Bundesliga

Favre widerspricht Drmic und Xhaka

Gladbach/Nürnberg: Verbeek angefressen

Favre widerspricht Drmic und Xhaka

Aufreger: Gladbachs Xhaka attackiert Nürnbergs Drmic - der Elfmeterpfiff blieb aus.

Aufreger: Gladbachs Xhaka attackiert Nürnbergs Drmic - der Elfmeterpfiff blieb aus. imago

Als der Tross der Nürnberger kurz vor 22 Uhr am Samstagabend die Katakomben des Borussia Parks verlassen hatten, erklärte Schiedsrichter Christian Dingert seine Sicht der Dinge. "Der Ball muss mit vollem Durchmesser hinter der Linie sein - das war er nicht", sagte der 33-Jährige mit Nachdruck.

Es ging um die Szene in der 81. Minute, als sich die Mannschaft von Trainer Gertjan Verbeek nach dem Doppelschock durch Juan Arango und dem Eigentor von Niklas Stark gerade wieder erholte: Drmic hatte aus elf Metern abgezogen, die Unterkante der Latte getroffen, von der der Ball nach unten sprang und nicht zweifelsfrei hinter der Linie aufschlug. "Klares Tor. Der Schiedsrichter hat geschlafen", sagte Club-Coach Verbeek sichtlich angefressen. Der Unparteiische ließ hinterher zumindest durchblicken, dass er ein Freund der Torlinien-Technik sei, "aber wir Schiedsrichter haben das nicht zu entscheiden".

Zur Torlinientechnik hat auch Verbeek eine klare Meinung. "Ich habe vor zwei Jahren Australian Football gesehen. Dort gibt es einen Video-Schiedsrichter, über den alle Entscheidungen fallen. Es kann doch nicht sein, dass uns am Ende der Saison ein Punkt fehlt und wir absteigen", sagte der Niederländer und schickte einen Seitenhieb in Richtung UEFA-Präsident: "Wir haben die Technologie, aber wir haben auch einen Michel Platini. Und der ist der Boss."

Die Szene offenbarte aber einmal mehr, dass auch die bloßen TV-Bilder und Superzeitlupen nicht völlig ausreichen, um solche Szenen korrekt aufzulösen. Denn ob sich die Auswölbung des Balles nicht vielleicht doch über der Linie befand, wie die Sky-Experten Markus Merk und Jan Aage Fjörtoft gestenreich und kontrovers aufzeigen wollten, lässt sich wohl nur mit präziserer Technik nachweisen. Geholfen hätte das "hawk-eye", wie es seit dieser Saison in der englischen Premier League im Einsatz ist. Oder Das kamerabasierte System der Firma GoalControl, das beim ConfedCup im Einsatz gewesen ist und das auch 2014 bei der WM in Brasilien verwendet wird. Die Fifa hat sich für dieses System und nicht für das "hawk-eye" entschieden. Nach Angaben des Fußball-Weltverbandes erreiche man damit eine fünf Millimeter Genauigkeitsabweichung.

"Wenn er das pfeift, höre ich auf mit Fußball - mit 21."

Granit Xhaka

Eine zweite, Technik-unabhängige Frage stand ebenfalls im Zentrum der Nürnberger Nachbetrachtung. Als der Gladbacher Granit Xhaka seinen Schweizer Landsmann Drmic im Strafraum zu Fall brachte - mit viel Risiko im Zweikampf, Ball- und Körperkontakt - wartete der FCN vergeblich auf einen Elfmeterpfiff. "Wenn er das pfeift, höre ich auf mit Fußball - mit 21", sagte Xhaka, der sich nach dem Spiel mit Drmic über die Szene unterhielt. "Granit hat den Ball getroffen und der Schiedsrichter hat alles richtig gemacht. Man muss auch fair sein", sagte Drmic in bester Sportmann-Manier.

Allerdings fand man auch im Lager der Borussen gewichtige Zweifler. "Das war ein Elfmeter, das müssen wir so sagen", sagte immerhin VfL-Trainer Lucien Favre.

Erstmals seit März 2008: Rote Laterne für den Club

Unter dem Strich steht für die Nürnberger die fünfte Saisonniederlage, Platz 18 und viel Lob, für das sie sich nichts kaufen können. Nürnberg bleibt auch nach zwölf Runden sieglos, obwohl sie nach dem 0:3 gegen Freiburg am 11. Spieltag und auch beim 1:3 in Mönchengladbach über weite Strecken das bessere Team waren. "Wir waren die glücklichere Mannschaft", sagte Favre über den Club, der erstmals seit März 2008 wieder die rote Laterne übernahm.