich als Option darstellt, scheint für die lokale Gruppe offenbar keine Option.

Stichwort Kommunikation

Jeweilige Details der Angebote über die gewünschte Einflussnahme im operativen Geschäft würden hier den Rahmen sprengen. Sollten jedoch definitiv nicht zu akzeptierende Bedingungen beinhaltet sein, wie Handlungsträger über die jeweils von ihnen nicht favorisierte Lösung behaupten, dürfte das der Verein zur Erklärung im Nachgang sicher kommunizieren - im eigenen Interesse.

Dabei ist Kommunikation schon in diesen Tagen das Stichwort. Denn als wären die wirtschaftlichen Probleme nicht groß genug, erleidet der viermalige deutsche Meister in der Außendarstellung mal wieder einen massiven Schiffbruch. Ob es der Sache dient, wenn sich ein Aufsichtsrat auf Twitter mehrfach und ausführlich zu den Vorgängen äußert und in gewissen Teilen auch einer zuvor veröffentlichten Pressemitteilung des Vereins widerspricht, ist sicherlich in Frage zu stellen. Doch dazu hätte es nie kommen dürfen.

Wilhelm lehnt Rücktritt ab

Es zeigt einmal mehr, dass intern etwas gehörig nicht stimmt und wie verhärtet die Fronten bereits sind. Nach kicker-Informationen, die Wilhelm inzwischen bestätigte, wurde der Jurist von Mitgliedern des Bei-/Aufsichtsrats um den früheren Schiedsrichter Markus Merk zum Rücktritt aufgefordert. Diesem will der international tätige Rechtsanwalt nicht nachkommen. Im Gegensatz zu Wilhelm verfolgt der Großteil des Gremiums die Lösung mit der regionalen Investorengruppe.

Es ist also wieder die alte Leier: Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, zerlegt sich der einst stolze Bundesligist in der Öffentlichkeit selbst. Dabei sollten genau solche Vorfälle, die unter der ehemaligen Vereinsführung bereits das komplette Jahr 2019 prägten und in den letzten 20 Jahren regelmäßig zur Tagesordnung gehörten, endgültig der Vergangenheit angehören. Mit diesem Verhalten drohen die Verantwortlichen jedenfalls jegliche Glaubwürdigkeit zu verspielen.

Moritz Kreilinger