Bundesliga

FC: Kommt ein Sportdirektor?

Nach der Mitgliederversammlung: Overath bleibt

FC: Kommt ein Sportdirektor?

Wolfgang Overath entschied sich gegen einen Rücktritt. Abgestraft wurde er von den Mitgliedern dennoch.

Wolfgang Overath entschied sich gegen einen Rücktritt. Abgestraft wurde er von den Mitgliedern dennoch. picture alliance

1317 der zu später Stunde noch anwesenden Mitglieder stimmten gegen die Entlastung, nur 520 dafür. 104 Anwesende enthielten sich. Vizepräsident Friedrich Neukirch sagte in seinem Schlussstatement: "Wir nehmen das als klares Signal auf. Wir müssen uns Gedanken machen, was das bedeutet."

Während Neukirch nach der Versammlung - der längsten in der Historie des Vereins - den noch anwesenden Medienvertretern Rede und Antwort stand, verabschiedete sich Präsident Wolfgang Overrath schnell und ließ seine Zukunft wieder offen: "Wir müssen zunächst eine Nacht darüber schlafen. Dann sehen wir weiter", sagte der Weltmeister von 1974. Am nächsten Morgen dann die unmissverständliche Ansage: Overath macht weiter! "Ob und wann ich einmal zurücktrete, das bestimme ich selbst. Das bestimmt nicht eine Gruppe von Chaoten", so der 67-Jährige zum Kölner "Express". Vereinssprecher Christopher Lymberopoulus bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag Overaths Entscheidung. Auf der Vereinswebsite wurde Overath mit etwas gemäßigteren Worten zitiert: "Es gab eine kleine Gruppe von Mitgliedern, die gezielt Stimmung mit Zwischenrufen gemacht hat. Mit diesem provokativen Verhalten kann ich nicht einverstanden sein. Es geht nicht um den Großteil unserer Mitglieder, die sachlich und kritisch mit uns in den Dialog getreten sind. Insgesamt mache ich mir Gedanken, wenn das unser 1. FC Köln sein soll."

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Borussia Dortmund Borussia Dortmund
34
2
1. FSV Mainz 05 1. FSV Mainz 05
27
3
Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen
25
1. FC Köln - Vereinsdaten
1. FC Köln

Gründungsdatum

13.02.1948

Vereinsfarben

Rot-Weiß

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Overath hatte bereits in seiner Rede vor der Mitgliederversammlung noch erklärt - entgegen aller Spekulationen um einen Rücktritt - weiter an der Spitze des Vereins bleiben zu wollen. "Ich stehe in der Pflicht, ich werde den Weg gemeinsam mit euch fortsetzen", rief er den Anhängern zu. Und: Er wolle das Vertrauen der Mitglieder zurückgewinnen.

Die Mitgliederversammlung im Staatenhaus am Rheinpark hatte wegen des großen Interesses erst mit einer halben Stunde Verspätung begonnen. Statt der erwarteten rund 2000 kamen zunächst 3119 stimmberechtigte Mitglieder. Großen Unmut über die prekäre sportliche Situation des Tabellenletzten bekam vor allem Manager Michael Meier zu spüren.

Nachdem die Vereinshymne abgespielt war, skandierten die meisten Besucher "Meier raus". Die Anhänger machen vor allem den Manager für die Transferpolitik der letzten Jahre und das Anwachsen des Schuldenberges der Kölner verantwortlich.

In der Tat hat der 1. FC Köln das Geschäftsjahr mit einem leichten Minus von 443.000 Euro abgeschlossen. Die Verbindlichkeiten betragen laut dem Geschäftsbericht damit nun 24,122 Millionen Euro. Dafür verbuchte der Tabellenletzte der Bundesliga einen Rekordumsatz von 72,571 Millionen Euro. Dies sind noch einmal gut fünf Millionen Euro mehr als im Vorjahr, das bereits einen Rekordwert aufwies.

Overath: "Auch Meier hat Fehler gemacht"

Die ebenfalls anwesende Mannschaft mit Lukas Podolski und Trainer Frank Schaefer an der Spitze erhielt allerdings Applaus, besonders der Nachfolger des entlassenen Coaches Zvonimir Soldo. Vizepräsident Friedrich Neukirch bat in seiner Rede um einen "respektvollen und fairen Umgang", woraufhin sich die Wogen erst einmal etwas glätteten.

Volles Haus: Das Interesse an der Kölner Mitgliederversammlung ist hoch.

Volles Haus: Das Interesse an der Kölner Mitgliederversammlung ist hoch. picture alliance

Overath verteidigte Meier, der einen Vertrag bis 2013 hat: "Auch Michael Meier hat Fehler gemacht, doch jeder der arbeitet, macht Fehler." Dennoch kündigte er an, dass man sich mit der Situation beschäftigen und überlegen werde, was man machen kann. Er sprach dabei von der neu zu schaffenden Position eines Sportdirektors.

Schindelmeiser hat "keinen Kontakt" - Engels im Fokus?

Doch wer könnte im Falle des Falles einer Entmachtung Meiers für die dringend nötige sportliche Kompetenz sorgen? Jan Schindelmeiser (zuletzt Hoffenheim), dem der Boulevard Verhandlungen mit dem FC nachsagt, hat "keinen Kontakt zum FC". Ohnehin wäre eher ein durchsetzungsfähiger Charakterkopf gefragt wie Jörg Schmadtke, der aktuell die Lage in Hannover mit einem immer dominanter werdenden Trainer Mirko Slomka skeptisch beobachtet. Schmadtke, das bewies er in Aachen und Hannover, ist einer, der mit kleinem Geld gute Spieler holen kann: Ibisevic, Ya Konan, Abdellaoue. Wie Thomas von Heesen, der einst in Bielefeld Näschen bewies und jetzt dem FC-Vorstand angeboten wurde. Auch Gerhard Poschner würde ins Profil passen. Dieser hatte im Vorjahr Real Saragossa, damals Letzter in Spanien, mit einem kostengünstigen Umbau im Winter zum Klassenerhalt verholfen. Allerdings hat Overath auch die interne Lösung im Auge. Bei dieser kann es sich nur um Stephan Engels (50) handeln. Doch ob der Nachwuchskoordinator, der schon für Frank Schaefer Trainer entscheidend Partei ergriff, die Gemüter beruhigen würde? Denn: Trotz guter Arbeit hinge ihm der Makel "Kölscher Klüngel" an.

Schaefer und Lottner bis zum Winter fest im Sattel

Zum Trainergespann Frank Schaefer und Co-Trainer Dirk Lottner gab Overath zu verstehen, dass die Klubführung zumindest bis zur Winterpause auf das Duo bauen will. Zu Vertragslaufzeiten äußerte sich Overath nicht.

Kritisch äußerte sich Overath dafür zum Team des Bundesligisten: "Was die Mannschaft abgeliefert hat, ist schlecht. Sie steht jetzt in der Pflicht." Erhellende Antworten auf die sportliche Misere konnten die Bosse aber nicht geben.

Nach dem 0:4 gegen den rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach waren die Kölner auf den letzten Rang abgerutscht, die Stimmung war daher besonders aufgeheizt.