Bundesliga

BVB-Coach Lucien Favre über Marco Reus: "Zufrieden, dass er wieder da ist"

Rückkehr des BVB-Kapitäns fällt überzeugend aus

Favre über Reus: "Wir sind sehr zufrieden, dass er wieder da ist"

Dortmunds Marco Reus (li.) traf beim Comeback.

Dortmunds Marco Reus (li.) traf beim Comeback. Getty Images

Nach 70 Minuten war die Zeit gekommen: Marco Reus atmete tief durch, zog sich die Kapitänsbinde vom Arm und warf sie zu Mahmoud Dahoud. Dann joggte der Spielführer von Borussia Dortmund zur Seitenlinie, klatschte mit Nachwuchskicker Goktan Gürpüz ab und beendete damit unter den Augen der versammelten Führungsetage des BVB sowie des externen Klubberaters Matthias Sammer seinen Arbeitstag im Jugendstadion der Borussia im Dortmunder Stadtteil Brackel. Auch wenn kein Applaus von den - weitgehend leeren - Rängen auf ihn niederprasselte, waren es besondere Momente für den 31-Jährigen, der 216 Tage lang darauf warten musste, wieder auf dem Platz zu stehen und hinterher zufrieden feststellte: "Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung."

Seit Anfang Februar fehlte er verletzt, eine entzündete Sehne im Adduktorenbereich hatte immer wieder Probleme bereitet und die Ausfallzeit länger und länger werden lassen. Erst ein Besuch bei Biostatiker Ralph Frank sorgte für den ersehnten Durchbruch. Er ermöglichte durch seine Behandlung Reus' Comeback, das dieser bei der Generalprobe des BVB vor dem Pokalspiel in Duisburg am kommenden Montag sogar mit einem Tor krönen konnte - und das dann doch schneller kam, als es noch zu Vorbereitungsstart in Dortmund viele erwartet hatten.

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Borussia Dortmund - Vereinsdaten
Borussia Dortmund

Gründungsdatum

19.12.1909

Vereinsfarben

Schwarz-Gelb

Reus mit Freude am Ball

"Zwischendurch waren die Nachrichten nicht so gut", verriet Lucien Favre nach dem bestandenen Härtetest seines Lieblingsschülers, den er einst bereits in Mönchengladbach trainierte. Dann aber seien die Signale plötzlich positiver geworden. Reus habe seitdem gut gearbeitet und "mit viel Power" trainiert. Der Lohn, wenn auch ein vergleichsweise bescheidener, war sein Einsatz im Test gegen Rotterdam und die damit verbundene Aussicht auf eine Teilnahme an den kommenden Pflichtspielen, möglicherweise bereits im Pokal in Duisburg am kommenden Montag (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) oder fünf Tage später beim Bundesliga-Start gegen Mönchengladbach (18.30 Uhr). Wer darauf vor einigen Wochen gewettet hätte, könnte sich bald wohl über ein stattliches Gewinnsümmchen freuen.

"Marco hat mir gut gefallen"

Für jeden ersichtlich war, wie sehr Reus am Montagabend seine Rückkehr genoss. Von Beginn an trat er gegen Rotterdam engagiert auf. Er suchte die Aktionen, scheute sich nicht vor Zweikämpfen und war prompt der gefährlichste Akteur seiner Mannschaft, der vom Rotterdamer Tor geradezu angezogen wurde. Er versuchte es per Freistoß, aus dem Strafraum heraus, aus halblinker und halbrechter Position. Stück für Stück arbeitete er sich so näher an den gegnerischen Kasten heran, ehe er in der 63. Minute für seinen Eifer belohnt wurde. Von Julian Brandt am linken Strafraumrand eingesetzt pumpte sich Reus mit Tempo und Entschlossenheit an gleich vier Gegenspielern vorbei, ehe er den Ball ins linke Toreck schoss. Es war ein schönes Tor - besonders für Reus selbst, der so lange auf dieses Erfolgserlebnis warten musste.

"Marco hat mir gut gefallen. Er hat lange gespielt, das Tor gemacht und viele quirlige Aktionen gehabt. Auch in den Zweikämpfen hat er dagegengehalten", bilanzierte anschließend BVB-Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl. "Das war ein wichtiges Zeichen für ihn." Und auch Favre, der ein Freund des behutsamen Aufbaus seiner Rekonvaleszenten ist, zeigte sich mit dem Auftritt des lange Vermissten einverstanden: "Wir sind sehr zufrieden, dass er wieder da ist."

Reus' Fitnessstand? Überraschend gut!

Der Schweizer hatte seinen Führungsspieler selbst entscheiden lassen, wie lange er spielen wolle. Auf eine kurze Nachfrage zur Pause, ob es noch gehe, habe Reus grünes Licht für weitere Minuten gegeben - zur Freude des Dortmunder Trainers, der nach diesem Test wesentlich besser einzuschätzen weiß, wie es um Reus' Leistungsfähigkeit bestellt ist: nämlich überraschend gut.

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Allerdings beging im Dortmunder Lager niemand den Fehler, die Wertigkeit der Partie zu überschätzen. Der niederländische Erstligist war kein wirklich ernstzunehmender Gegner an diesem Tag, zu sehr igelten sich die Gäste aus Rotterdam in ihrer eigenen Hälfte ein und versuchten lange Zeit erst gar nicht, sich in die Nähe des Dortmunder Tores vorzuspielen. Dem BVB fiel es entsprechend leicht, den Ball zu kontrollieren und laufen zu lassen - wenngleich er nur selten zu klaren Chancen kam. Deutlich erkennbar war, dass sich der Systemwechsel Favres - erstmals bot er seine Mannschaft in dieser Vorbereitung mit der in der Vorsaison so erfolgreich eingeführten Dreierkette auf - positiv auf die Sicherheit im Dortmunder Spiel auswirkte.

Can und Brandt spielen direkt

Die Borussen, bei denen überraschend auch die am Montag erst aus Basel zurückgekehrten Nationalspieler Emre Can und Julian Brandt mitwirkten, strahlten bis auf einige wenige Szenen in der Schlussphase Stabilität und Sicherheit aus - ganz anders als in so manchem zurückliegenden Test mit Viererkette. Es war nur ein Randaspekt an diesem Nachmittag, an dem alle Augen auf Reus gerichtet waren. Allerdings einer, den insbesondere der erklärte Viererketten-Freund Favre registriert haben dürfte.

Matthias Dersch

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