Bundesliga

BVB: Favre trainiert die Rückkehr zur Viererkette

Abkehr vom Erfolgsrezept der vergangenen Rückrunde deutet sich an

Favre trainiert die Rückkehr zu der von ihm favorisierten Viererkette

Dortmunds Trainer Lucien Favre favorisiert die Viererkette.

Dortmunds Trainer Lucien Favre favorisiert die Viererkette. imago images

Zwei Tests hat der BVB in dieser Vorsaison bislang absolviert. Beide Partien wurden souverän gewonnen. Und in beiden Spielen ließ Trainer Lucien Favre seine Mannschaft mit einer Viererkette spielen. Überraschend kam das mit Blick auf die Trainingseindrücke der ersten beiden Vorbereitungswochen nicht - eine andere Abwehrformation setzte der 62-Jährige bislang noch nicht auf den Übungsplan. Auch nicht die in der Vorsaison so erfolgreich praktizierte Dreier-/Fünferkette.

Guerreiro wäre seiner Stärken etwas beraubt

Favre ist ein Anhänger der Viererkette, wie er dem kicker in einem exklusiven Interview bereits in der vergangenen Rückrunde gestand. Dennoch gibt es gute Argumente gegen eine Rolle rückwärts zu der Grundformation, die die Borussia in der Hinrunde der Spielzeit 2019/2020 teils bedenklich wackeln ließ. Neben dem überwiegend guten Abschneiden in der Rückrunde lautet das wohl größte: Raphael Guerreiro wäre als reiner Linksverteidiger fast ein wenig verschenkt, könnte er doch auf dieser eher defensiv orientierten Position sein Spielverständnis, seine Torgefahr und seine Kombinationsstärke nicht so ausleben wie als vorgerückter Außenbahnspieler einer Dreier-/Fünferkette.

Muss Hummels wechseln?

Auch für Abwehrchef Mats Hummels könnte die Viererkette eine Umstellung mit sich bringen: Sollte Favre - worauf derzeit einiges hindeutet - dauerhaft auf den derzeit verletzten Linksfuß Dan-Axel Zagadou als Hummels' Nebenmann setzen, müsste der Weltmeister von 2014 auf die rechte Innenverteidiger-Position rücken. Gänzliches Neuland wäre das für ihn nicht. Unter Thomas Tuchel etwa spielte Hummels in der Vorbereitung zur Spielzeit 2015/2016 auf der rechten Innenverteidigerposition, wechselte zum Saisonstart dann aber doch wieder auf die linke Seite und blieb dort auch für den überwiegenden Teil der Spiele.

Emre Can wiederum, der sich in Dortmund als Innenverteidiger einen Platz im EM-Aufgebot sichern möchte, könnte bei der Abkehr von der Dreier-/Fünferkette dauerhaft ins Mittelfeldzentrum rücken. Eine Rolle, die er zwar ob seiner Aggressivität ausfüllen kann, die aber nicht (mehr) seinem eigenen Ideal entspricht. Zumal das Angebot an Sechsern, Achtern und Zehnern auch ohne den 26-Jährigen bereits groß ist - und durch die Ausleihe von Reinier (Real Madrid) in dieser Woche noch üppiger geworden ist. Doch genau in diesem Überschuss an Zentrumsspielern könnte die Ursache für Favres Überlegungen liegen. Denn die eingesparte Position in der Abwehrkette würde einen weiteren Mittelfeldspieler im Zentrum ermöglichen - und dem Fußballlehrer dadurch die Auswahl erleichtern.

Der BVB wäre schwerer ausrechenbar

Je nach Besetzung dieser Position ließe sich außerdem die Flexibilität signifikant erhöhen. Würde etwa Can auf der Sechser-Position einer 4-2-3-1-Formation agieren, ließe sich problemlos während einer Partie auch auf eine Dreier-/Fünferkette wechseln. Der deutsche Nationalspieler müsste lediglich eine Reihe nach hinten rutschen, sich seine Mitspieler etwas anders positionieren. Die Folge: Der BVB wäre schwerer ausrechenbar - und könnte auf unterschiedliche Spielsituationen sowohl besser als auch schneller reagieren als bisher.

Matthias Dersch

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